Leserbeitrag
Die Pflege der Hochpreisinsel durch das Parlament und Behörden

Klaus-Jürg Aeschlimann
Merken
Drucken
Teilen

Die Pflege der Schweizerischen Hochpreisinsel

Ausland-Einkäufe bz v.7.6.

Auf das Grundproblem des heutigen Einkaufstourismus bin ich schon vor 20 Jahren gestossen worden, als ich ein Waschbecken aus Porzellan beschaffen wollte. Das müsse ich beim CH- Importeur bestellen. Die Offerte war begleitet vom Nachsatz, dass der Preis je nach Wechselkurs leicht verändert sein könne. Nach ca 3 Wochen erhielt ich aus Holland eine Rechnung über ca. Fr. 130.--, die ich beglich. 2 Wochen später wurde mir die Ware direkt aus Holland nach Hause geliefert. 4 Monate später erhielt ich vom Importeur eine Rechnung über Fr. 380.- , die nach meinem Einwand, dass ich schon bezahlt hätte, um den bezahlten Betrag reduziert wurde - mehr nicht.

Dass ich nach diesem Vorkommnis seither konsequent alle Artikel mit namhaftem Abschlag direkt im Ausland einkaufe, dürfte einleuchten: PVC-Installationsmaterial = 1/3 - 1/10 des Preises, ein in Italien hergestellter Oelbrenner = in Deutschland die Hälfte des vorgeschriebenen CH-Preises, Werkzeug = die Hälfte vom Angebot im "Fachgeschäft". Ich könnte die Liste beliebig verlängern.

Spricht man die unverständliche Differenz beim Gewerbe der zu "schützenden Schweizer Wirtschaft" an, zuckt man die Achseln, weil Parallelimporte verboten seien. Das geht so weit, dass Autoimporteure bei den Händlern nachfragen, warum man für den Wagen mit der Chassisnummer xyz noch keine Ersatzteile für den längst fälligen Service bestellt habe...

Die wenigen Mehrwertprozente, die die Schweiz durch den Einkaufstourismus "verliert" , sind gesamtwirtschaftlich gesehen Peanuts gegen den Schaden, den das Parlament und die untätigen Amtstellen in Bern laufend verursachen (Stichwort: Hilfsmittel im Gesundheitswesen). Hat man sich z.B. schon mal überlegt, wie viel billiger die Hotellerie sanieren könnte, wenn nur schon die technische Infrastruktur nicht zu Fantasiepreisen bei Importeuren - oder gar von Schweizer Herstellern - teuer eingekauft werden müsste. Dann müsste vielleicht das Gastgewerbe in Bern nicht um spezielle Mehrwertsteuersätze nachsuchen.

Einwände betr. besonderer Verhältnisse in der Schweiz akzeptiere ich nicht. Denn die Hochpreisinsel haben wir uns über die Jahre selbst geschaffen und gepflegt. Das Ganze wird gekonnt als Karussell gemanagt: Einerseits wird argumentiert, In der Schweiz sei halt alles teurer, andererseits verhindert man gezielt faire Preise.

Der Beweis, dass es auch anders geht leben uns die Nachbarn vor: Da wird gebaut was das Zeug hält. Und der Tourismus mit Gastgewerbe rentiert trotz der hohen Mehrwertsteuern um 20%.

Fazit: Das Gejammer der Ladenketten über die Verluste sind ein weiterer untauglicher Versuch, die Endverbraucher in der Schweiz zu gängeln und zu schröpfen. Der Einkaufstourismus wird sich mit weiteren Einschränkungen und bürokratischen Hürden auch nicht eindämmen lassen. Denn hier spielt der Markt!! Hoffentlich zieht das Parlament und die involvierten Amtsstellen an der richtigen Leine und versuchen nicht, den Lobbyisten der ach so geplagten Schweizer Wirtschaft Gehör zu schenken. Ob's klappt, obwohl so viele direkt betroffene Profiteure im Parlament sitzen? Vielleicht geschieht ein Wunder, bevor das Fussvolk auf die Barrikaden geht. Es wäre an der Zeit.