Corona-Virus

Baustellenbetrieb soll eingestellt werden: Arbeiter wollen so nicht weitermachen

Bauarbeiter fordern, dass die Baustellen geschlossen werden. (Archivbild)

Bauarbeiter fordern, dass die Baustellen geschlossen werden. (Archivbild)

Der Bundesrat hat im Zusammenhang mit den Notmassnahmen gegen die Verbreitung des Corona-Virus noch keine Einschränkungen für das Baugewerbe verfügt. Im Kanton Zürich sind die Baustellen offen und es wird gearbeitet. Allerdings gelten Schutzmassnahmen – unter anderem Social Distancing – auch auf dem Bau.

Die Unia Zürich-Schaffhausen werde von Anfragen und Hilferufen von Bauarbeitern überrannt. Diese würden sich über «massive Verletzungen der BAG-Schutzmassnahmen auf ihrer Baustelle beklagen». Zudem hätten sie Angst vor dem drohenden Einkommensverlust. Laut Unia sind die Bauarbeiter einer ständigen Gefährdung ausgesetzt. «In den engen Baracken können sie nur dicht an dicht sitzen», heisst es in der Mitteilung der Gewerkschaft. Arbeiten, welche die nötige Distanz nicht zulassen, müssten trotzdem ausgeführt werden. Zudem fehle es an sanitären Anlagen und Desinfektionsmitteln. «Dieser Zustand ist nicht mehr haltbar», schreibt die Unia.

Die Bauarbeiter wollen so nicht weitermachen, behauptet die Gewerkschaft. Und sie beklagt, die Baufirmen würden darauf bestehen, dass weitergearbeitet werde. Lohnersatz und Kurzarbeit seien aber erst ein Thema, wenn die Arbeit offiziell nicht mehr möglich sei. Die Bauarbeiter würden aus diesem Grund den Regierungsrat in einer Petition auffordern, die Arbeit auf den Baustellen einstellen zu lassen. Die Regierung solle auch dafür sorgen, dass die Lohnfortzahlung gesichert sei.

Der Baumeisterverband Zürich/Schaffhausen (BZS) hat seinen Mitgliedern Empfehlungen zukommen lassen, wie sie das Social Distancing bei ihren Mitarbeitern einhalten können. Für den Transport zur Baustelle wird vorgeschlagen, zusätzliche Fahrzeuge zu verwenden oder mit demselben Gefährt mehrmals zu fahren. In den Pausen sollen die Bauarbeiter die Abstandsregeln beachten.

«Momentan klappt das relativ gut, weil das Wetter schön ist und nicht alle gleichzeitig in der Baubaracke den Znüni zu sich nehmen», sagt Gerhard Meyer, der Geschäftsführer des BZS. Zu den Beobachtungen der Unia sagt Meyer, die Unternehmer würden ihr Bestes tun, um den neuen Gegebenheiten und Vorgaben so rasch als möglich gerecht zu werden. Punkto Infrastruktur und Organisation sei das aber nicht zu unterschätzen.

Schichtbetrieb über Mittag würde helfen

Was den Bauunternehmen laut Meyer helfen würde, wäre die Möglichkeit, das Mittagessen gestaffelt einzunehmen. Aufgrund der Lärmverordnung – zwischen 12 und 13 Uhr gilt Mittagsruhe – sei das im Moment aber nicht möglich. Zur Forderung nach Baustellenschliessungen sagt Meyer, die Hoheit solche Massnahmen auszusprechen liege aus Sicht des BZS beim Bundesrat. Man spreche sich deshalb laufend mit dem Schweizerischen Baumeisterverband ab.

Die Genfer Regierungsrat hat am Mittwoch einen Baustellenstopp verfügt. Ab heute darf nicht mehr gearbeitet werden. Wer sich nicht daran hält, riskiert Geldstrafen bis zu 300'000 Franken.

Ungenügende Abstände und Hygienemassnahmen seien keine Frage des Arbeitsgesetzes, sagt Lucie Hribal, die Leiterin Kommunikation des Amtes für Wirtschaft und Arbeit. Es handle sich vielmehr um Empfehlungen der Landesregierung und des Bundesamtes für Gesundheit. Diese Empfehlungen seien nicht von Strafbestimmungen erfasst. Daher fehle für eine Durchsetzung seitens Polizei oder Arbeitsinspektorat die rechtliche Grundlage. Die Polizei kontrolliere die Einhaltung punktuell. Halte sich jemand nicht daran, werde er darauf hingewiesen. 

Meistgesehen

Artboard 1