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Gutes tun mit Kamm und Schere

Sabrina Berger
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(chm)

Angefangen hat es mit einem Koffer. Vollgepackt mit Bürsten, Scheren, einem Spiegel und allem, was zum Haareschneiden gebraucht wird, ging Karin Flückiger-Stern auf die Gasse. Seit 2017 hat sie ehrenamtlich zahlreichen obdachlosen und armutsbetroffenen Menschen die Haare geschnitten. Was sie antreibt? Die Möglichkeit, etwas zurückzugeben, Gutes zu tun und die Menschen glücklich zu machen.

Am vergangenen Sonntag war Karli, wie sie genannt wird, mit ihrem fast gleichnamigen Verein zu Gast bei der Suchthilfe Ost. Die Stadtküche in Olten wurde kurzum zu einem Coiffeursalon umfunktioniert. So vermischte sich der Duft von Bier und Zigaretten in der Luft mit demjenigen von Shampoo und Haarspray. Eine eigenartige Kombination, welche jedoch erfolgversprechend ist.

21 Klientinnen und Klienten der Stadtküche haben das Angebot angenommen. Anfangs noch etwas kritisch, liessen sie sich von den Vereinsmitgliedern die Haare waschen und schneiden. Mit den ersten fertigen Haarschnitten kamen dann auch schnell einige Komplimente, und das Lachen auf den Gesichtern wurde immer grösser.

Ein Coiffeurbesuch ist Luxus. Ein Luxus, den sich viele der Anwesenden seit Jahren nicht leisten können. Umso grösser ist nun die Freude. «Meistens schnid eg mer d’Hoor säuber, de isch es ame nid so grad… umso schöner isch es, dass mer do so verwöhnt wärde. S’duet guet!», erzählt eine Klientin der Suchthilfe Ost.

Der Verein Kar-li (www.kar-li.ch) wurde erst im September dieses Jahres gegründet. Momentan besteht er aus zwölf Coiffeusen und Coiffeuren sowie acht freiwilligen Helfenden. Neben dem Haareschneiden sammeln sie Spenden und geben Hygieneartikel und Kleider an Bedürftige ab. Die nächsten beiden Einsätze sind noch in diesem Jahr in der Stadt Thun und im Emmental geplant. Die Vision des Vereins ist es, mit der Unterstützung von Sponsoren und Freiwilligen, die Welt für bedürftige und armutsbetroffene Menschen ein bisschen besser zu machen. So sollen genau diese Menschen sich eine halbe Stunde lang wie eine Königin oder ein König fühlen.

Karli und ihr Team haben dies bei den Klientinnen und Klienten der Suchthilfe Ost erreicht. Nach dem Haarschnitt waren diese kaum wiederzuerkennen. Herein kamen sie in einer gebückten Haltung, hinaus gingen sie aufrecht und mit einem Strahlen im Gesicht.

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