Universität Zürich

Während zwei Forscherinnen für ihre Entdeckung den Nobelpreis erhalten, geht der «Vater der Genschere» leer aus

Martin Jinek, der «Vater der Genschere»,  in seinem Büro in Zürich.

Martin Jinek, der «Vater der Genschere», in seinem Büro in Zürich.

Martin Jinek (41), Professor für Biochemie der Universität Zürich, trug massgeblich dazu bei, das Verfahren anwendbar zu machen.

Die Schweizer haben Kühe, Käse und Schoggi. Und sie haben Mythen, die sie argwöhnisch hüten und eifrig pflegen. Schweizer Präzision zum Beispiel. Und von da ist es nur noch ein kleiner Schritt zum Schweizer Präzisionswerkzeug schlechthin: dem sogenannten ­«Armeemesser». Wir kennen die Firma und wir kennen das Tool. Sucht man ein Beispiel für ein Allzweckwerkzeug schlechthin, dann kann es nur dieses Schweizer Qualitäts-Sackmesser sein.

Bei all diesen Mythen musste Martin Jinek in der Schweiz landen. Das Magazin der Universität Zürich bezeichnet ihn als «Vater der Genschere». Aber in den populärwissenschaftlichen Publikationen über Crispr-Cas9 ist die Messermetapher mindestens ebenso beliebt wie die Schere.

Im Artikel, der am 7. August 2012 in «Science» erschien, steht sein Name in der Autorenliste an erster Stelle. Dort wird erklärt, wie dieses Immunsystem von Bakterien als programmierbares Instrument zur Veränderung des Erbgutes in beliebigen Zellen gebraucht werden kann. Jinek war damals Postdoc an den Instituten der University of California in Berkeley, die von der Nobelpreisträgerin Jennifer A. Doudna geleitet wurden.

«Ich bin glücklich und stolz darauf, Teil dieser bahnbrechenden Ent­deckungen gewesen zu sein», sagt er. Man sucht vergebens nach Bitterkeit in seiner Stimme. Zuvor hatte er gebeten, die Unterhaltung am Telefon auf Englisch zu führen, «mein Deutsch ist vielleicht nicht gut genug, um die wissenschaftlichen Dinge richtig darzustellen.»

Dabei ist klar, dass der An­rufer nicht nach wissenschaftlichen Details fragen wird. Nicht am Tag, an dem die beiden Entdeckerinnen von Crispr-Cas9 den Nobelpreis erhalten. Sie stehen im Rampenlicht. Wer sich allerdings auf dem Gebiet auskennt, dem ist auf jeden Fall klar, wie wichtig der Beitrag von Martin Jinek gewesen ist. Und wissenschaftliche Preise hat er mittlerweile auch jede Menge bekommen.

2007 ist er nach Berkeley gegangen, nachdem er – geboren in der damaligen Tschechoslowakei – als 17-Jähriger ein High-School-Stipendium im englischen Reading erhalten hatte. Später folgte das Studium am Trinity College in Cambridge und die Dissertation in Heidelberg. Interessiert hatten ihn die molekularen Vorgänge im Zusammenspiel zwischen Proteinen und den DNA-und RNA-Molekülen der Erbsubstanz in der lebenden Zelle.

Dort ist die entscheidende Schwelle, wo Information zu Leben wird. Wenn die Moleküle und Proteine miteinander interagieren, verändern sich ihre räumlichen Strukturen. Wer verstehen will, was in den Zellen passiert, muss diese Strukturveränderungen verstehen. Nach der bahnbrechenden Publikation 2012 ging Martin Jinek 2013 an die Universität Zürich.

Zusammen mit seiner Gruppe forschte er weiter am Crispr-Cas9-Komplex und zeigte, wie die molekulare Schere Cas9 funktioniert und für verschiedene Anwendungen programmiert werden kann.

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