Ungewollter Arbeitsplatzverlust: für den Arbeitgeber eine unternehmerische Entscheidung, für den Arbeitnehmer oft ein emotionaler Tiefschlag. Ein Forscherteam des Psychologischen Instituts der Uni Zürich befragt aktuell Personen, die im vergangenen halben Jahr ihre Anstellung aus betriebsbedingten Gründen verloren haben. Es ist das erste Mal, dass eine solche Studie in der Schweiz durchgeführt wird.

Innerhalb der letzten fünf Monate wurden 89 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer in bis zu 2-stündigen Gesprächen befragt. Laut der Studienleitung hatten zum Zeitpunkt der Befragung bereits sechs Personen eine neue Stelle, was aber keinen signifikanten Unterschied ausmachte. 

Das vom schweizerischen Nationalfonds finanzierte Projekt möchte herausfinden, in welchen Bereichen entlassene Personen Unterstützung gebrauchen könnten. In Kooperation mit dem Amt für Arbeit und Wirtschaft Zürich wollen sie möglichst alle Betroffenen befragen – natürlich auch jene, die gut mit der Situation umgehen können. Es gelte herauszufinden, worin sich belastete Betroffene von weniger belasteten unterscheiden – und dann müsse man genau dort ansetzen.

Wiederkehrende Gedanken

Die Teilergebnisse der Studie zeigen, dass den Betroffenen die Kündigung noch lange im Nacken sitzt: Rund 60 Prozent der bisherigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer denken häufig, bis zum Teil auch noch Monate danach, an ihre Freistellung. «Wir haben damit gerechnet, dass ein substanzieller Anteil an Personen von diesem Gedankenkreisen um die Situation berichten, doch dass es fast zwei von drei Teilnehmenden sein werden, haben wir nicht von Anfang an erwartet», sagt die Studienleiterin Louisa Lorenz.

38 Prozent gaben an, dass sie durch die Entlassung finanzielle Probleme erleiden und viele Betroffene beschäftigt vor allem die Frage, warum es zur Freistellung kommen konnte. Und sie fügt hinzu: «Teilweise kehren die Gedanken wie automatisch zum Moment der Kündigung oder zum letzten Arbeitstag zurück.»

Dies könne unter Umständen sehr belastend sein und die Suche nach einer neuen Stelle behindern. Konzentrations- oder Schlafschwierigkeiten können auch als Stressreaktionen auftreten: Rund 40 Prozent der bisher befragten Personen leiden daran. Und etwa ein Viertel leidet deutlich darunter und fühlt sich durch die wiederkehrenden Gedanken und Stressreaktionen im Alltag beeinträchtigt. In der Psychologie spricht man von Anpassungsproblemen, die sich im äussersten Fall zu einer Anpassungsstörung entwickeln können. 

Schwere psychische Störungen

Ein solcher Ausnahmezustand ist häufig vorübergehend und die Betroffenen erholen sich nach einer Zeit wieder. Manchmal kann es aber auch zu schwerwiegenden psychischen Störungen wie zum Beispiel einer Depression führen. Deswegen kann es nützlich sein, Personen, die stärkere Schwierigkeiten haben, zu unterstützen. «Genau aus diesem Grund führen wir unsere Studie durch», erklärt die Doktorandin Lorenz. Je zuversichtlicher sich die Teilnehmenden zeigten, desto weniger Beeinträchtigungen erlebten sie. Dies unterstützen die ersten Resultate. So sehen knapp 90 Prozent der Gruppe ihre berufliche Zukunft optimistisch.

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