«Kassensturz»
Testzertifikate trotz ungenügender Filterwirkung: Streit um die Sicherheit der Skimasken-Schläuche

Der «Kassensturz» befand drei Skimasken für absolut ungenügend. Doch sie haben alle ein Zertifikat der Schweizer Firma SQTS. Wer testet nun richtig?

Sabine Kuster
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Wie hoch der Virenschutz ist, ist auch bei Skimasken nicht abschliessend geklärt.

Wie hoch der Virenschutz ist, ist auch bei Skimasken nicht abschliessend geklärt.

Getty Images

Sie werden inzwischen überall auf den Skipisten getragen: Halsschläuche, die gleichzeitig als Hygienemaske dienen sollen. Viele Skigebiete und Tourismusregionen haben solche mit ihrem Design bestellt. Doch ein Test der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW im Auftrag des «Kassensturz» zeigte eine viel zu geringe Schutzwirkung: Die Halsschläuche von Muntagnard, Hä?wear und UYN filterten im Test nur 36 % der Parikel aus der Luft. Gefordert ist aber ein Zurückhalten 1 Mikrometer grosser Partikel von 70 Prozent.

Die Hersteller haben jedoch alle drei ein Testzertifikat mit einer Flitereffizienz von >95 % der Prüffirma SQTS in Dietikon. Die Schweizer Firma Muntagnard schreibt, man habe extra mit einem Prüfinstitut zusammengearbeitet, das der Bund empfohlen habe. Das BAG verweist auf seiner Internetseite explizit auf zwei Prüffirmen für Masken: SQTS und Testex.

Wir können uns nicht erklären, weshalb die SQTS-Werte so stark von unseren Messwerten abweichen.

Das sagt «Kassensturz»-Testleiter Rolf Muntwyler. Ernest Weingartner von der FHNW bekräftigt, sie hätten die Tests mehrmals wiederholt. «Unsere Messungen sind wasserdicht.»

Andere Prüflabors – andere Ergebnisse

In den Prüfberichten von SQTS gibt es keine Angabe, wie gross die Partikel waren, doch es gibt einen Verweis auf die erfüllten Anforderungen der Swiss Covid-19 Task Force. Thomas Gude von SQTS bestätigt auf Nachfrage: Man prüfe selbstverständlich mit der geforderten Partikelgrösse von einem Mikrometer. Er findet, der «Kassensturz» habe «etwas einseitig» berichtet und es lägen der Fernsehsendung nur die Messwerte der FHNW vor, obwohl bekannt sei, «dass sowohl wir aber auch andere Institutionen zu anderen Ergebnissen gekommen sind.»

Eine neue Normierung soll es richten

Bei der Masken-Problematik sei noch viel im Gange. Gude verweist auf die Normierung SNR30000 für Hygienemasken, die am 29. Januar veröffentlicht wird. Die neue Regel heisst «Community-Masken, grundlegende Anforderungen und Prüfverfahren» und soll den Streit um die Maskenqualität beruhigen. Sie bleibt jedoch eine Empfehlung und wird nicht Vorschrift für Stoffmasken.

Ausserdem werden sich die Tests dennoch weiterhin unterscheiden, so darf zum Beispiel ausdrücklich mit Paraffin-Aerosolen oder Natriumchloridpartikeln getestet werden. Zudem dürfen entsprechend akkreditierte Testlabors ihre Testmethoden modifizieren, sofern sie aufzeigen können, dass sie vergeleichbare Resultate erhalten. Lea Leibundgut von der Schweizerischen Normen-Vereinigung sagt: «Diese Kompetenz wird ihnen anerkannt.» Ein solches Unternehmen ist auch SQTS. Die Frage, wer nun richtig misst, lässt sich also auch mit der Norm nicht definitiv beantworten.

Der Testsieger schützt rund herum

Für gut befand der Test der FHNW übrigens den Halsschlauch «Buff Filter Tube» mit auswechselbarem Filtereinsatz. Testsieger war die Livipro Tube Mask von Unrepa mit einer Filtereffizienz von 98 % und zwar auf dem ganzen Stoff. Denn bei Schläuchen mit einem zu kleinen Filter nur vor dem Gesicht oder einem mit zu hohem Luftwiderstand entweichen die Aerosole einfach seitlich durchs Textil.

Der «Kassensturz»-Beitrag zum Nachschauen: