Trendgetränk
Ginger-Shot – heilende Schärfe aus dem Supermarkt, aber nicht zusammen mit Alkohol

Die kleinen Fläschchen sind gerade oft ausverkauft. Echte Kämpfer gegen Erkältungen sind aber die selbst gemachten Ingwershots.

Anja Stampfli
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Begehrte Shots in den Verkaufsregalen: Immer wieder hat es Lücken.

Begehrte Shots in den Verkaufsregalen: Immer wieder hat es Lücken.

Anja Stampfli

Ob Corona, Influenza oder RS-Viren – solche Infekte legen die Schweizer und Schweizerinnen noch immer zahlreich ins Bett. Doch nun erobert ein kleines Fläschchen aus dem Supermarkt die Schweiz: Ingwershots sollen das Immunsystem stärken und sogar eine Erkältung um einige Tage verkürzen. Doch was taugen die kleinen, scharfen Säfte wirklich?

Vor allem bei Teenagern und jungen Erwachsenen ist der Name Ginger-Shot (Ingwerschuss) ein Begriff. In jedem Supermarkt und an fast jeder Tankstelle sind die kleinen Fläschchen, auch «Kurze» genannt, seit Monaten oft ausverkauft. Sie heissen Ingwer-Kurkuma-Power-Shot, Immunity-Shot, Vitamin-D-Shot oder Kombucha-Curcuma & Ginger-Shot. Doch halten die Trendgetränke, was sie versprechen?

Der kleine Sluups-Ginger-Shot (60 ml) aus dem Coop kostet Fr. 2.80 und weist mit 7,6 Gramm Zucker auf 100 ml einen ähnlich hohen Gehalt wie Orangensaft auf. Hingegen ist der Ingwergehalt mit durchschnittlich 5 bis maximal 30 Prozent pro Shot relativ gering. Der Rest ist Fruchtsaft.

Mit Alkohol gemischt, wird der Shot zum Dauerbrenner

Ernährungsmediziner Claudio Lorenzet aus Bergdietikon AG erklärt den Trend so: «Das Getränk kommt aus den USA. Shot bedeutet Schuss und bringt zum Ausdruck, schnell nach Arbeitsschluss oder am Wochenende einen Ginger mit Freunden oder in einer Gruppe zu trinken.» Zudem habe man das Gefühl, etwas Gutes für seine Gesundheit zu tun, da Ingwer eine entzündungshemmende Wirkung hat. Ingwer fördert zudem die Verdauung und wirkt antioxidativ, er wirkt also gegen schädliche Radikale, welche Zellschäden oder Zellveränderungen im menschlichen Körper auslösen können.

Die starke Nachfrage hängt wohl auch damit zusammen, dass die Shots oft zusammen mit Alkohol wie Schnaps, Korn oder Wodka gemixt werden. Der Zucker beschleunigt die Aufnahme des Alkohols ins Blut. Lorenzet weiter: «Ein hoher Zucker- und Alkoholkonsum ist nicht gesundheitsfördernd, doch in kleinen Mengen akzeptabel.»

Rezept: So bereitet man den Shot selbst zu

Wer wirklich etwas gegen seine Erkältung tun möchte, fährt besser, wenn er einen Ingwershot selbst herstellt – ohne Zucker mit 100 Prozent Ingwergehalt. Aufgrund seiner Scharfstoffe, der Gingerole, hilft Ingwer auch bei Migräne-Kopfschmerzen, Übelkeit und Brechreiz. Lorenzet weist auf asiatische Studien hin, welche die Wirkung des Ingwers bei Erkältungskrankheiten untersucht und nachgewiesen haben. Dabei aber müsse berücksichtigt werden, dass es verschiedene Ingwerarten gibt: Sheng Jiang ist frischer Ingwer, der besonders bei Erkältungskrankheiten wirkt. Gan Jiang ist der trockene Ingwer, der wärmer wirkt als der frische. Er stärkt und wärmt die Mitte und soll vor allem gegen Durchfall wirken.

Selber zubereiten kann am einen Ingwershot mit 100 Gramm Ingwer und einem daumengrossen Stück Kurkuma, die in 4 dl heissem Wasser püriert werden. Dann den Saft einer Zitrone hinzugeben, 15 Minuten ziehen lassen, durch ein Sieb giessen und frisch trinken.