Kantonsrat

2 Millionen Franken vom Lotteriefonds: Grüne Welle erfasst Albisgütli

Wegen Renovation geschlossen: Das Schützenhaus Albisgütli ist ein Zeuge der Festkultur des 19. Jahrhunderts, wie der Zürcher Regierungsrat festhält.

Wegen Renovation geschlossen: Das Schützenhaus Albisgütli ist ein Zeuge der Festkultur des 19. Jahrhunderts, wie der Zürcher Regierungsrat festhält.

Beitrag an Sanierung des Schützenhauses ist an ökologische Auflagen geknüpft.

Das Schützenhaus Albisgütli zählt in Zürich zu den Gasthäusern mit überregionaler Ausstrahlung: Hier findet das Knabenschiessen statt, die jährliche Albisgütli-Tagung der SVP, das längste Country-Festival der Schweiz – um nur die bekanntesten Grossanlässe zu nennen. Doch seit April ist das Haus geschlossen. Der Grund sind Sanierungsarbeiten.

Die Schützengesellschaft der Stadt Zürich (SGZ) hat die Gesamtsanierung bereits vor Jahren beschlossen. Sie wird auf insgesamt 15 bis 16 Millionen Franken veranschlagt, wie Beatrix Frey (FDP, Meilen) gestern im Kantonsrat sagte. Nun hat der Kanton Zürich einen Beitrag aus dem Lotteriefonds in Höhe von 1,5 Millionen Franken zugesagt. Falls sich die SGZ für ein Heizsystem ohne fossile Energie entscheidet, kommt nochmals eine halbe Million aus dem gleichen Fonds dazu – und damit die Summe, die die SGZ erbeten hatte. Anders als der Kanton hält es die Stadt Zürich: Sie begnügt sich mit einem Darlehen von 2 Millionen Franken, das die SGZ zurückbezahlen muss.

Dem Kantonsrats-Entscheid ging eine kontroverse Debatte voran. Umstritten war zum einen, ob es überhaupt angemessen ist, dass der Kanton einem privaten, gewinnorientierten Gastro-Unternehmen Geld für eine Sanierung gibt. Die Grünen stellten dies in Abrede, nachdem bereits der Regierungsrat Vorbehalte geäussert hatte. Sie blieben mit ihrem Ablehnungsantrag aber allein. Zum anderen ging es um den ökologischen Umbau des Albisgütlis. Und dabei setzte sich die neue ökologische Mehrheit des Kantonsrats durch.

Ein Beitrag an Sport und Kultur

Das Albisgütli-Gebäude stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. Die letzte umfassende Sanierung fand 1980 statt. In Absprache mit dem Denkmalschutz wird das Gebäude nun sanft renoviert – und die gesamte technische Infrastruktur erneuert. Danach soll es für die nächsten 20 Jahre fit sein.

Der Regierungsrat sprach sich trotz seiner Vorbehalte für den 1,5-Millionen-Beitrag aus, da sonst das Knabenschiessen gefährdet wäre. «Es ist ein Beitrag an den Sport und die Kultur», erklärte Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP). Spektakel gebe es nur, wenn auch die Infrastruktur funktioniere. «Es liegt im Interesse aller, zeitgemässe Sanitäranlagen zu haben», doppelte Peter Vollenweider (FDP, Stäfa) nach.

Zu reden gaben energetische Aspekte der Sanierung: Die SGZ plante bislang, die bestehende Ölheizung durch eine Erdgasheizung zu ersetzen. Alternative Energiequellen wie eine Erdsonde oder eine Solaranlage verwarf sie; einerseits aus Kostengründen, andererseits, weil die Gebäude-Anordnung für die Nutzung von Sonnenenergie ungünstig sei.

Vertreter von GLP, SP, Grünen und CVP forderten die SGZ nun auf, sich für ein ökologisches Heizsystem ohne fossile Energie zu entscheiden. Als Anreiz gäbe es zusätzlich zu den 1,5 Millionen, für die sich auch der Regierungsrat aussprach, weitere 0,5 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds, erklärte Tobias Langenegger (SP, Zürich). Die städtische Schiessanlage gleich nebenan, zu der auch Räume der Musikschule gehören, werde bereits über eine Erdsonde versorgt, sagte Farid Zeroual (CVP, Adliswil) – und folgerte: «Eine gemeinsame Nutzung wäre möglich.»

Ob auch die Nutzung von Biogas als nicht-fossile Energie anerkannt würde, wollte Finanzdirektor Stocker vor der Schlussabstimmung wissen. «Biogas ist in Ordnung, wenn die entsprechenden Zertifikate vorliegen», antwortete Cyril von Planta (GLP, Zürich).

Schliesslich stimmten mit Ausnahme der Grünen alle Parteien dem Lotteriefonds-Beitrag für die Albisgütli-Sanierung zu. Die 1,5 Millionen gibts ab Beginn der zweiten Sanierungsetappe, die 0,5 Millionen je nach Heizsystem. Anfang 2020 soll das Albisgütli wiedereröffnet werden.

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