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Wilde Tiere, luxuriöse Camps und jede Menge Abenteuer: Auf Safari in Botswana

In Botswana lernt man, auf die Geräusche der Wildnis zu achten. Die Safari-Anbieter setzen sich für die Nachhaltigkeit und die Wiederansiedlung von Nashörnern ein. Wer sie sehen will, braucht dennoch viel Glück.

Auf meiner Wunschliste ganz oben steht ein Nashorn. Eines in einem eingezäunten Wildtierreservat zu sehen, ist das eine. Aber im Busch von Botswana? Guides haben teilweise seit Monaten keines mehr aufgespürt, erzählen sie. Überglücklich schätzen kann sich eine Gruppe US-Amerikaner, die zum Sonnenuntergang am Tag zuvor plötzlich eines entdeckte. Ich freue mich mit und hoffe, dass es sich immer noch in der Gegend aufhält.

Breit- und Spitzmaulnashörner sind selten gesehene Bewohner. Bis 1980 hat ihre Anzahl im südlichen Afrika wegen Wilderei drastisch abgenommen. Ihr Verderben ist das Horn. In China und Vietnam gibt es für das angebliche Wunderheilmittel viel Geld – bis zu 80'000 US-Dollar wird auf dem Schwarzmarkt für ein Kilogramm Hornpulver erzielt. Damit ist es wertvoller als Gold und Kokain.

1993 lebte kein einziges Spitzmaulnashorn mehr in Botswana. Die verbliebenen 19 Breitmaulnashörner wurden in privaten Naturreservaten geschützt und eine bewaffnete Eingreifgruppe wurde zu deren Schutz gebildet. Im Jahr 2000 rief das Unternehmen Wilderness Safaris in Zusammenarbeit mit der Regierung und der Nationalparkbehörde ein Projekt ins Leben, um Nashörner nach Botswana umzusiedeln. Ein einziges Nashorn aus Südafrika oder Simbabwe in den Busch zu fliegen, kostet bis zu 70'000 US-Dollar. Dank solcher Ansiedlungsprojekte sind die Zahlen in Botswana wieder gestiegen. Heute spricht man von 23'000 verbliebenen Tieren im südlichen Afrika.

Wilderness Safaris hat über 20 Camps im Okavango Delta und umliegenden Gebieten gebaut. Diese würden die Natur zwar schon beeinflussen, gesteht Geschäftsführer Kim Nixon ein, dafür würde man mit den täglichen Ausfahrten Präsenz markieren, entlegene Gebiete kontrollieren und so die Anti-Wilderer-Einheiten des Militärs unterstützen. Als 19-Jähriger kam der Südafrikaner nach Botswana, um Geschirr abzuwaschen. Er verliebte sich wie so viele andere ins Land und blieb.

Viel Raum für die Tiere ohne Zäune

Schon die Anreise ins Okavango Delta im kleinen Buschflieger ist ein Erlebnis. Mein Magen verträgt den teilweise holprigen Flug nicht so gut. Aber der Blick aus dem Fenster auf die Landschaft im Delta fasziniert. Kurz vor Beginn der Regenzeit ist aus der Luft nicht mehr viel Wasser sichtbar. Grün- und Sandtöne wechseln sich ab. Dann erahne ich ein Waldstück. Dunkle Stämme heben sich ab vom hellen Untergrund. Punkte bewegen sich am Boden. Es sind Elefanten. Die Vorfreude wächst.

Um die zweieinhalb Millionen Besucher kommen jährlich nach Botswana, um in die Schönheit von Fauna und Flora einzutauchen. Das sind in etwa gleich viele Menschen, wie im Land leben. 42 Prozent der Landesfläche sind Naturparks oder als private Konzessionen vergeben. Hier gibt es nur einige Seuchenzäune und einen «Büffel-Zaun», der eine Vermischung von Wild- und Nutztieren verhindern soll. Im Gegensatz zu einer Safari in den vergleichsweise übersichtlichen südafrikanischen Wildreservaten bewegen sich hier die Tiere frei.

Ein Flug mit dem Helikopter über den Linyanti Sumpf im Norden Botswanas

Ein Flug mit dem Helikopter über den Linyanti Sumpf im Norden Botswanas

Stundenlang geht es auf dem Jeep über den Kalaharisand vorbei an Mopane-Bäumen und wilden Dattelpalmen. Wir beobachten Antilopen, Giraffen, Raubkatzen, bunte Vögel und Nilpferde im Wasser und warten darauf, dass eines davon sein grosses Maul aufsperrt. Wir wiegen eine bis zu vier Kilogramm schwere Frucht des Leberwurstbaumes in unseren Händen und riechen an wildem Salbei.

Derweil sind die Ohren stets gespitzt. War da ein Warnruf? Auf Safari lernt man die Tierlaute zu deuten und allem voran die Umgebung zu beobachten. «Lasst uns schauen, was die Wildnis heute für uns bereithält», beliebt Guide M.T. im Camp Jao jeweils frühmorgens vor der Pirschfahrt zu sagen. Auf jeden Fall ist es Natur pur. Und man lernt: Geduld kann sich auszahlen. Zum Beispiel dann, wenn eine Leopardin zuerst auf einem Baum relaxt und sich später an eine Herde Impalas heranpirscht.

