Am Anfang ging es um Leben und Tod: Nach mehreren Todesfällen durch Ertrinken in der Limmat gründete Jakob Huber 1869 den Limmat-Club Zürich (LCZ). Sein Ziel war es, bei Unglücksfällen im Wasser Hilfe zu leisten. Dieses Wochenende feiert der nach eigenen Angaben älteste Wasserfahrverein der Schweiz seinen 150. Geburtstag.

Das Jubiläumsfest findet am Samstag und Sonntag auf dem Lindenhof im Herzen der Zürcher Altstadt statt. Ergänzt wird es mit Bootsfahrten auf der Limmat zwischen Rathaus- und Rudolf-Brun-Brücke. Für die Jubiläumswettfahrten auf dem Fluss wird sogar die Limmatschifffahrt eingestellt, wie es in einer Medienmitteilung des LCZ heisst. Erwartet werden fast 500 Teilnehmer aus der Schweiz, darunter auch Vertreter des Wasserfahrvereins Schlieren und des Limmat-Clubs Baden.

«Am Hauptzweck des Vereins hat sich eigentlich nicht viel geändert», sagt LCZ-Präsident Beat Leonhard, der gestern bereits mit Aufbauarbeiten auf dem Lindenhof beschäftigt war. «Es geht darum, Wasserfahrer auszubilden – auch für Genietruppen und Pontoniere.» Für letztere Aufgabe erhalte der Schweizer Wasserfahrerverband, dem der LCZ angehört, von der Armee einen Beitrag. Auf Armeeschiffe verzichte der LCZ seit rund zehn Jahren. Zu aufwendig seien die Formalitäten bei der Verwendung von Bundesmaterial.

Gefahren wird im LCZ mit Weidlingen, Übersetzbooten und Langschiffen. Zu den in der Öffentlichkeit bekanntesten Vereinsanlässen zählt zum einen das Schifferstechen, das der LCZ zusammen mit der Zunft zur Schiffleuten alle drei Jahre durchführt; zum anderen die aufs Spätmittelalter zurückgehende, alle zehn Jahre stattfindende Hirsebreifahrt limmatabwärts bis nach Strassburg.

Auch am Züri-Fäscht vom 5. bis 7. Juli wird der LCZ präsent sein: An der Schipfe veranstaltet er Weidling-Wettfahrten, im Seebecken ein Schifferstechen, zudem fürs Publikum Langschifffahrten zwischen Seebecken und Schipfe.

Start mit Polizeibooten

«Dem Elemente zum Trutz, dem Menschen zum Schutz» – diesen Spruch hat sich der Verein von Anfang an auf seine Fahne geschrieben. Im ersten Jahr seines Bestehens musste der LCZ noch auf Schiffe der Stadtpolizei zurückgreifen. 1870 konnte er dann fünf voll ausgerüstete Schiffe anschaffen, wie in den Vereinsannalen nachzulesen ist. Heute hat der LCZ 16 Schiffe.

1901 bezog er sein Vereinslokal an der Schipfe unterhalb des Lindenhofs, wo er auch heute noch zu Hause ist. Später kamen ein Fahrdepot beim Sihlquai und ein zweiter Trainingsstützpunkt an der Wipkingerbrücke hinzu.

Das Unglück von Ottenbach

Dass das Befahren der Flüsse bisweilen lebensgefährlich sein kein, musste der LCZ 1943 erfahren: Damals kamen sechs seiner Mitglieder bei einem Unglück auf der Reuss in Ottenbach ums Leben. Ein mit 25 Personen beladener Langweidling fuhr beim Wehranfang auf senkrecht in den Fluss gerammte Eisenbahnschienen. Sie waren wegen des hohen Wasserstands schwer erkennbar, wie ein Zeitzeuge schrieb. Die Folge: «Das Boot wurde beim Aufprall schwer beschädigt. 19 Wasserfahrer haben das Ufer schwimmend erreicht. Sechs Leute sind ertrunken.»

Heute zählt der LCZ insgesamt 70 Aktivmitglieder (56 Erwachsene und 14 Junioren), darunter 14 Frauen. Weibliche Vereinsmitglieder wurden erst 1973/74 zugelassen, erinnert sich LCZ-Präsident Leonhard, der dem Verein 1973 beitrat.

Für die Zukunft sei der LCZ dank intensiven Bemühungen gut aufgestellt. Die Zahl der Aktiv- und Passivmitglieder habe sich in den letzten viereinhalb Jahrzehnten auf 1200 verdoppelt. An Nachwuchs fehle es nicht.