Leben
Warum es uns freuen sollte, dass «Sex and the City» zurückkommt - und nein, es hat nichts mit den Kleidern zu tun

«Sex and the City» wird fortgesetzt: Carrie und ihre Freundinnen sind mittlerweile in den Wechseljahren – und nur noch zu dritt.

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Und da waren es nur noch drei New Yorker Freundinnen: Kristin Davis, Sarah Jessica Parker und Cynthia Nixon sind bei den neuen Folgen wieder dabei.

Und da waren es nur noch drei New Yorker Freundinnen: Kristin Davis, Sarah Jessica Parker und Cynthia Nixon sind bei den neuen Folgen wieder dabei.

Imago

Der Sender HBO will zehn neue Folgen von «Sex and the City» drehen, schon diesen Frühling und natürlich in New York. Doch will irgendwer noch sehen, wie Carrie, Miranda und Charlotte mal mehr oder weniger verliebt, aber immer perfekt gestylt durch die Stadt stöckeln? Ja, unbedingt. Denn die eigentliche Sensation ist doch, dass drei mittlerweile über 50-jährige Frauen als genau das auf den Bildschirm zurückkommen, was sie sind: drei über 50-jährige Frauen.

Das war bis vor wenigen Jahren genau jenes Alter, in dem Frauen auf mysteriöse Weise aus Serien und Filmen verschwanden, weil nicht mehr reproduktions- und bildschirmtauglich. Nun, Sarah Jessica Parker, Cynthia Nixon und Kristin Davis mimten schon beim Start der Erfolgsserie 1998 keine Durchschnittsfrauen. Dafür trugen sie zu teure und unpraktische Desi­gnerkleider, tranken zu oft Cocktails, sprachen zu freizügig über Sex und sehnten sich selbst für die späten 1990er-­Jahre etwas zu sehr nach Mister Right. Die Mischung aus Herzschmerz, sexueller Aufklärungsarbeit, City-Life und High Fashion war grossartig unterhaltsam und wurde schnell zum Kult. War man damals – wie die Schreiberin – um die 20 Jahre alt, hoffte man, als 30-jährige Frau genau so zu sein wie eine der vier Freundinnen.

Von Mister Big hat sich Carrie in den neuen Folgen hoffentlich endlich emanzipiert.

Von Mister Big hat sich Carrie in den neuen Folgen hoffentlich endlich emanzipiert.

CH Media

2004 war Mister Right zumindest für die Kolumnistin und Hauptfigur Carrie noch immer nicht gefunden, aber der Zeitgeist drehte ab. Die meisten Zuschauerinnen realisierten, dass sie, um im Leben erfolgreich zu sein, doch öfter mal zur Arbeit und zur Wahl als nur in die Bar gehen sollten. «Sex and the City» wurde zum Klischee, als oberflächliche, auf Glanz und Glamour gestriegelte Frauenserie verschrien, in der das grösste Drama darin bestand, den neusten Designerfummel nicht ergattert zu haben und mit dem falschen Mann zu schlafen.

Die beiden «Sex and the City» Filme, die nach dem Serienende folgten waren, nun ja, etwas exotisch und eher peinlich.

Die beiden «Sex and the City» Filme, die nach dem Serienende folgten waren, nun ja, etwas exotisch und eher peinlich.

Warner Brothers

Den Kleiderfimmel dürften die Freundinnen auch mit über 50 Jahren nicht abgelegt haben. Schliesslich ist die legendäre Patricia Field auch in den neuen Folgen für die Kostüme zuständig. Dies, obwohl die Gute zurzeit gerade mit einer anderen Serie alle Hände voll zu tun hat: «Emily in Paris». Eine heiss diskutierte und ungemein beliebte Netflix-Serie. So klischiert und verkitscht, dass selbst die alten Folgen von «Sex an the City» dagegen wie eine frische Brise daherkommen.

Der Sex ist nicht nur aus dem Serientitel rausgefallen

Doch es gibt einen Wermutstropfen: Der Sex ist nicht nur aus dem Seriennamen «And just like that...» rausgefallen, auch die Expertin des erotischen Fachs, Samantha Jones, fehlt im Cast. Der Grund dafür ist wenig prickelnd. Kim Cattrall soll sich mit Hauptdarstellerin Sarah Jessica Parker endgültig überworfen haben. Nun, sie wird sehr fehlen. Samantha war nicht nur die älteste, sondern auch die toughste und die aufgeklärteste der Vierergruppe. Wo hingegen Carrie und Charlotte zwar stiltechnische Augenweiden waren, unter feministischen Gesichtspunkten aber eher zum Wegschauen waren.

Das ist 17 Jahre her. Seither ist die Welt eine ernstere und die drei Frauen sind hoffentlich nicht nur älter, sondern auch weiser (was nicht langweilig meint) geworden. Es wird mir eine grosse Freude sein, die drei Damen wiederzusehen. Nur schon, um eine Idee davon zu bekommen, wie man mit 50 Jahren auf 12-Zentimeter-Absätzen gekonnt über Feminismus und die Wechseljahre diskutiert.