"Ride the Alps"

Velo-Event-Serie mit angezogener Bremse

2018 fand der erste Event am Susten statt.

2018 fand der erste Event am Susten statt.

Ohne Motorenlärm über Alpenpässe radeln – ein Traum. Doch im ersten Jahr war die Event-Serie «Ride the Alps» mässig erfolgreich. Warum werden in der Schweiz nur so wenige Alpenpässe für Autos und Motorräder gesperrt?

Die Gümmeler-Winterpause ist vorbei. Jetzt sind sie wieder unterwegs, die Rennradfahrer, und strampeln die ersten Flachland-Trainingskilometer ab. Und wenn es dann im Mai auch in der Höhe losgeht, müssen sich Velofahrer mit Auto-Ausflüglern und Töff-Liebhabern die engen Passstrassen teilen. Eine nicht unproblematische Koexistenz. Nachbarländer wie Italien oder auch Frankreich schliessen deshalb ihre beliebtesten Pässe an ausgewählten Tagen für den motorisierten Verkehr: Freie Bahn für Velofahrer! In Frankreich sind es dieses Jahr über 50 Bergstrassen, darunter die Alpe d’Huez oder der Col du Galibier. In der Schweiz gibt es Ähnliches nur vereinzelt.

Im letzten Jahr sollte dies ändern: Schweiz Tourismus und Coop lancierten gemeinsam «Ride the Alps»: Zehn Pässe sind einen Tag lang den Velofahrern vorbehalten, teils werden Zeitmessungen und Benefizrennen angeboten. Coop-Chef Joos Sutter pedalte medienwirksam bei Hudelwetter den Susten hoch, um die Event-Serie anzupreisen – danach hörte man in der Öffentlichkeit kaum noch etwas davon. Findet «Ride the Alps» dieses Jahr überhaupt wieder statt?

«Ja, aber ...», lautet die Antwort. Erstens ist Coop als Partner ausgestiegen; Ochsner Sport hat übernommen. Zweitens wird das Programm dieses Jahr abgespeckt. Und drittens sind die Anlässe neu kostenpflichtig.

Laut Schweiz Tourismus lockte «Ride the Alps» im vergangenen Jahr rund 9000 Personen auf die Passstrassen. «Knapp ein Drittel übernachtete aufgrund der Veranstaltungen in der Region», sagt Sprecher André Aschwanden. Im Durchschnitt habe eine Person 231 Franken ausgegeben. «Das Bedürfnis und die Lust am Fahren auf autofreien Strassen sind gross», so Aschwanden weiter. Besonders bei E-Bikern sei das Potenzial enorm. «Mit der koordinierten Sperrung der Passtrassen konnten die Schweizer Alpenpässe und ihre hervorragende Infrastruktur national und auch international auf die touristische Landkarte von Zweiradfans gebracht werden.»

Die grossen Pässe fehlen

Weiter sagt Aschwanden, die lokalen Veranstalter seien «im Grossen und Ganzen sehr zufrieden» gewesen und an einer Weiterführung von «Ride the Alps» interessiert. Und doch ist die Anzahl gesperrter Pässe dieses Jahr ernüchternd und es fehlen weiterhin die grossen Namen wie Grimsel, Furka oder Gotthard. Schweiz-Tourismus will sich 2019 auf vier bis fünf reine Plausch-Events für jedermann konzentrieren: keine Zeitmessung, keine Rennen. Die Teilnahme kostet neu 20 bis 30 Franken.

Simon Bischof hält das für eine Attraktivitätsminderung. Der Präsident des Vereins FreiPass, der sich schon lange für autofreie Tage auf Passstrassen einsetzt, sagt: «Man weiss doch mittlerweile, was das Erfolgsrezept wäre: Gratisteilnahme, mindestens sechs Stunden autofreier Pass. Und zwar nicht erst ab 14 Uhr, wie es dieses Jahr am ‹Ride the Alps› Flüela geplant ist.»

Gästezahl «eher enttäuschend»

Sowieso fällt Bischofs Fazit des ersten «Ride the Alps»-Jahres nüchtern aus: «Die Gästezahl war eher enttäuschend.» Die meisten Teilnehmer, rund 2500, habe der Anlass am Klausen- und Pragelpass gehabt, den «FreiPass» schon seit Jahren durchführt und der 2018 ebenfalls unter dem Label «Ride the Alps» lief. «Das Ganze kommt einfach nicht zum Laufen. Andere Destinationen, vor allem im Südtirol und in Frankreich, haben das Potenzial längst erkannt und sind bezüglich Angeboten und Gästezahlen schon fast uneinholbar voraus.» Es sei im Übrigen nicht nur die Tourismusbranche, die das Potenzial noch zu wenig wahrnehme. «Sondern auch die Behörden, die die Strassensperrungen bewilligen müssen. Da rennt man in einigen Kantonen gegen Wände.»

Auch Bischofs Verein hat genug vom «enormen Aufwand»: Der «FreiPass Klausen—Pragel» wird es so nicht mehr geben. «Wir haben uns nach 13 Jahren von der aktiven Organisation zurückgezogen», so der Präsident. «Nun ist es Zeit für neue Player.» Der Verein werde aber auch künftig alle Velotage auf Pässen in der Schweiz und den Nachbarländern auf seiner Website auflisten sowie einen jährlichen Förderpreis ausschreiben.

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