Leserbeitrag
Dziękuję – So heisst es auf Polnisch

Flurina Lienhard
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Ein grosses Danke (Dziękuję) für diese einmalige Woche mit dem polnischen Chor "Canto"

Ein Artikel von Felix Dehler und Judith Urech

«Dzień dobry», «Cześć», «Dziękuję». Diese fremden Worte tauchten seit Samstag, 29.04.17, im Brugger Sprachengemisch auf. Der schon zur Tradition gewordene Austausch zwischen dem Chor «Canto» aus dem weit entfernten polnischen Wyrzysk unter der Leitung von Dr. Piotr Jańczak und dem Brugger Bezchor, geleitet von Simon Moesch, hatte nun zum sechsten Mal stattgefunden. Doch kaum waren die Gäste hier, musste auch schon wieder Abschied genommen werden.

Am Samstagabend, 29. April, bemerkten schon der ein oder andere Brugger, dass etwas Besonderes in Gange ist. Den gesamten Bezchor, inklusive Familien, sieht man auch nicht jeden Tag auf dem Carparkplatz stehen, mit Fackeln in den Händen und Fahnen schwenkend. In gespannter Unruhe wartet er in der Dämmerung auf die heissersehnten Gäste, die ihm aus dem Osten entgegenkamen. Diejenigen, die vorheriges Jahr schon dabei waren, als der Brugger Chor nach Polen reiste, wussten natürlich, was, oder besser wer sie da erwartete.

Doch auch die Jüngeren hatten sich von dieser Vorfreude anstecken lassen.

Und dann endlich, um 21 Uhr, fuhr der Reisebus um die Kurve und somit zu den wartenden Schülern. Kaum blieb der Bus stehen, sprangen auch schon die Jugendlichen aus Polen hinaus und umarmten ihre Bekannten vom letzten Jahr. Zusammen marschierte man nun hinunter zur Bezirksschule, wo dann die offizielle Begrüssung und die Zuteilung der Gastfamilien stattfand. Darauf folgten noch mehr Umarmungen, bevor alle nach Hause gingen, um dann müde ins Bett zu fallen.

Nach einer erfrischenden Nacht und einem entspannten, freien Morgen traf man sich am Nachmittag, um zunächst die gemeinsamen Konzertstücke zu proben. Anschliessend gingen die beiden Chöre zur Linner Linde. Dort wurde die Zeit mit diversen Gruppenspielen verbracht. Sprachhindernisse schienen nicht zu bestehen. Nach diesem sonnigen Nachmittag liesen die polnischen Gäste den Abend noch mit ihren Gastfamilien ausklingen.

Der Montagmorgen gestaltete sich für die Bezchorleute relativ normal. Sie mussten wie gewohnt zur Schule gehen. Der Canto durfte die Schulstunden ebenfalls besuchen, bevor er an einer Stadtführung teilnahm. Am Abend gab es dann endlich das heissersehnte Konzert. Der Zuschauerandrang überstieg dabei die Erwartungen der Organisatoren bei weitem. So mussten die Mitglieder der beiden Chöre schon bald ihre eigenen Sitzplätze räumen. Den Anfang gestaltete der Bezchor Brugg, wobei allgeimein bekanntere Lieder das Program beherschten. Danach überliess man die Bühne den polnischen Gästen. Ihr Repertoire bestand grösstenteils aus Solostücken und melancholischen Chorwerken. Den Höhepunkt des Konzertes bildeten beide Chöre zusammen. Als Einleitung des gemeinsamen Teils sang man «O Fortuna» aus «Fortuna Imperatrix» von Karl Orff. Anschliessend wurde eine lateinische Messe dargeboten. Speziell zu diesem Zweck hatte man eine professionelle Solistin dazugeholt. In dieser fünfteiligen Messe konnten die Chöre alles zeigen was sie konnten. Die Zuschauer waren begeistert Um von der geistlichen wieder zur weltlichen Welt zurückzufinden, boten die Sänger nun die Nationalhymnen ihrer beiden Heimatländer dar. Beide Chöre hatten sich dabei viel Mühe gegeben, nicht nur die eigene, sondern auch die Hymne des Partnerchores auswendig zu können. Abgerundet wurde die feierliche Stimmung durch drei Kinder, zwei Polnische und ein Schweizer, welche die jeweils andere Landesflagge nach vorne trug. Beendet wurde das Konzert durch die beiden Lieder «Syahamba», die ganz eigene Hymne der beiden Chöre, und «Neigen sich die Stunden», ein Abschiedslied, welches in Deutsch, Englisch und Polnisch gesungen wurde. Nach diesem wundervollen Konzert gab es noch einen kleinen Appéro für die Sängerinnen und Sänger, bevor auch sie sich nach Hause begaben.

Den nächsten Tag verbrachten man zusammen in Solothurn. Nach einer Führung durch die schönste Barrockstadt der Schweiz und einem Besuch im Kosciuszko-Museum hatte man noch genügend Zeit, die Stadt auf eigene Faust zu entdecken, bevor die Chöre zu einem Kurzkonzert in der Kirche Zuchwiel eingeladen waren. Bei dieser kürzeren Version des Konzertes am Tag zuvor konnten die Sängerinnen und Sänger ihr Können ein weiteres mal unter Beweis stellen.

Den Mittwochmorgen verbrachten die Bezchorleute wieder in der Schule. Die Mitglieder des Cantochores besuchten dagegen ein interaktives Sauriermuseum. Der Nachmittag stand beiden Chören zur freien Verfügung. Viele Polen wollten noch ein wenig in der Stadt bleiben, um Souveniere für ihre Familien zu besorgen, doch der grössere Teil des Nachmittags wurde Zuhause verbracht. Die Koffer mussten gepackt werden und viele waren erschöpft von den letzten Tagen und wollten sich ausruhen. Am Abend traf man sich zum grossen, gemeinsamen Abschiedsessen in der Turnhalle Au. Dank grossartigem Catering des Restaurants Sternen schlugen sich die Chöre ordentlich den Bauch voll. Die Jugendliche redeten und lachten die ganze Zeit über. Noch einige letzte Lieder wurden zusammen gesungen. Zur grossen Überraschung der Schweizer hatte der polnische Chor noch das schweizerische Lied «Heimweh» eingeübt. Èbrigens hatte auch der Bezchor ein polnisches Stück im Repertoire. Dieses war aber schon beim grossen Konzert am Montag vorgetragen worden. Danach hatten die Sängerinnen und Sänger noch einige Zeit für sich selbst, bevor es zur grossen Verabschiedung kam. Als man dann zusammen hinausmarschierte und das Abschiedslied «Neigen sich die Stunden» sang, kamen den meisten die Tränen. Bis der Autobus mit den polnischen Gästen abfuhr, blieb dieser Gemütszustand auch erhalten. Nachdem man selbst die roten Rücklichter nicht mehr sehen konnte, wandten sich die Jugendlichen schweren Herzens ab. Und obwohl schon jetzt alle sehnlichst die Tage vermissten, in denen man als Teil eines der beiden Chöre mit guten Freunden singen, lachen und zusammen die verschiedensten Dinge erleben konnte, freuen sie sich auf den nächsten Austausch mit ihren polnischen Freunden und können das Jahr 2019 kaum erwarten.