Unesco

Wird der Umgang mit Lawinengefahr Weltkulturerbe?

Lawinenabgänge kosten immer wieder Menschenleben (Symbolbild).

Lawinenabgänge kosten immer wieder Menschenleben (Symbolbild).

Das Know-how über Lawinen ist in der Schweiz und Österreich lebenswichtig. In den nächsten Wochen entscheidet sich, ob dies immaterielles Kulturerbe wird.

Er ist immateriell, aber lebenswichtig und Teil unserer Identität, also Kultur und Technik zugleich: der Umgang mit der Lawinengefahr. Nun soll die Kulturtechnik in die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen werden. Das Bundesamt für Kultur (Bak) hat in den vergangenen drei Jahren ein entsprechendes Gesuch erarbeitet, dies zusammen mit dem Kanton Wallis, dem WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung, dem Schweizer Alpen-Club, dem Schweizer Bergführerverband und dem Bundesamt für Umwelt. Das Gesuch ist vom Bundesrat vor einem Jahr bei der Unesco eingereicht worden. Ebenfalls am Dossier beteiligt waren Verbände und Institutionen aus Österreich. Die Antwort wird nächstens erwartet.

Wie kam es zu dieser originellen Idee? «Wir möchten den Umgang mit der Lawinengefahr und das damit verbundene Wissen und Können im Bewusstsein der Bevölkerung und über die Landesgrenzen hinaus verankern», begründet David Vitali, Leiter der Sektion Kultur und Gesellschaft beim Bundesamt für Kultur, das besondere Gesuch an die Unesco. Thomas Antonietti, Verantwortlicher für das immaterielle Kulturerbe im Kanton Wallis, sagt: «Die Aufnahme auf der Unesco-Liste wäre eine internationale Botschaft und eine grosse Anerkennung eines lebenswichtigen Volkswissens.»

Diese Tradition und die Transformation in die heutige Zeit seien nicht zuletzt auch wegen des Klimawandels wichtig und kulturell genauso bedeutsam wie zum Beispiel die Volksmusik oder die Fasnacht. Obwohl die Relevanz der Lawinen-Kultur und der Umgang mit Naturgefahren kaum bestritten seien, will sich Antonietti zum Ausgang der Kandidatur nicht aus dem Fenster lehnen. Dem Walliser, der Präsident jener Kommission war, die dem Bundesrat die Einreichung dieses Dossiers vorgeschlagen hat, bleibt nur die Hoffnung.

Gemeinsam zu weniger Risiko

Aber was zeichnet denn den Umgang mit der Lawinengefahr in der Schweiz besonders aus? Der Leiter des Schnee- und Lawinenforschung-Instituts SLF, Jürg Schweizer, hat eine typisch schweizerische Antwort: Speziell sei die Kultur, beim Management dieser Naturgefahr möglichst alle Betroffenen miteinzubeziehen und die verschiedenen Interessen abzuwägen, um gemeinsam nachhaltige Lösungen zu finden. «Da ist nichts einfach von oben herab diktiert», sagt Schweizer. Komme dazu, dass das Leben mit der Gefahr in den Bergen schon Ende des 19. Jahrhunderts zu einer landesweiten grossen Solidarität mit der Bergbevölkerung geführt habe. Bereits damals habe die Bergbevölkerung bei Bedarf von einem Ausgleich und von Hilfe aus dem Unterland profitieren dürfen.

Es ist unklar, wie sich der Klimawandel in der Schweiz genau auswirkt, aber sicher ist: Das Risiko für Schnee- und Stein-Lawinen, Felsstürze, Murgänge und reduzierten Permafrost bleibt bestehen. In Zukunft werden hoffentlich neue technische Elemente wie die automatische Detektion von Lawinen mit seismischen Sensoren und Infraschall-Mikrofonen die Datengrundlage für die Lawinenwarnung verbessern.

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