"Unsere Arbeit zeigt, dass angebotsorientierte Anti-Drogen-Strategien allein bestenfalls ineffektiv sind und schlimmstenfalls das Problem des Drogenhandels sogar noch verschärfen", sagt Nicholas Magliocca von der Universität von Alabama. Er hat die in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS") veröffentlichte Studie geleitet.

Insgesamt zwölf Tonnen Kokain hat die US-Küstenwache in den ersten drei Monaten des Jahres vor den Küsten von Mexiko, Mittelamerika und Südamerika beschlagnahmt. "Wenn wir die Drogen tonnenweise auf dem Meer beschlagnahmen können, müssen wir sie nicht kiloweise auf den Strassen von Miami suchen", sagt Vizeadmiral Daniel Abel.

Gemeinsam mit Kollegen hat Nicholas Magliocca das Computermodell NarcoLogic entwickelt. Es zeigt, dass Verbrechersyndikate nach dem Abfangen von Drogenlieferungen schnell ihre Schmuggelrouten ändern. Dadurch vergrössern sich die für den Drogenschmuggel genutzten Gebiete, was wiederum das Aufspüren und Beschlagnahmen weiterer Lieferungen erschwert.

Der Versuch, den Schmuggel durch Razzien oder Beschlagnahmungen in Mittelamerika zu stoppen, kann als gescheitert angesehenen werden: Immer mehr Kokain gelangt in die USA. Die weltweite Kokainproduktion stieg um 25 Prozent auf 1410 Tonnen pures Kokain.

Immer mehr Kollateral-Schäden

Wenn die Polizeieinsätze an den Schmuggelrouten dazu führen, dass die Drogenhändler ihr Operationsgebiet weiter ausweiten, leiden immer mehr Menschen in den betroffenen Gebieten unter den Begleiterscheinungen der illegalen Geschäfte. "Wo Drogen geschmuggelt werden, kommt es oft zu Gewalt und Korruption, Enteignung von Ländereien und Umweltzerstörung."

"Wir bieten ein Werkzeug an, um verschiedene Politikansätze zu testen sowie deren mögliche Auswirkungen auf das Verhalten der Drogenhändler und die Kollateral-Schäden des militärischen Anti-Drogen-Kriegs vorauszusagen", versprechen Magliocca und sein Team.