Sicherheit
Thurgauer Schulkinder müssen wegen des Schnees auf der Strasse laufen – eine Mutter behält ihr Kind zu Hause

Im ganzen Kanton kommen die Schneeräumungsteams nicht nach. Problematisch wird dies, wenn Trottoirs wegen der Schneemassen für Schulkinder nicht mehr begehbar sind. Eine Übersicht.

Sabrina Bächi, Annina Flaig, Manuel Nagel
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Rechts sollte ein Trottoir sein. Es ist Teil des Schulwegs in Salmsach. Derzeit ist das Trottoir jedoch von Schneemassen überlagert. Die Schulkinder müssen auf der Strasse laufen.

Rechts sollte ein Trottoir sein. Es ist Teil des Schulwegs in Salmsach. Derzeit ist das Trottoir jedoch von Schneemassen überlagert. Die Schulkinder müssen auf der Strasse laufen.

Bild: Annina Flaig

Wer derzeit zu Fuss auf Trottoirs in den Städten und Dörfern unterwegs ist, muss aufpassen. Denn der viele Schnee türmte sich bei den Räumungsarbeiten auch auf den Trottoirs. Diese sind aber selten oberste Priorität, wenn es darum geht, die Strassen frei zu machen. Immer noch kann dort Schnee liegen. Ein Problem, vor allem für Schulkinder. Denn wenn sie nicht mehr auf dem Trottoir gehen können, wird es für sie auf dem Schulweg gefährlich.

In Weinfelden kontaktierte Schulpräsident Thomas Wieland am Wochenende Martin Schneeberger, Leiter des Werkhofs, um auf die Schneesituation an der Bachtobelstrasse aufmerksam zu machen. Schneeberger bestätigt auf Anfrage:

«Am Sonntag haben wir in diesem Bereich mit der Schneefräse die Trottoirs auf beiden Seiten geräumt, sonst wäre es zu gefährlich.»

Die Schwierigkeit sei, dass von den Strassen hohe Maden am Rand und teilweise eben auch auf den Trottoirs entstanden. «Gerade bei breiten Strassen, wo es viel Schnee zu räumen gab, ist das ein Problem», sagt Schneeberger. Mit dem Pfadschlitten hätte man dann auch nicht mehr die Fussgängerzonen räumen können, der Schnee war zu hoch und zu kompakt.

Thomas Wieland, Präsident Schule Weinfelden.

Thomas Wieland, Präsident Schule Weinfelden.

Bild: PD

Keine Reklamationen von Eltern

Die Fräse musste her. Generell habe das Team darauf geachtet, dass bei Schulwegen mindestens auf einer Seite das Trottoir gut begehbar und somit der Schulweg gesichert sei. «Mir sind keine Reklamationen von Eltern oder Lehrern bekannt», sagt Thomas Wieland, Weinfelder Schulpräsident.

Auch in Salmsach stösst man bei der Schneeräumung an seine Grenzen. Entlang der Hauptstrasse Richtung Hungerbühl sei die Situation für die Schulkinder auf dem Trottoir gefährlich, erzählt eine Mutter. Die Schüler müssten teils fast oder ganz auf der Strasse zur Schule marschieren, wo die Lastwagen direkt an ihnen vorbeifahren. «Für den Verkehr wird der Schnee weggeräumt. Für die Schulkinder schaut niemand», bedauert sie, die kein Auto zur Verfügung hat, um ihr Kind in die Schule zu chauffieren, wie es andere seit Donnerstag tun. Sie verstehe, dass es schwierig ist, die Schneemassen zu bewältigen.

«Wenn man es nicht schafft, gibt man den Schülern halt schneefrei.»

Damit wäre ihrer Meinung nach allen geholfen, auch den Kindern, welche den Schnee geniessen. Sie jedenfalls hat ihr Kind als Konsequenz am Freitag zu Hause behalten und das der Gemeinde auch so mitgeteilt. Danach sei der Pfadschlitten einmal gekommen. Trotzdem sei das Trottoir an vielen Stellen auch am Montagmorgen für die Schulkinder noch nicht passierbar gewesen.

Strassenränder, Velowege und Trottoirs freischaufeln, geht nur noch von Hand oder der Schneefräse, wie hier in Lachen bei Schönholzerswilen.

Strassenränder, Velowege und Trottoirs freischaufeln, geht nur noch von Hand oder der Schneefräse, wie hier in Lachen bei Schönholzerswilen.

