Geroldswil

Baufeld Ost: Zentrum wird in die nächste Lebensphase geführt

So soll sich der Neubau-Komplex vom Hotel Geroldswil aus gesehen dereinst präsentieren. (Archivbild)

Der Gemeinderat informierte über den aktuellen Projektstand des Baufelds Hotel.

Die Planung für die Sanierung und Erweiterung des rund 50 Jahre alten Geroldswiler Gemeindezentrums nimmt Formen an. Die mit dem Projekt betrauten Akteure waren nicht untätig, seit das Siegerprojekt des Architekturbüros Baumberger & Stegmeier aus Zürich vergangenen Sommer bekannt gegeben wurde. An einer Dialogveranstaltung im Gemeindesaal im Hotel Geroldswil am Montagabend präsentierte der Gemeinderat gemeinsam mit Architekten, Planern und Denkmalschützern der zahlreich erschienenen Bevölkerung, was sich im vergangenen Drei-Vierteljahr bezüglich des Baufelds Hotel getan hat. Im Zentrum des Vorhabens steht die Umnutzung des Hotels Geroldswil in altersgerechte Wohnungen sowie der Umbau der Räumlichkeiten der Reformierten Kirche und der Wohnungen der Baugenossenschaft Schönheim.

«Derzeit erarbeiten die Architekten das Vorprojekt, das auch eine erste genauere Kostenschätzung beinhaltet», sagte Liegenschaftenvorstand Peter Christen (FDP), der die Baukommission Baufeld Hotel präsidiert. Parallel dazu entstehe der Gestaltungsplan. «Im Dezember wollen wir Ihnen diesen an der Gemeindeversammlung zur Genehmigung vorlegen», sagte Christen. Bis am 27. Juni ist der Gestaltungsplan auf der Gemeindeverwaltung einsehbar.

Bevor auf den Gestaltungsplan eingegangen wurde, erklärte Roger Strub von der kantonalen Denkmalpflege, warum die Fachstelle das Bauvorhaben so eng begleitet. «Die Aufgabe der Denkmalpflege ist es nicht nur, besonders schöne und alte Gebäude zu schützen. Uns geht es auch darum Bauten, die charakteristisch für eine Epoche stehen, zu würdigen.»

Besondere Absicht

Das Gemeindezentrum sei genau eines dieser Objekte, das die 1960er-Jahre beispielhaft repräsentiere. Zudem sei die Absicht dahinter etwas Besonderes gewesen. «Während andere Gebäudekomplexe wie etwa in Spreitenbach aus kommerziellen Gründen erbaut wurden, ging es in Geroldswil um eine soziale Idee. Man wollte einen Ortskern schaffen, in dem alle wichtigen Funktionen in der Gemeinde vereint sind», sagte Strub. Derzeit verfasse man eine Schutzverordnung, die auf den Gestaltungsplan abgestimmt sei. «Das Gemeindezentrum ist ein Schutzobjekt, doch wir sind uns im klaren, dass Veränderungen nach 50 Jahren möglich sein müssen.» Ihr sei der Erhalt wesentlicher Merkmale, wie etwa die Anordnung der Gebäude und deren architektonische Einheitlichkeit sowie die Sicherung einer vielfältigen Nutzung um den Platz, wichtig.

Stephan Schubert von der Planpartner AG brachte im Anschluss an Strubs Ausführungen den Anwesenden die Ziele des Gestaltungsplans und dessen Inhalt näher. «Um das Zentrum in die nächste Lebensphase zu führen, brauchen wir einen Gestaltungsplan. Er führt zu Rechtssicherheit. Zudem vereinfacht er die Umsetzung des Bauvorhabens und sichert die Qualität», verriet er. Festgelegt werde darin die Definition der oberirdischen Baufelder, der Gebäudemantel, der Aussenraum und die Erschliessung des Zentrums.

Kinderhorte statt Bibliothek

Architekt Peter Baumberger informierte über das Vorprojekt. Im Vergleich zum Wettbewerbsprojekt hätten sich ein paar Punkte verändert, sagte er. So kommt die Bibliothek nicht wie geplant im Gebäude der Reformierten Kirche unter. «Sie wird auf der anderen Seite des Platzes in die Räumlichkeiten der Genossenschaft Hochwacht einziehen», sagte Baumberger. Dies sei vor allem im Hinblick auf die Belebung des Platzes eine glückliche Fügung. «So verteilt sich die Nutzung um den Platz.» Wo jetzt die Bibliothek im Erdgeschoss und im ersten Stock untergebracht ist, soll es zwei Kinderhorte geben. Das heutige Café bleibt. Auch zur künftigen Parksituation gab es Neuigkeiten. Das jetzige öffentliche Parkhaus beim Hotel Geroldswil soll künftig für Besucher der Alterswohnungen und des Neubaus genutzt werden. Geplant ist auch ein Veloparkplatz. «Für die Öffentlichkeit entstehen auf dem Baufeld Ost Parkplätze», sagte Baumberger. Der Architekt tönte zudem an, was mittelfristig mit dem Postgebäude passieren könnte. «Auch wenn es nicht Teil dieses Gestaltungsplans ist, beabsichtigt man das Postgebäude zu ersetzen, um Potenzial für ein weiteres Wohnhaus zu schaffen.»

Nach der Präsentation des Vorprojekts blieben jedoch noch einige Fragen offen. So wollte ein Einwohner wissen, was aus dem Dorfplatz wird. «Dieser ist nicht im Perimeter des Siegerprojekts eingeschlossen. Ein zweiter Gestaltungsplan müsste das regeln», antwortete Christen. Die Überdachung der Wege und des Platzes war ebenso Thema. «Ich erwarte, dass ich mich künftig trockenen Fusses im Zentrum bewegen kann», sagte ein Anwesender. Die Wiederherstellung der Vordächer entlang der Gebäude sollte man diskutieren, gab Architekt Baumberger zur Antwort. Ein anderer Diskussionspunkt war der Wegfall des Cheminéeraums hinter der Bibliothek. «Von Senioren wird er stark genutzt. Wo gehen wir hin, wenn er und die Bibliothek weg sind», fragte ein Geroldswiler. Der am Anlass ebenso anwesende Pfarrer Bernhard Botschen gab Entwarnung: «Eine der Wohnungen, die die Reformierte Kirche derzeit vermietet, soll in einen grossen Kirchenraum verwandelt und für solche Zwecke genutzt werden.»

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Autor

Sibylle Egloff

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