Leserbeitrag
«Es trifft Dich wie ein Blitz!»

Louis Dreyer
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«Innert Sekunden verändert sich Dein Leben grundlegend». Mit diesen drastischen Worten schildert Dr. Guido Zäch das Schicksal der Querschnittgelähmten. Und er plädiert vehement dafür, dass diesen Menschen das Recht auf ein selbstständiges Leben eingeräumt wird. Zäch referierte an einem öffentlichen Anlass der Vereinigung Christlicher Unternehmer (VCU) in Aarau.

Dr. Guido A. Zäch gilt als Vater der ganzheitlichen Rehabilitation von Querschnittgelähmten in der Schweiz. Man spürt sein Engagement, das trotz seines Alters von 81 Jahren ungetrübt ist. «Ich heisse Zäch und bin es auch» – getreu dem Motto auf seiner Website schilderte er trotz eines gebrochenen Armes lebendig, verständlich und kompetent die menschlichen Schicksale, Gründung und Aufbau der Stiftung in Nottwil und die Merkmale der Querschnittlähmung. Ein grosses Publikum, darunter eine Pharmaklasse des KV Aarau, folgte gebannt den Ausführungen in der Aula des KV Aarau.

Unfälle, Erkrankungen und Geburtsgebrechen

In der Schweiz leben etwa 20‘000 Querschnittgelähmte. Davon wurden etwa 50 % durch einen Unfall und 50 % durch eine Krankheit zu Rollstuhlfahrern. «Jährlich werden 30 pro 1 Million Einwohner in der Schweiz durch einen Unfall querschnittgelähmt und ebenso viele durch eine Krankheit.» Gemäss Zäch sind die Unfallursachen je zu einem Drittel Verkehrsunfälle, Sportunfälle und Sturzverletzungen. Aber auch Krankheiten wie Entzündungen des Rückenmarkes durch Zeckenbisse (Frühsommerencephalitis und Borreliose), Bandscheibenvorfälle, Tumoren, Gefässerkrankungen und Folgen von Multipler Sklerose sowie Geburtsgebrechen wie Spina bifida können zur Querschnittlähmung führen.

Private Initiative ermöglicht gesamtheitliche Behandlungskonzepte

Die kantonale Zuständigkeit des Gesundheitswesens erschwert es, eine gesamtschweizerische Lösung für Spezialbehandlungen bestimmter Leiden zu finden. Auch aus diesem Grunde konnte die Idee einer ganzheitlichen Behandlung für Querschnittgelähmte aus allen Kantonen besser durch die Privatinitiative verwirklicht werden. «Durch die Konzentration der Kräfte konnten und können weltweit anerkannte Resultate erreicht werden», so Zäch. So konnte etwa die Behandlungszeit markant reduziert werden. Die vielfältigen Angebote zur bestmöglichen Behandlung und Rehabilitation werden im Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil (SPZ) chancengleich allen Querschnittgelähmten der Schweiz angeboten.

Viele Widerstände zu Beginn

In über 40-jähriger Tätigkeit für Querschnittgelähmte hat Zäch mit Ausdauer, Mut und unerschütterlicher Zuversicht gekämpft für Betroffene und deren Angehörige, für Lösungen und Perspektiven. Entstanden ist in Nottwil ein weltweit einzigartiges Werk der lebenslangen Begleitung, welches Gelähmten bestmögliche medizinische Betreuung und nach erfolgreicher Rehabilitation ein selbstständiges Leben als beruflich und sozial integrierte Mitmenschen ermöglicht. Die Vision konnte nicht auf Anhieb, sondern erst nach mehreren Anläufen verwirklicht werden. Tatsächlich hatte die Sanitätsdirektorenkonferenz SDK (heute Gesundheitsdirektorenkonferenz GDK) damals das Projekt Nottwil vehement bekämpft. Zäch: «Heute ist dieser Widerstand durch eine gute Zusammenarbeit abgelöst worden.»

Massive Entlastung der öffentlichen Hand

Jährlich werden in Nottwil 1000 Patienten stationär aufgenommen und an 52‘000 Pflegetagen ganzheitlich rehabilitiert. Dazu kommen die Leistungen in den Ambulatorien für Paraplegiologie, Orthopädie und Radiologie sowie in der Schmerzklinik. Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung beschäftigt insgesamt 1800 Personen, davon 1100 im Schweizer Paraplegiker-Zentrum. Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung SPS ermöglicht es, dass alle Patienten chancengleich aufgenommen werden können und die Differenz zwischen Hospitalisationskosten und Leistungen der Kostenträger stets durch die Stiftung übernommen wird. Durch die Direkthilfe an Betroffene und ihre Angehörigen ist es möglich geworden, dass 90% wieder erwerbsfähig werden können und 70% ohne IV-Rente auskommen. Die Einsparung von 5000 IV-Renten-Auszahlungen ergibt eine jährliche Entlastung von CHF 100 Mio. für die Öffentlichkeit.

«Durch die Verwirklichung der Vision der ganzheitlichen Rehabilitation von Querschnittgelähmten und das Angebot einer umfassenden Leistungskette ist nach jahrzehntelangen Bemühungen ein sinnvolles und befriedigendes Ziel erreicht.» Anschliessend an das Referat folgte sich eine lebendige Diskussion, moderiert von Jürgen Sahli, Chefredaktor von Radio Argovia. Mit einem langanhaltenden Applaus verdankte das grosse Publikum das bereichernde Referat.

Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Louis Dreyer dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und dabei ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwortung».

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