Bild: Donato Caspari (Lachen, 18. Januar 2021)

Bagger schaufelt Trottoirs frei

Gemeinde- und Schulpräsident Martin Haas sieht das anders: «Wir haben am Montagmorgen extra kurz vor Schulbeginn die Trottoirs freigeräumt.» Er selbst habe die Strassen um 7.30 Uhr nochmals abgefahren und für zumutbar befunden. «Zumindest ein schmaler Weg war überall frei.» Das Problem sei, dass die Zuständigen des Kantons beim Freiräumen der Kantonsstrassen den Schnee halt einfach zur Seite schieben würden. Die Gemeinde kümmere sich dann um die Trottoirs.

Martin Haas, Gemeinde- und Schulpräsident von Salmsach.

Martin Haas, Gemeinde- und Schulpräsident von Salmsach.

Reto Martin

«Wir wissen aber leider nie, wann genau die Kantonsangestellten mit dem Pfadschlitten kommen.» Erschwerend hinzugekommen sei, dass der Schnee extrem nass und schwer geworden war. Der Schneepflug der Gemeinde sei den Massen nicht mehr Herr geworden, obwohl der Winterdienst das ganze Wochenende über im Einsatz gewesen sei. «Nun ist eine Mannschaft aus vier Leuten dabei, mit dem Bagger die Trottoirs freizuschaufeln.» Den Unterricht deswegen ausfallen zu lassen, sei in Salmsach nie zur Diskussion gestanden, sagt Haas.

Am Montagmorgen hatten die Fussgängerstreifen Priorität

Kilian Moser, Liegenschaftsverwalter der Volksschulgemeinde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri weiss nichts von Reklamationen. Und auch Amriswils Bauverwalter Manfred Wagner sagt, es hätten sich nicht einmal eine Handvoll Leute gemeldet. Priorität hatten am Montagmorgen die Fussgängerstreifen rund um die Kreisel und bei den Schulhäusern, sagt der Bauverwalter.

Manfred Wagner, Bauverwalter Amriswil.

Manfred Wagner, Bauverwalter Amriswil.

Bild: Manuel Nagel

Man müsse jedoch auch sehen, dass bei diesen Schneemengen der Kanton und auch die Stadt Amriswil überfordert seien.

«Unsere Infrastruktur ist nur auf etwa 20 Zentimeter Schnee ausgelegt.»

Die Winter seien viel zu milde, als dass sich eine teurere Infrastruktur rechnen würde. Jedoch bietet die Stadt noch zusätzlich sieben Bauern mit ihren Traktoren auf, welche helfen, die Strassen und Trottoirs freizumachen.

Frauenfeld buddelt zuerst Unterflurcontainer aus

In der Hauptstadt geniessen die Trottoirs nicht oberste Priorität, wie Cornelia Trefzer, Leiterin der städtischen Medienstelle, auf Anfrage sagt. «Zuerst werden die Hauptverkehrsachsen und neuralgische Stellen wie der Bahnhof freigeräumt, dazu gehören auch Fussgängerstreifen. Dann geht es ums Freischaufeln von Unterflurcontainern und Bushaltestellen sowie steilen Strassen und Fusswegen», sagt Trefzer. Dann erst würden Trottoirs vom Schnee befreit.

Die aussergewöhnlichen Schneemassen führten auch in Frauenfeld zu einem Schneechaos. Fussgänger mussten auf der Strasse gehen.

Die aussergewöhnlichen Schneemassen führten auch in Frauenfeld zu einem Schneechaos. Fussgänger mussten auf der Strasse gehen.

Bild: Andrea Stalder (Frauenfeld, 15. Januar 2021)

Aber auch sie macht darauf aufmerksam, dass die Schneemassen aussergewöhnlich seien und der Winterdienst stark gefordert sei und an die Grenzen stosse. Einen speziellen Fokus auf Schulwege gibt es bei den Schneeräumungsarbeiten in Frauenfeld indes nicht.

Andreas Wirth, Schulpräsident Frauenfeld.

Andreas Wirth, Schulpräsident Frauenfeld.

Bild: PD

Dem Frauenfelder Schulpräsidenten Andreas Wirth sind keine Reklamationen seitens Lehrer oder Eltern bekannt. «Es ist eine Ausnahmesituation, da hatten viele Verständnis. Es lief vor allem bei den starken Schneefällen nicht alles rund. Mal kam ein Kind zu spät, das ist aber nicht so tragisch», sagt Wirth. Wichtiger sei der Sicherheitsaspekt. Wenn er die Trottoirs aber betrachte, so finde er, dass ein guter Job gemacht wurde.