Papa & Papi

Zum letzten Mal «Papa & Papi»: Warum unsere Kinder mehr sind als Erbmaterial

Wenn Kinder älter werden, zeigen sich ihre Charaktermerkmale immer deutlicher. (Symbolbild)

Wenn Kinder älter werden, zeigen sich ihre Charaktermerkmale immer deutlicher. (Symbolbild)

In seiner Kolumne «Papa & Papi» schreibt Ethiker Michael Braunschweig über das Elternsein mit seinem Mann und seinen Kindern. Diese Woche berichtet er zum letzten Mal über die Fortschritte von Söhnchen und Töchterchen.

Etwas mehr als ein Jahr durfte ich nun an dieser Stelle alle zwei Wochen von unserer Familie erzählen, wie sich Töchterchen und Söhnchen entwickeln, welche Fragen uns Väter bewegen und wie ein Papi-und-Papa-Paar den Familienalltag organisiert. Mit dieser Kolumne verabschiede ich mich bei Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser. Zeit, Ihnen zu danken für Ihr Interesse, Ihre Worte der Anerkennung und manchmal der empörten Kritik. Zeit auch, einmal zurückzuschauen auf dieses Jahr.

Exakt heute werden Söhnchen und Töchterchen drei Jahre alt. Für uns Eltern heisst das nicht nur die erste richtige Geburtstagsparty mit Göttis und Gotten, sondern auch Zeit fürs «Reporting»: Wir berichten Bauchmami und Ei-Mami ausführlich und bebildert über die Ereignisse im vergangenen Lebensjahr.

Mit Bauchmami sind wir über Videotelefon und SMS regelmässig in Kontakt. Mit Ei-Mami hingegen nicht. Das war ihr wichtig: Die Kinder sollen später, wenn sie erwachsen sind, die Möglichkeit haben, sie kennen zu lernen. Einen regelmässigen Kontakt möchte sie nicht haben. Das entspräche nicht ihrer Rolle in unserer Konstellation. Trotzdem freut sie sich natürlich jedes Mal enorm, wenn wir ihr unseren «Jahresbericht» schicken.

Aus Dreiwortsätzen werden fantasievolle Geschichten

Wie haben sich unsere Kinder im vergangenen Jahr verändert? Auffällig ist vor allem die Sprache: Aus den Zwei- und Dreiwortsätzen sind fantasievolle Geschichten mit komplexen Handlungssträngen geworden. Einige Erfahrungen wären in unseren Augen nicht nötig gewesen. Dass Töchterchen mir beim Desinfektionsmittelspender in der Kita mit wissender Miene erklärt: «Das isch wäg em Coronavirus» gehört dazu.

Mit dem heutigen Tag sind sie nun nicht mehr Kleinkinder, sondern treten in die Phase der frühen Kindheit. Ihre Charaktermerkmale zeigen sich immer deutlicher. Da fragen wir uns natürlich, was denn jeweils unser Anteil dabei ist und was sie von Ei-Mami mitbekommen haben. Ausser Frage steht, dass sie beide mindestens hochbegabt sind. Und selbstverständlich liegt auch auf der Hand, dass sie das jeweils von ihren Vätern mitbekommen haben.

Es spielt keine Rolle, woher ihre Charaktermerkmale stammen

Die nervenraubende Eigenwilligkeit von Töchterchen hingegen muss klar von Ei-Mami kommen, während sie ihr Geschick fürs Häusliche sicher von Papi mitbekommen hat. Söhnchens Musikalität würden wir uns auch gern selber zuschreiben, aber so weit geht unsere Selbsttäuschung nicht. Ei-Mami ist Musikerin. Sicher sind wir uns eigentlich nur bei dem Punkt, dass bei Söhnchen klar der Grospapi durchdrückt: Was er nicht kennt, das isst er nicht.

Freilich sind das für uns nicht drängende Fragen. Wichtiger ist für uns, dass wir sie in der Entwicklung ihrer individuellen Persönlichkeit unterstützen. Dabei spielt es keine Rolle, woher ihre Charaktermerkmale stammen.

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