Leserbeitrag
Querschnittlesung Neeser am KV Lenzburg Reinach

Marcel Siegrist
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In der gut gefüllten Aula des KV-Schulhauses gab Andreas Neeser am Mittwochabend in einer Querschnittlesung Einblicke in sein aktuelles literarisches Schaffen.

In seinem jüngsten Roman «Zwischen zwei Wassern» nahm uns Neeser mit auf eine Reise durch die raue Welt der bretonischen Küste; er tat dies mit starken Bildern aus verschiedenen Teilen des Romans, - so klar und deutlich, dass Zuhörerende im anschliessenden Gespräch ausdrückten, wie sie die geschilderte Natur in den Worten Neesers spontan wiedergefunden hätten.

Weiter ging die Reise durch die Wort- und Klangwelt der luftigen, zarten und präzisen Gedichte aus dem international mehrfach ausgezeichneten Lyrikband «Wie halten Fische die Luft an». Hier gab der Dichter auch Einblicke in den Entstehungsprozess dieser präzisen, konzentrierten und in Wortklang und –bild sehr ästhetischen Poetik. Man möchte einfach nur zuhören und geniessen. In Erläuterungen zu Entstehungszusammenhängen dieser Gedichte in der Klang- und Bildwelt der Bretagne zeigte sich der Autor sehr tolerant in Fragen der Deutungshoheit seiner Lyrik - zur offensichtlichen Erleichterung des Auditoriums.

Als Rückkehr zu den Wurzeln schloss die literarische Reise mit einem Eintauchen in die Sinn- und Dialektwelt der Kindheit des Autors im Ruedertal. Neeser schloss mit der klangstark vorgetragenen Erzählung «Socke» aus «S wird nümme wies nie gsi isch». Nach der Schilderung des Ringens um das richtige Wort bei der Entstehung seiner Gedichte war das Publikum grösstenteils überrascht von Neesers Beschreibung des oft rauschhaften Entstehungsprozesses seiner Mundartprosa.

Beim Apéro kam es zu engagierten und interessierten Gesprächen zwischen Autor und Literaturinteressierten wie auch hoffnungsvollen Jungautoren aus der kaufmännischen BM2, die das Interesse am Wort des Dichters einmal mehr unterstrichen.