Angriff auf hoher See

Orcas greifen Segelschiffe vor spanischer Küste an – Forscher stehen vor einem Rätsel

Orca-Attacken auf Schiffe: Wollten die Tiere nur spielen?

In den letzten Wochen kam es vor der spanischen Atlantikküste zu mehreren Schwertwal-Angriffen auf Schiffe. Verschiedene Jachten mussten vom spanischen Seenotrettungsdienst abgeschleppt werden.

In den letzten Wochen kam es vor der spanischen Atlantikküste zu mehreren Angriffen von Schwertwalen auf Schiffe. Die Küstenwache warnt nun Schiffe, sich den Tieren zu nähern. Meeresbiologen vermuten, die Tiere wollten nur spielen.

«Der Schwertwal rammte uns 15 Mal», berichtet Justin Crowther, der britische Kapitän der Segeljacht «Beautiful Dreamer». Der Wal mit der markanten schwarzen Rückenflosse sei immer wieder mit Kraft gegen das Ruder geschwommen.

Bis die Zehn-Meter-Jacht, die zu diesem Zeitpunkt elf Kilometer von der spanischen Hafenstadt Ferrol (Region Galicien) mit Motor unterwegs war, völlig manövrierunfähig gewesen sei. «Wir haben dann den Motor abgeschaltet.» Daraufhin sei der Angreifer zunächst verschwunden, sagte Crowther einer spanischen Zeitung.

«Versuchen Sie nicht, sich im Falle einer Sichtung zu nähern»

Als 45 Minuten später ein Kreuzer des spanischen Seenotrettungsdienstes der havarierten «Beautiful Dreamer» zu Hilfe eilte und die Jacht in Schlepp nahm, habe der Schwertwal erneut das Segelschiff zu rammen versucht, aber ohne weitere Schäden anzurichten.

Der Zwischenfall ereignete sich am 11. September. Doch allein am vergangenen Montag 14. September musste der Seenotrettungsdienst dreimal ausrücken, um von den Meeresbewohnern lädierte Segeljachten abzuschleppen.

Kurz nach dem mysteriösen Geschehen, an dem möglicherweise mehrere dieser Meeresräuber beteiligt waren, informierte der Seenotrettungsdienst die Schifffahrt über einen «Angriff von Schwertwalen» vor der nordwestspanischen Küste.

Und er warnte: «Versuchen Sie nicht, sich im Falle einer Sichtung zu nähern. Halten Sie Abstand». Beim Auftauchen von Orcas, wie die Meeressäuger auch genannt werden, solle der Seenotdienst verständigt werden.

Jacht der spanischen Marine von einer Gruppe Orcas attackiert

Doch auch der Sicherheitsabstand schützt die Sportschiffer nicht unbedingt vor solchen Begegnungen. Denn die Orcas, die als neugierig gelten und zur Familie der Delfine gehören, tauchen zuweilen ganz unvermittelt auf.

So war es offenbar auch Ende August, als ebenfalls vor der galicischen Atlantikküste eine Regattajacht der spanischen Marine attackiert wurde. Die Marinesoldaten machten drei Schwertwale aus, von denen einer immer wieder das Ruder rammte. Und zwar solange, bis es ausgerissen war. Dann verschwanden sie.

kommentiert später Candido Cosuelo, einer der Marinesoldaten, den Vorfall im TV. Der erfahrene Segler Cosuelo glaubt nicht, dass die Schwertwale wirklich die Menschen anfallen wollten. «Die wollten mit dem Ruder spielen.» Am selben Tag wurde übrigens nicht weit entfernt noch eine französische Jacht attackiert.

Vor allem das Ruder zieht die Tiere an

Derweil berichtet die britische Zeitung «The Guardian» über weitere Zwischenfälle mit Schwertwalen, die sich schon im Juli weiter südlich, in der Nähe der Meerenge von Gibraltar, abspielten. Die Skipperin Victoria Morris berichtet in dem Blatt über einen «total organisierten» Angriff auf ihr Schiff von neun dieser grossen Meeresräuber. Auch in diesem Falle wurde vor allem das Ruder, das offenbar eine besondere Anziehungskraft hat, attackiert – bis es brach.

Aber was steckt hinter dem Verhalten dieser Meeresbewohner? Fühlen sie sich bedroht? Oder sehen sie die Boote und deren sich ständig bewegenden Ruderblätter tatsächlich als eine Art Spielzeug?

Forscher sprechen von Interaktionen der Wale mit den Schiffen

Die Meeresbiologen der spanischen Walforschungsorganisation Cemma versuchen die Öffentlichkeit mit einem Communiqué zu beruhigen. Es handele sich vermutlich nicht um gezielte Angriffe, sondern um «Interaktionen mit Schiffen». Die Forscher weisen darauf hin, dass die Schwertwale geschützt seien und dass es Schiffen deswegen nicht erlaubt sei, sich ihnen zu nähern. In dieser Jahreszeit würden die Schwertwale von Gibraltar kommend an der Atlantikküste Richtung Norden ziehen, um Thunfische zu jagen.

Möglicherweise handele es sich bei den Protagonisten der Vorfälle um einige Jungtiere, die sich noch in einer Phase des «Lernens und der Neugier» befänden, sagte Cemma-Biologe Alfredo López der galicischen Zeitung «Faro de Vigo». Normalerweise würden die Schwertwale weder Boote noch Personen bedrängen. López: «Sie springen nicht plötzlich aufs Deck, um Menschen zu attackieren».

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