1. Wann startet die Swisscom ihr 5G-Netz?

Der grösste Schweizer Telekomkonzern will bis Ende Jahr über 90 Prozent der Schweiz mit der neuen Mobilfunkgeneration abdecken. «Sobald wir die Konzession für die neuen Mobilfunkfrequenzen erhalten haben, werden wir die Netze freischalten», sagte Swisscom-Chef Urs Schaeppi am Mittwoch vor den Medien in Zürich. 

Zum Start werden 100 Standorte in über 50 Städten und Orten mit 5G versorgt. Bis Ende Jahr soll 90 Prozent der Bevölkerung das 5G-Netz nutzen können – allerdings werden nicht alle gleich davon profitieren, wie Swisscom im Interview mit watson erklärte.

2. In welchen Gemeinden kommt das 5G-Netz von Swisscom zuerst?

Nebst den grossen Städten wie Bern, Basel, Zürich und Genf zählen die folgenden Gemeinden zu den ersten 5G-Standorten:

3. Wann kann ich ein 5G-Smartphone kaufen?

Die ersten kommerziellen 5G-Smartphones sollen ab Mai erhältlich sein. Das Angebot an 5G-fähigen Geräten werde laufend erweitert, sagt Swissom. Das allererste 5G-Gerät im Swisscom-Shop stammt – und das ist die grosse Überraschung – vom chinesischen Smartphone-Giganten Oppo. Weitere Marken wie LG (ebenfalls ab Mai), Samsung (ab Juli) und Huawei (3. Quartal) werden folgen.

Wann weitere bekannte Marken wie Nokia und Apple ihre 5G-Handys auf den Markt bringen, ist noch nicht bekannt.

4. Was brauche ich, um 5G nutzen zu können?

Ein 5G-fähiges Smartphone sowie ein Mobilfunk-Abo, das 5G unterstützt. Neuere Handy-Abos unterstützen in der Regel automatisch 5G, sobald das neue Netz verfügbar ist. Bei älteren und besonders günstigen Abos (z.B. M-Budget-Abo) wird die Geschwindigkeit teils gedrosselt, wie es schon bisher beim 4G-Netz der Fall ist.

Swisscoms aktuelle inOne-Abos unterstützen das 5G-Netz. Wer die maximale Geschwindigkeit will, muss sich aber eine Premium-Speed-Option für 10 Franken pro Monat dazu erwerben. Wer mehrere Geräte mit voller 5G-Leistung versorgen will, zahlt zusätzlich zum Abo 20 Franken pro Monat. Ob sich dies lohnt, sollte man sich sehr gut überlegen, zumal die Bandbreite auch im 5G-Netz immer auf alle Nutzer in Reichweite einer Funkzelle verteilt wird.

Swisscoms Basic-Abo für 45 Franken ist auf 50 Mbit/s gedrosselt.

Swisscoms Basic-Abo für 45 Franken ist auf 50 Mbit/s gedrosselt.

5. Welche 5G-Handys kann ich nun bei Swisscom kaufen?

Swisscom hat fünf 5G-Smartphones präsentiert, die zwischen 1200 und 2500 Franken kosten werden.

1. Oppo Reno 5G

Swisscom bringt überraschend die chinesische Handy-Marke Oppo in die Schweiz.

Swisscom bringt überraschend die chinesische Handy-Marke Oppo in die Schweiz.

In Fernost gehören die Smartphones von Oppo zu den beliebtesten Endgeräten, weltweit zählt Oppo zu den fünf führenden Herstellern. Bei uns ist der Smartphone-Riese bislang fast unbekannt. Das soll sich nun aber, ähnlich wie zuvor bei Huawei gesehen, rasch ändern: Das Oppo Reno 5G, das erste 5G-Smartphone der Chinesen, gibt es ab Mai im Swisscom-Shop.

Das China-Handy punktet mit einem sehr grossen Akku (4065 mAh) mit Schnellladefunktion, einer 48-Megapixel-Kamera (10-fachen Hybridzoom und Nachtbildmodus) sowie dem aktuell schnellsten Mobile-Prozessor für Android-Smartphones (Qualcom Snapdragon 855).

Das Oppo Reno 5G hat ein fast randlosen Display und eine 48-Megapixel-Kamera.

Das Oppo Reno 5G hat ein fast randlosen Display und eine 48-Megapixel-Kamera.

Oppo versucht sich bei uns als Premium-Marke neben Apple, Samsung und Huawei zu positionieren. Das Reno 5G erinnert technisch an die Top-Modelle von Huawei und kostet auch gleich viel: 999 Franken. Dafür bekommt man das erste 5G-fähige Smartphone der Schweiz.

