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„Nistkasten-Putzeten“ im Würenloser Wald:

Fabienne Schmid
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Nistkasten-Reinigung 27.10-2012 024.JPG
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Die ersten Schneeflocken fielen in den goldenen Herbstwald, als eine Gruppe von gut 20 dick vermummten kleinen und grossen Naturfreunden den Gmeumerihügel hinaufwanderte. Dort betreut Karl Wiederkehr die Nistkästen des Natur- und Vogelschutzvereins Würenlos. Er ist einer von sieben Revierbetreuern, die jeweils 45 bis 90 Nistkästen in ihrem Revier betreuen und im Herbst reinigen. Denn die Vögel und die meisten anderen Nistkastenbewohner wie Wespen, Hornissen, Siebenschläfer, Haselmäuse oder Fledermäuse verlassen im Herbst diese Behausungen.

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Karl Wiederkehr hebt einen Nistkasten mit einem langen Stab vom Baumast herunter und versucht, ihn zu öffnen. Doch das ist nicht einfach, denn offensichtlich hat in diesem Kasten ein Kleiber gehaust. Dieser tüchtige Vogel klebt sein Häuschen mit Mörtel sorgfältig zu, damit nur er durch das Loch schlüpfen kann, aber keine Feinde. Doch heute stehen dem Revierbetreuer fleissige kleine Helfer zur Seite. Die Kinder schaben mit einem Spachtel den Mörtel weg, bis sich die Tür öffnen lässt. Im Nistkasten finden sich viele lose Föhrenrindenschuppen. Dies ist das typische Baumaterial, das der Kleiber für seinen Nestbau verwendet. Die Kinder reinigen nun den Kasten mit einem Handbesen, um auch das Ungeziefer zu entfernen. Und alles wird vom Revierbetreuer sauber für die Statistik festgehalten.

Was erwartet die Helfer wohl beim nächsten Kasten? Ein schön mit Moos und Haaren gepolstertes Nest mit zehn nicht ausgebrüteten Kohlmeise-Eiern. Leider haben nicht alle Vögel das Glück, ihre Jungen erfolgreich grossziehen zu können. Aber in den meisten Nistkästen auf dem heutigen Waldumgang finden die Helfer benutzte Nester. Dies zeigt, wie gesucht diese „Wohnungen“ von den Tieren sind. Die grosse Nachfrage ist aber auch ein Zeichen, dass in diesem Wald nicht genug Höhlenbäume stehen, die den Vögeln als „natürliche Nistkästen“ dienen könnten.

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Das Suchen und Reinigen der Nistkästen lässt Wangen, Nasen und Finger der Helfer vor Kälte und Nässe anlaufen. Und so ist das wärmende Feuer bei der Waldhütte mehr als willkommen – genauso wie die feine Bratwurst mit Brot als Dank für die tatkräftige Unterstützung beim Reinigen der Nistkästen.

Der Natur- und Vogelschutzverein Würenlos bietet Naturbegeisterten das ganze Jahr hindurch unterhaltsame und lehrreiche Veranstaltungen und Exkursionen. Lust mitzumachen? Interessierte melden sich beim Präsidenten, Achilles Karrer, Telefon 056 426 54 92.

Katharina Schibli