Wie immer war der offizielle Zürcher Demonstrationsumzug zum 1. Mai, der sich am Mittwoch um 10.30 Uhr beim Helvetiaplatz in Bewegung setzte, lang und vor allem auch laut. Gemäss Organisatoren nahmen 16'000 Personen am Umzug durch die Zürcher Innenstadt teil.

An der Spitze schritten traditionsgemäss die Mitglieder des organisierenden Gewerkschaftsbundes, der den diesjährigen Tag der Arbeit mit der Parole "#Frauenstreik2019" beging und damit den Tag in den Dienst der Mobilisierung zum landesweiten Frauenstreik am 14. Juni stellte. Neben Rot war deshalb auch die Farbe Violett sehr dominant.

1. Mai: Frauen setzen ein Zeichen

1. Mai: Frauen setzen ein Zeichen

Am Tag der Arbeit ziehen 16 000 Demonstrantinnen und Demonstranten durch die Innenstadt von Zürich. Der diesjährige Umzug steht unter dem Motto «Frauenkampf – Frauenstreik».

An vorderster Front zu finden waren die indische Frauenrechtlerin Annie Raja, die St. Galler SP-Nationalrätin und Vize-Präsidentin der SP Schweiz, Barbara Gysi, sowie die Stadtzürcher Gemeinderätin und VPOD-Präsidentin Katharina Prelicz-Huber. Raja und Gysi wandten sich später in Reden an die Kundgebungsteilnehmerinnen und -teilnehmer.

Das Motto des mitorganisierenden 1.-Mai-Komitees lautete "Frauen* kämpfen radikal - jetzt und überall". Neben der Gleichstellungsthematik schwappte auch die Klimadebatte auf die 1.-Mai-Kundgebung über. So wurde auf einem Transparent beispielsweise die Flugticketabgabe gefordert.

Am Umzug schritten auch zahlreiche, zum Teil vermummte Personen aus dem linksautonomen Umfeld mit. Sie zündeten Rauchpetarden und warfen Farbbeutel unter anderem gegen eine Bank-Filiale. Grundsätzlich zieht die Stadtpolizei jedoch eine positive Bilanz.

Neben einzelnen Sachbeschädigungen entlang der Umzugsroute wurde auch ein Streifenwagen der Stadtpolizei beschädigt - und zwar von einer als Clown verkleideten Demonstrationsteilnehmenden. Diese wurde am Limmatquai festgenommen.

Löhne rauf, Belastungen runter

An der offiziellen Schlusskundgebung auf dem Sechseläutenplatz forderte Nationalrätin Barbara Gysi "mehr zum Leben und mehr Gleichstellung". Damit den Menschen mehr zum Leben bleibe, müssten die Löhne rauf und die Belastungen - etwa durch Krankenkassenprämien - runter, sagte Gysi.

Wie die Präsidentin des Personalverbandes des Bundes weiter sagte, "ist die ökonomische Ungleichbehandlung der Frauen stossend". Die Lohngleichheit müsse endlich umgesetzt werden. Die Löhne in den typischen Frauenberufen müssten erhöht und die oftmals prekären Arbeitsbedingungen verbessert werden.

Auch Care-Arbeit müsse sichtbar gemacht und endlich abgegolten werden. Zudem dürfe das Rentenalter der Frauen nicht erhöht werden. Wer behaupte, das alles sei nicht finanzierbar, lüge. "Unsere Forderungen sind finanzierbar: Die Banken, die Pharmariesen und die Versicherungen schütten Milliarden an ihre Aktionäre aus und zahlen ihren Chefs unverschämte Abzockerlöhne", sagte Gysi.

Diese Gewinne würden durch unsere Löhne, unsere Krankenkassenprämien und unsere Steuergelder finanziert. Diese Gewinne müssten jedoch allen zu Gute kommen. Es sei eine Frage des politischen Willens, dies zu ändern.

Auch in diesem Jahr fand rund um den 1. Mai auf dem Kasernenareal das internationale Volksfest statt. Nach Angaben der Organisators - dem 1.-Mai-Komitee - handelt es sich um das grösste nicht kommerzielle Fest der Schweiz. Gefeiert wird am 1., 4. und 5. Mai.

Im Kanton Zürich standen in zahlreichen anderen Orten weitere Kundgebungen und Maifeiern an. Ans Rednerpult geladen waren unter anderem in Winterthur Unia-Präsidentin Vania Alleva, in Uster SP-Ständerat Daniel Jositsch, in Wädenswil Nationalrätin Jacqueline Badran und in Dietikon Parteikollege Daniel Frei.