2. LG V50 ThinQ

Auf den ersten Blick sieht es wie ein gewöhnliches Smartphone aus.

Auf den ersten Blick sieht es wie ein gewöhnliches Smartphone aus.

LG verkauft das V50 ThinQ mit einem 200 Franken teuren Zusatz-Display, das gleichzeitig als Schutzhülle dient.

LG verkauft das V50 ThinQ mit einem 200 Franken teuren Zusatz-Display, das gleichzeitig als Schutzhülle dient.

Das LG V50 ThinQ wird mit der Display-Hülle zu einem Dual-Screen-Handy.

Das LG V50 ThinQ wird mit der Display-Hülle zu einem Dual-Screen-Handy.

LG will so vor allem Gamer ansprechen.

LG will so vor allem Gamer ansprechen.

Das neue Top-Modell von LG hat eine Dreifach-Kamera, einen grossen Akku (4000 mAh) und den aktuell schnellsten Prozessor für Android-Smartphones, den Snapdragon 855. Es ist ab Mai verfügbar und kostet bei Swisscom mit einem Abo 1099 Franken.

3. Samsung Galaxy S10 5G

Ab Juli bringt Samsung die 5G-Version des Galaxy S10 in die Schweiz.

Ab Juli bringt Samsung die 5G-Version des Galaxy S10 in die Schweiz.

Das S10 5G entspricht dem normalen S10, ist aber 5G-fähig. Ansonsten hat man wie gehabt eine sehr gute Vierfach-Kamera und einen starken Akku mit 4500 mAh. Kostenpunkt: 1279 Franken.

4. Huawei Mate X

Das Mate X ist das erste faltbare Smartphone bei Swisscom mit 5G.

Das Mate X ist das erste faltbare Smartphone bei Swisscom mit 5G.

Das Mate X von Huawei ist ein Smartphone mit biegbarem Display, das sich zu einem 8 Zoll grossen Tablet auffalten lässt. Das Falt-Handy soll erst ab dem 3. Quartal verfügbar sein und kostet 2499 Franken.

6. Wie schnell ist 5G?

Swisscom erreicht unter idealen Bedingungen maximal 1,86 Gbit pro Sekunde. Das ist rund 10 Mal schneller als es das heutige 4G-Netz ist. Das Problem: Auch 5G ist ein sogenanntes «shared medium». Das heisst, die Bandbreite einer Funkzelle wird auf alle Endgeräte in der Umgebung verteilt, so dass die Geschwindigkeit im Alltag weit geringer sein kann.

4G-Speed im Vergleich mit älteren Handy-Netzen:

Die Angaben sind theoretische Maximalwerte, die im Alltag nicht erreicht werden.

Die Angaben sind theoretische Maximalwerte, die im Alltag nicht erreicht werden.

7. Was hat es mit 5G-Internet für zu Hause auf sich?

Swisscom lanciert 2020 den 5G-Booster, der schnelles Internet durch die Luft verspricht.

Swisscom lanciert 2020 den 5G-Booster, der schnelles Internet durch die Luft verspricht.

Swisscom, aber auch Sunrise und Salt, verkaufen künftig 5G-Router, die ländliche Regionen mit schnellem Internet durch die Luft versorgen sollen. Ein Glasfaser-Kabel ist und bleibt aber schneller als 5G.

Sunrise hat bereits ein Abo angekündigt, das Internet für zu Hause via 5G-Netz offeriert. Der Werbeslogan «Glasfaser durch die Luft» ist allerdings eine Mogelpackung, da die maximale Bandbreite im Mobilfunknetz auf alle Nutzer einer Funkzelle verteilt wird, während Glasfaser-Kunden eine zugesicherte Bandbreite haben.

8. Welche Vorteile bringt 5G?

Private Nutzer profitieren von ultraschnellen Downloads, mehr Bandbreite, selbst wenn sich viele Menschen an einem Ort aufhalten und schnelleren Reaktionszeiten, was etwa flüssigere Online-Spiele erlaubt.

Urs Schaeppi, CEO von Swisscom, sagt: «Bisher hat jeder Technologiesprung im Mobilfunk zu einem fundamentalen Wandel des Alltags geführt.» Das 2G-Netz hat uns vom Festnetz befreit und die SMS als Killer-Anwendung hervorgebracht. Das 3G- und 4G-Netz hat das mobile Internet ermöglicht. Bei 5G werden laut Schaeppi zunächst Unternehmen das volle Potenzial nutzen, etwa das Baugewerbe.

Swisscom zeigt im Werbevideo, wie Baufirmen von 5G profitieren könnten.

Der zentrale Vorteil des 5G-Netzes ist, dass es sich intelligent an den jeweiligen Erfordernissen der Geräte bzw. Anwendungen im Netz ausrichten kann.

