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111'000 verkaufte Fahrräder: Beim E-Bike-Boom ist kein Ende in Sicht

Auch beim Veloausflug der regionalen Projektschau Limmattal von Wettingen nach Schlieren diesen Monat waren viele Fahrer mit Motorunterstützung unterwegs.

Die Velo-Verkäufer im Limmattal rüsten sich für einen erneuten Ansturm auf motorunterstützte Räder.

2018 stellte ein Rekordjahr für den Verkauf von E-Bikes dar. Laut den Daten von Velosuisse, dem Verband der Schweizer Fahrradlieferanten, wurden im letzten Jahr über 111'000 E-Bikes verkauft. Somit war jedes dritte neu erworbene Fahrrad ein elektrisch unterstütztes. Vor allem im Bereich der E-Mountainbikes konnte ein starkes Wachstum verzeichnet werden.

Gemäss Velosuisse hatte die lange Schönwetterperiode bis in den Spätherbst hinein einen erheblichen Einfluss auf den Verkaufsrekord. «E-Bikes verkaufen sich bei schönem Wetter weitaus besser», sagt Velosuisse-Sprecher Martin Platter.

So liessen auch in diesem Jahr die hohen Temperaturen im Februar und März die Nachfrage nach E-Bikes wieder stark ansteigen. «Es zeichnet sich bereits eine ähnliche Tendenz wie im Vorjahr ab», sagt Platter. Das gilt auch für die Lieferengpässe, die durch die erhöhte Nachfrage entstehen würden. «Für gewisse Modelle gibt es schon jetzt längere Wartezeiten.»

Nachbestellungen vermeiden

Das bestätigt auch Daniel Rey, Inhaber des Geschäfts E-motion E-Bike in Dietikon: «Vor allem Kunden, die sich auf spezifische Modelle festgelegt haben, müssen mit Wartezeiten von bis zu zwei Monaten rechnen.» Mittlerweile würden beinahe alle E-Bike-Rahmen im asiatischen Raum hergestellt, und mit einer Transportdauer von bis zu zwölf Wochen komme es relativ schnell zu Verzögerungen. «Für Kunden, die nicht so lange warten möchten, haben wir viele unterschiedliche Modelle verschiedener Marken im Angebot, die sofort im Shop erhältlich sind», sagt Rey.

Bei Stöckli Bike in Geroldswil müssen sich die Kunden auf keine Wartezeiten einstellen. «Unsere Jahresbestellung sollte die Nachfrage nach E-Bikes abdecken können», sagt Inhaber Andreas Jakob. Bei einer Nachorder muss zwar mit Lieferschwierigkeiten gerechnet werden, diese könne man aber durch eine grosse Vorbestellung umgehen. Das Risiko, zum Saisonende auf zu vielen E-Bikes sitzen zu bleiben, müsse in Kauf genommen werden. «Damit das nicht passiert, orientiere ich mich an den Verkaufszahlen vom Vorjahr und verlasse mich auf meine 20-jährige Erfahrung im Beruf», sagt Jakob. Ebenfalls keine Lieferengpässe hat dieses Jahr M-Way in Dietikon. «Da M-Way schweizweit 28 Filialen betreibt und wir über ein grosses Zentrallager mit 25'000 Artikeln verfügen, können wir auch bei grossem Andrang 120 E-Bike-Modelle in nützlicher Frist nachbestellen. So entstehen für unsere Kunden fast keine Wartezeiten», sagt Shop-Manager Benno Steinmann. An eine Prognose, wie sich der E-Bike-Verkauf 2019 noch entwickeln wird, will sich Steinmann nicht wagen. «Ein Ende des E-Bike-Trends ist aber nicht in Sicht. Dazu trägt sicherlich auch die aktuelle Klimadebatte bei.»

Markt ist noch nicht ausgeschöpft

Rey ist ebenfalls überzeugt, dass die Nachfrage nach E-Bikes sich in den nächsten Jahren auf hohem Niveau halten werde. Wachstumszahlen wie beim Verkauf von E-Mountainbikes im letzten Jahr können in nächster Zeit nicht mehr erwartet werden, aber der Markt sei noch lange nicht ausgeschöpft. «Das Kundensegment der 25- bis 40-Jährigen ist gerade erst in den Fokus gerückt und beginnt das E-Bike für die eigene Alltagsmobilität zu entdecken. Zudem handelt es sich beim E-Bike um ein innovatives Produkt. Gewisse Kunden schauen sich schon nach drei bis vier Jahren wieder nach einem neuen Modell um», sagt Rey. Auch Platter prognostiziert, dass der E-Bike-Boom weitergehen werde: «Wegen der mit Auto- und Tramverkehr verstopften Innenstädte und des ausgelasteten öV steigen in Zukunft immer mehr Leute auf ein E-Bike um.»

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Autor

Sebastian Schuler

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