Flugverkehr

Adieu, du schöne Beinfreiheit! Helvetic verabschiedet sich von einer «guten Freundin»

Nach der Landung gab es für die letzte Fokker 100 der Helvetic die Abschiedsdusche von der Feuerwehr.

Mit dem Rundflug 2L100 hat sich die Helvetic gestern gebührend von ihrer letzten Fokker 100 verabschiedet. Die Maschine mit der Kennung HB-JVG und Baujahr 1993 hat 15 Jahre lang der Schweizer Airline gedient.

Es soll schon vorgekommen sein, dass ein Pilot, der hinter einer Fokker 100 aufs Starten wartete, dem Kontrollturm entsetzt gemeldet hat, dass sein Vordermann vergessen habe, die Landeklappen für den Start auszufahren. Aber ein solcher «No-Flaps-Take-off» ist bei diesem Flugzeugtyp gang und gäbe. Und so haben es am Freitag auch die Flugkapitäne Sandra Dummermuth und Simon Schatzmann gemacht, als sie gestern in Kloten auf der Piste 28 Schub gegeben haben.

Doch Flug 2L100 der Helvetic Airways war trotzdem speziell: Mit dem Rundflug, der am Mittag von Zürich über Bern, Sion, Zermatt und die Zentralschweiz zurück nach Zürich führte, hat sich die Airline gebührend von der HB-JVG verabschiedet, ihrer letzten Maschine des Typs. «Wir fühlen heute etwas Wehmut», sagte Helvetic-CEO Tobias Pogorevc in seiner Ansprache vor dem Abflug. «Es ist der Abschied von einer guten Freundin.»

6 Stunden Flug pro Tag

Allerdings war diese Freundin ein veritables Arbeitstier: Insgesamt neun Fokker-100-Jets hatten seit 2003 bei der Helvetic im Einsatz gestanden, wenn auch nicht alle zeitgleich. Zusammen haben sie in 180'000 Flugstunden rund 40'000 Flüge absolviert. Das einzelne Flugzeug kommt im Schnitt auf 2300 Stunden im Jahr, oder 6 Stunden und 20 Minuten Flugzeit am Tag.

CEO Tobias Pogorevc nahm «Abschied von einer guten Freundin».

CEO Tobias Pogorevc nahm «Abschied von einer guten Freundin».

Mit an Bord waren auf dem gestrigen Abschlussflug gut 70 Personen; nebst der aktiven Flugbesatzung, dem CEO Pogorevc und Geschäftsleiter Leonardo De Luca, waren Airlinemitarbeiter, Kunden, sowie Blogger und Journalisten eingeladen. Sie haben ein letztes Mal eine weitere Besonderheit der Fokker 100 geniessen können: Die grosszügigen Platzverhältnisse. Ein Sitzabstand von 84 Zentimetern ist heute Luxus. Die Swiss stuhlt in ihren A320 knapp 79 Zentimeter, die Iberia 71 Zentimeter.

Neuer Besitzer gesucht

Die zweistrahligen Flieger des niederländischen Herstellers hatten das Gesicht der Helvetic seit ihrer Gründung 2003 geprägt, bis 2007 komplett in knalligem Pink. Jetzt also ist der letzte Flieger ausgeflottet; am Freitag um 15.20 Uhr hob die HB-JVG zu ihrem definitiv letzten Helvetic-Flug ab, Flug 2L9552 in die slowakische Hauptstadt Bratislava. Dort werden zahlreiche Fokker-100 von der Firma Austrian Technik Bratislava (ATB) gelagert und gewartet; geparkt sind da auch viele Flugzeuge dieses Musters, welche die KLM und Austrian Airlines abgestossen haben. Die letzten fünf Fokker 100 mit Schweizerkreuz bleiben übrigens auch in der Slowakei Eigentum der Helvetic Airways. Vorläufig. «Wir suchen Käufer und sind mit verschiedenen Interessenten im Gespräch», sagte Tobias Pogorevc dazu. Tatsächlich waren per Ende 2018 von den insgesamt 283 jemals gebauten Fokker 100 noch 135 registriert. Vor allem in Australien und im Iran sind die Jets heute noch ein vertrautes Bild. In Europa haben etwa die Montenegro Airlines und die Carpatair noch einige wenige davon im Einsatz.

Insidersprüche an der Tür.

Insidersprüche an der Tür.

Die Helvetic setzt seit 2014 anstelle der Holländer mehr und mehr auf die Brasilianer: Aktuell betreibt sie eine Flotte von elf Embraer E190-E1. Die neuen Maschinen des Typs Embraer E190-E2 werden ab kommendem Herbst eingeflottet. Bis zu acht Embraer E190 sind dabei langfristig im Auftrag der Swiss in Betrieb.

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