Mars-Mission
Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte ist ein Ton von einem fremden Planeten zu hören

Der Rover Perseverance der Nasa hat die ersten spektakulären Bilder und Tonaufnahmen vom Mars geliefert.

Bruno Knellwolf
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Ein Ton direkt vom Mars, von einem fremden Planeten. Das ist einmalig in der Menschheitsgeschichte. Möglich macht das Perseverance, der Mars-Rover, der am Donnerstag nach einer 470 Millionen Kilometer langen und sechsmonatigen Reise auf dem Roten Planeten gelandet ist.

Vier Tage danach hat die Nasa nicht nur den ersten Ton, sondern auch ein Video der Landung veröffentlicht:

CH Media Video Unit/NASA

Das Nasa-Video zeigt spektakuläre Bilder von der Öffnung des Fallschirms bis zum Kran, der den Rover auf der Oberfläche absetzt. Dabei werden kurz der Staub und das Gestein sichtbar, in dem der Rover bohren wird. Denn Perseverance hat die Aufgabe, mit vielen Instrumenten an Bord nach verräterischen Anzeichen ausserirdischen Lebens zu suchen. Mikrobielles Leben, das vor Milliarden von Jahren existiert haben könnte, wie Willy Benz, Professor am Physikalischen Institut der Universität Bern erklärt.

Zuerst müssen die Instrumente getestet werden

Doch Geduld ist gefragt. «Wie bei einem solch komplexen Unternehmen üblich, sind die ersten Tage und Wochen der Inbetriebnahme des Rovers und all seiner Instrumente gewidmet», sagt Benz. Zuerst müsse getestet werden, ob alle Elemente der Mission einschliesslich der Instrumente die Reise und die Landung überstanden haben und wie erwartet funktionieren. Der Berner Institutsleiter Benz sagt:

«Dies nimmt immer einige Zeit in Anspruch, da man sehr vorsichtig vorgeht, um keine Fehler zu machen und die Mission zu gefährden. Erst wenn alles unter Kontrolle ist, können die wissenschaftlichen Untersuchungen beginnen.»
Der Perseverance Rover wird von einem Kran auf die Marsoberfläche gehievt.

Der Perseverance Rover wird von einem Kran auf die Marsoberfläche gehievt.

Nasa/Jpl-Caltech Handout / EPA

Der Ton vom Mars ist anders als irdisch

Doch wie klingt dieser erste Ton, den eines der beiden Mikrofone am Rover gesendet hat? Hat der Mars einen eigenen Sound? «Schallwellen haben Frequenzen, die abhängig von Temperatur, Druck und chemischer Zusammensetzung sind», erklärt Benz. Die Marsatmosphäre hat einen anderen Druck und eine andere Zusammensetzung als die der Erde. «Deshalb haben Wellen, die auf der Erde und dem Mars identisch erzeugt werden, unterschiedliche Frequenzen. Folglich werden wir diese Wellen anders hören als bei uns.» Und auch wenn die ersten Bilder jenen von Wüsten auf der Erde ähneln, gibt es nach dem Experten doch Unterschiede. «Diese werden aber erst deutlich, wenn wir die Felsen oder den Staub genauer ansehen.»

Ein Rad des NASA-Rovers auf dem Marsboden.

Ein Rad des NASA-Rovers auf dem Marsboden.

Nasa/Jpl-Caltech Handout / EPA

Die nächste spektakuläre Aktion wird der Start des Drohen-Helikopters sein. «Er soll testen, ob es möglich ist, in der Marsatmosphäre zu fliegen, die nur ein Prozent der Erdatmosphäre beträgt», erklärt der Weltraumforscher. Dieser erste von Menschen gesteuerte Marsflug sei ein Test für spätere Missionen.

Proben werden mit späteren Missionen zur Erde geliefert

Perseverance werde bald mit dem Sammeln von Daten und Proben beginnen. «Ob es Spuren von vergangenem Leben entdecken wird, ist eine andere Frage. Wenn diese Signaturen existieren und sehr schwer zu erkennen sind, könnte es sein, dass die von Perseverance mitgeführten Instrumente nicht leistungsfähig genug sind, um sie zu entdecken.» Dann werden wir warten müssen, bis einige Proben gegen 2030 mit weiteren Marsmissionen zur Erde zurückkehren. «Bestenfalls aber werden wir es innerhalb der nächsten Jahre wissen», sagt Benz.