Dietikon

Anstellung nach neun Jahren auf der Strasse: Dietikon ehrt Unternehmen für Integrationsleistung

Attila Stanelle, Leiter der Fachstelle Arbeitsintegration, und Philipp Müller (FDP), Sozialvorstand der Stadt Dietikon, gratulierten dem Gewinner des Travo-Awards, Helmut Primessnig, Leiter des HDZ Hundezentrums Würenlos (v.l.).

Die Fachstelle Arbeitsintegration lud Arbeitgeber ein, die sich für die Integration von Sozialhilfebeziehenden einsetzen. Das HDZ Hundezentrum Würenlos erhielt den Travo-Award. Denn es stellte einen Mann ein, der neun Jahre lang obdachlos war.

Für Arbeitslose ist es oft nicht einfach, aus eigener Kraft ins Berufsleben zurückzufinden. Noch schwieriger wird es, wenn sie bereits ausgesteuert sind und Sozialhilfe beziehen. Hier setzt die Fachstelle Arbeitsintegration der Stadt Dietikon an. Sie hilft Menschen aus dieser Notlage, indem sie temporäre Arbeitseinsätze vermittelt. Bei den sogenannten Travo-Einsätzen werden die Sozialhilfebeziehenden wieder in die Arbeitswelt integriert. Die Einsätze zielen darauf ab, dass die Leute eine Festanstellung erhalten.

Gestern lud die Fachstelle Arbeitsintegration die Travo-Arbeitgeber zum Vernetzungslunch in das Feuerwehrlokal Dietikon ein. Denn bereits zum zweiten Mal wurde der Travo-Award verliehen. Dabei werden Arbeitgeber für herausragende Integrationsleistungen geehrt. «Mit dem Anlass wollen wir den Unternehmen Danke sagen für ihre Mitarbeit», sagt Philipp Müller (FDP), Sozialvorstand der Stadt Dietikon. Zudem könne so das Netzwerk der Fachstelle erweitert werden.

Man will den Leuten ihre Perspektive zurückgeben

«Wer Sozialhilfe bezieht, hat oftmals die Perspektive verloren», sagt Müller. Ziel der Travo-Einsätze sei es, diesen Menschen ihre Perspektive zurückzugeben. «Die Einsätze dauern üblicherweise ein halbes Jahr. In dieser Zeit können unsere Klientinnen und Klienten Arbeitserfahrung sammeln und ihr Selbstvertrauen zurückgewinnen», sagt Attila Stanelle, Leiter der Fachstelle Arbeitsintegration.

Die Fachstelle wurde 2015 ins Leben gerufen, um der hohen Sozialhilfequote der Stadt entgegenzuwirken. «Wir setzen uns mit den Lebensläufen, aber auch mit den Hobbies und sonstigen Aktivitäten der Klienten auseinander und erstellen so einen Integrationsplan», sagt Stanelle. Mit der Unterstützung der Fachstelle fanden seit 2017 rund 160 Dietikerinnen und Dietiker in die Berufswelt zurück. «Es ist ein Erfolgsmodell, das kann man an den Zahlen erkennen», sagt Müller. Mit jedem Jahr steige die Anzahl der Personen, die so ihren Weg zurück in die Arbeitswelt finden. 2018 konnte die Fachstelle 53 Klienten vermitteln, im laufenden Jahr bereits 56. Die Vermittlungsquote beläuft sich auf über 30 Prozent. Für den Sozialvorstand ist klar: «Das Travo-Modell ist eine nachhaltige Ablösung der Sozialhilfe.»

Am Anlass war auch der Dietiker Gemeinderat Pascal Stüssi (SVP) als Vertreter des Travo-Arbeitgebers Swissôtel Zürich anwesend. Und er zeigte sich begeistert: «Es ist ein super Projekt. Es ist nachhaltig und hebt sich von anderen Integrationsprogrammen ab.» Swissôtel kooperiert seit einem Jahr mit der Fachstelle und beschäftigt zurzeit drei Travo-Arbeiter. Stüssi findet, dass sich mehr Firmen in das Projekt einbringen müssten. Denn die Fachstelle ist auf kooperative Unternehmen angewiesen.

Herr D. radelt täglich von Dietikon nach Würenlos

Bei der Verleihung des Travo-Awards wurden vier Geschichten vorgestellt, bei denen Sozialhilfebeziehende aufgrund eines Travo-Einsatzes zu einer Festanstellung kamen. Die Anwesenden stimmten für die eindrücklichste Geschichte ab: Der Travo-Award ging an das HDZ Hundezentrum Würenlos. Denn es bot dem 41-jährigen Herrn D. eine Travo-Stelle an, nachdem dieser neun Jahre lang auf der Strasse gelebt hatte. Als eine Lehrtochter ihre Stelle hinschmiss, bekam der Travo-Arbeiter die Lehrstelle als Tierpfleger.

Helmut Primessnig, Inhaber des Hundezentrums, freute sich über den Award: «Es ist eine schöne Anerkennung.» Mit dem Travo-Einsatz von Herrn D. war er stets zufrieden: «Er ist kommunikativ, hilfsbereit und stets pünktlich.» Und das, obwohl er jeden Tag mit dem Velo von Dietikon nach Würenlos radelt. An der Award-Übergabe war Herr D. jedoch nicht anwesend. «Er nimmt heute an einem überbetrieblichen Kurs teil», entschuldigte ihn sein Chef.

Autor

Manuel Reisinger

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