Ein Vorteil im privaten Gelände ist: Am selben Ort sind nie mehr als drei Fahrzeuge zugelassen und auch nach dem Sonnenuntergang dürfen wir ausserhalb des Camps bleiben. Gut, irgendwann locken ein Drink am Lagerfeuer und das feine Abendessen. Während der Nachtruhe gibt es Wildnis-Sound, an den ich mich zum Ferienbeginn gewöhnen muss – und dann schmerzlich vermisse. 

Abfall reduzieren und Solarenergie

Botswana ist bemüht um nachhaltigen Tourismus, gilt gar als Paradebeispiel. Unternehmen werden nach ökotouristischen Kriterien zertifiziert. Wer sich für lokale Gemeinden sowie den Natur-und Umweltschutz einsetzt, schliesst gut ab. Wilderness Safaris stellte von Alu- auf Glasflaschen um und konnte so den Abfall in einem Camp massiv reduzieren. PET-Flaschen sind verbannt, das Wasser wird direkt im Camp aufbereitet. Ebenfalls ein wichtiger ökologischer Punkt: Einige Camps sind bereits zu 100 Prozent mit Solarenergie betrieben. 

Unternehmen müssen einen langen Anforderungskatalog erfüllen, um hier agieren zu dürfen. Es ist geregelt, wie viele Gästebetten in einer Konzession angeboten werden dürfen. Die meisten Camps haben deshalb um die neun teilweise sehr exklusive Doppelzimmer beziehungsweise -zelte; stets mit einem Pool. Die Betreiber zahlen eine jährliche Miete, zudem muss ungefähr die Hälfte der Einnahmen an die Regierung abgetreten werden. Die hohen Abgaben sind einer der Gründe, wieso Safari-Ferien weitab vom Massentourismus und der Zivilisation so kostspielig sind.

Eindrücke von der Safari im November 2019 in Botswana

Eindrücke von der Safari im November 2019 in Botswana

Meine Safari in Botswana führt in die drei Camps Kings Pool (Linyanti-Region) sowie die beiden Camps Qorokwe und Jao im Okavango Delta. Frühmorgens gehts mit dem Pirschfahrzeug für Stunden hinaus in die Natur. Die Uhr rückt in den Hintergrund, man geniesst einfach unbeschwert den Luxus, an diesem Fleckchen Erde weilen zu dürfen.

Die Jagd ist nach fünf Jahren wieder erlaubt

Mehr als 130'000 Elefanten bewegen sich heute zwischen Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe hin und her. Die Fünftonner gelangen aber auch in Dörfer, verzehren die Ernte der Bauern und zerstören Felder. Seit den 1990er-Jahren nahmen in Botswana die Konflikte zwischen Elefant und Mensch zu. Die Gemeinden wandten sich an die Regierung. Nachdem das Jagdverbot 2014 unter dem damaligen Präsidenten Ian Khama eingeführt wurde, damit sich der Wildbestand erholen kann, wurde es nun wieder aufgehoben. Es geht um die Sicherheit der Gemeinschaften, Jobs zu schaffen und auch darum, der Regierung die Unterstützung der ländlichen Bevölkerung zu sichern.

Landesweit sind für die Jagdsaison eine bestimmte Anzahl Leoparden, Zebras und Antilopen zum Abschuss freigegeben. Für Elefanten sind 272 Lizenzen gesprochen worden. Diese – laut der Regierung – «nachhaltige» Quote soll einen unbedeutenden Einfluss auf die Population haben. Dabei ist klar geregelt, wer schiessen darf und wo. 202 dieser Lizenzen sind für Ausländer reserviert, die auch die Trophäen exportieren dürfen, der Rest für Leute aus Botswana. Wer eine Abschussgenehmigung möchte, muss bei einer Lotterie gewinnen. Auf der Jagd ist ein Jäger, ein Guide sowie ein Trackingteam und Staatspersonal dabei.

Die gelb-orange gestreiften Gebiete sind Jagd-Konzessionen. Die grünen Gebiete sind Nationalparks.

Diese Karte zeigt die Gebiete, in denen die kontrollierte Jagd erlaubt ist. Das Okavango Delta ist als Orientierung grün eingekreist.

Die gelb-orange gestreiften Gebiete sind Jagd-Konzessionen. Die grünen Gebiete sind Nationalparks.

Bestürzt nahmen Umweltschützer diese Entwicklung zur Kenntnis. Ebenso Ex-Präsident Khama, der den Entscheid als kurzsichtig bezeichnet. Der Tourismus sei seit dem Verbot stark gewachsen. Zu den Gegnern gehört auch der erfolgreiche Dokumentarfilmer Dereck «Botswanas Blut-Gesetz». Weltweit hätten es in keinem Jagd-Land entfernte Dörfer durch die Trophäen-Jagd aus der Armut geschafft, meint er.

Die Gemeinschaften hatten grosse Hoffnung, ihren Lebensunterhalt zu verbessern, indem sie zugesprochene Lizenzen und auch die Elefanten-Stosszähne weiterverkaufen könnten. Das wird nun aber nicht erlaubt. Die Bewohner sind unzufrieden. Die Regierung selbst wird wohl nochmals über die Bücher gehen.

Die bisherigen Safari-Destinationen bleiben aber sichere Orte für die Tiere. Sie sind Freiluft-Zoos der Superlative – auch wenn ich immer noch kein Nashorn in der Wildnis gesehen habe.

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