Ein Netflix-Stream in sehr hoher Bildqualität verlangt zum Beispiel eine schnelle Datenübertragung, bei der Steuerung von Drohnen, Robotern in Fabriken oder der Vernetzung selbstfahrender Fahrzeuge werden hingegen nur kleine Datenmengen übertragen, die aber mit möglichst geringer zeitlicher Verzögerung ankommen müssen.

In einer Fertigungshalle wiederum kann 5G besonders viele Dinge und Maschinen gleichzeitig verbinden und in der Warenlogistik ist eine stromsparende Anbindung sehr vieler Elemente (z.B. Container) an das 5G-Netz zentral.

Der Ort einer Anwendung im Dreieck zeigt, welche 5G-Eigenschaft wie wichtig ist.

Der Ort einer Anwendung im Dreieck zeigt, welche 5G-Eigenschaft wie wichtig ist.

Konkret bietet das 5G-Netz folgende Vorteile:

  • Network Slicing: Jede Anwendung nutzt nur das Stück des 5G-Netzes, das sie braucht (zum Beispiel: Geschwindigkeit, Reaktionszeit oder Kapazität). Telekomfirmen können zudem Netzkapazitäten für Polizei, Ambulanz oder Feuerwehr reservieren, damit sie erreichbar bleiben, wenn das Handynetz in Krisenfällen zusammenbricht.
  • Kapazität: Es können massiv mehr Geräte gleichzeitig Daten übertragen. Waren 3G und 4G vor allem für Smartphones ausgelegt, kommen bei 5G gewaltige Mengen vernetzter Geräte hinzu – beispielsweise Industrie-Roboter, smarte Verkehrsampeln, die sich automatisch dem Verkehrsaufkommen anpassen oder autonom fahrende Autos. So kann ein 5G-Netz zum Beispiel in einer Fertigungshalle besonders viele Maschinen miteinander vernetzen.
  • Reaktionszeit: Mit 5G sinkt die Reaktionszeit auf einige wenige Millisekunden, sprich die Datenübertragung findet praktisch in Echtzeit statt. Die Sensoren und Assistenzsysteme in Autos sind beispielsweise darauf angewiesen, dass die Reaktionszeit gegen null tendiert, wenn Autos über das Mobilfunknetz direkt untereinander kommunizieren, um sich etwa vor Gefahren zu warnen. Auch die Medizin könnte profitieren: Denkbar wäre, dass eine spezialisierte Chirurgin von Kanada aus einen Roboter in einem Schweizer Spital in Echtzeit steuert, um an einem Patienten eine Operation durchzuführen.
  • Geschwindigkeit: Mit 5G sind bei uns zunächst Download-Geschwindigkeiten von 1 bis 2 Gbit/s (2000 Mbit/s) möglich. Dies ermöglicht im besten Fall hochaufgelöste 4K-Videostreams, selbst wenn sich andere Nutzer in der gleichen Funkzelle befinden. Mit zusätzlichen, höheren Frequenzbändern, die in der Schweiz erst in rund zehn Jahren zum Thema werden, wären nochmals deutlich höhere Downloadraten möglich.
  • Effizienz: Mit 5G kann der Energieverbrauch laut Swisscom «je übertragenem Bit um den Faktor Tausend gesenkt werden». Ein wichtiger Vorteil, da immer mehr Geräte via Mobilfunk direkt untereinander kommunizieren.

9. Warum braucht es 5G überhaupt?

Mit Flatrate-Datenabos und dem mobilen Konsum von Netflix, YouTube etc. explodiert das Datenvolumen. Menschen unter 25 Jahren konsumieren acht Mal mehr Daten als ältere Generationen. Laut Swisscom werden heute 14 Mal mehr Daten auf dem Handy genutzt als noch vor fünf Jahren. Dieser Trend werde weitergehen, glaubt Swisscom. Und da noch längst nicht alle Konsumenten Daten-Flatrate-Abos haben, ist dies eine realistische Annahme.

Das Datenvolumen, das 2014 in einer Woche übertragen wurde, fällt heute an einem halben Tag an.

Das Datenvolumen, das 2014 in einer Woche übertragen wurde, fällt heute an einem halben Tag an.

10. Wann kommt 5G bei Sunrise und Salt?

Letzte Woche hatte Sunrise ihr 5G-Netz an 150 Orten in der Schweiz in Betrieb genommen. Die Abdeckung dort liege bei 80 bis 98 Prozent der Bevölkerung, hatte die Nummer zwei im Mobilfunk bekannt gegeben. Salt will ihr 5G-Netz in der zweiten Jahreshälfte in Betrieb nehmen.