Urdorf

Bedenken wegen 5G: Gemeinderat sistiert Antennen-Baugesuche

Der Widerstand der Urdorferinnen und Urdorfer gegen den Ausbau von 5G ist so gross, dass der Gemeinderat nun die laufenden Baugesuche für Handy-Antennen sistiert.

Der Widerstand der Urdorferinnen und Urdorfer gegen den Ausbau von 5G ist so gross, dass der Gemeinderat nun die laufenden Baugesuche für Handy-Antennen sistiert.

Weil der Widerstand aus der Bevölkerung gegen den neuen Mobilfunkstandard wächst, intervenierte der Gemeinderat beim zuständigen Bundesamt.

Während in vielen Schweizer Gemeinden und Städten der Ausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G auf Hochtouren läuft, legt Urdorf eine Pause ein. Die zwei laufenden Baugesuche für den Umbau von bestehenden Handy-Antennen wurden vorläufig sistiert, wie der Gemeinderat mitteilt. Aufgrund der Frequenzen dieser Antennen bestehe die Möglichkeit, mit 5G zu senden.

Die eine Anlage befindet sich am Bahnhof Weihermatt. Der Mobilfunkbetreiber Salt will die bereits von der SBB verwendete Antenne mitbenutzen. An der Feldstrasse 41 plant Swisscom, die bestehende Mobilfunkanlage umzubauen.

Der Gemeinderat reagiert mit der Sistierung dieser Baugesuche auf die Bedenken, die aus der Bevölkerung an ihn herangetragen wurden. «Der Gemeinderat nimmt die Anliegen der Urdorferinnen und Urdorfer, die sich vor allem auf die grosse Unsicherheit in Bezug auf die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen der fünften Mobilfunkgeneration beziehen, ernst und hat deshalb beschlossen zu handeln», sagt Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner (EVP).

Chancen und Risiken umsichtig beurteilen

Die Prüfung der 5G-Baugesuche erfolge nicht leichtfertig. Der Gemeinderat habe daher beim zuständigen Bundesamt gefordert, dass vor einer allfälligen Anpassung der eidgenössischen Verordnung die entsprechenden Chancen und Risiken der neuen Technologie erhoben und umsichtig beurteilt werden. Insbesondere auch, dass die Grenzwerte nur dann erhöht würden, wenn ausgeschlossen werden könne, dass eine Gefährdung für Mensch und Umwelt vorliegt.
Man warte zudem den Bericht der von alt-Bundesrätin Doris Leuthard eingesetzten Arbeitsgruppe über die Bedürfnisse und Risiken des zukünftigen Mobilfunks und die entsprechenden Empfehlungen ab, sagt Rottensteiner.

Entscheid erst nach Abklärung durch Fachstelle

Sistiert wurden die Baugesuche aber auch von der zuständigen kantonalen Fachstelle des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft. Dies zwecks Aktenergänzungen betreffend Strahlenwert. Erst wenn sämtliche Abklärungen der kantonalen Fachstelle erfolgt seien und die Gesuche die Anforderungen des kantonalen Planungs- und Baugesetzes und der eidgenössischen Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung erfüllen würden sowie der genannte Bericht vorliege, werde der Gemeinderat die Baugesuche prüfen und einen Entscheid fällen.

Den ersten öffentlichen Widerstand gegen den Ausbau von 5G in Urdorf wagten Anwohnende der Überbauung Mühlebächli im Frühsommer. Sie wehrten sich mit 203 Unterschriften gegen den Umbau der Handy-Antenne vor ihrer Haustüre beim Bahnhof Weihermatt und forderten die Gemeinde auf, das Bauprojekt zu sistieren (die Limmattaler Zeitung berichtete).

Bedenken äussern nun auch Jürg Elmiger und Daniela Fürst. Die beiden gründeten den Verein «Stop 5G in Urdorf» und sammeln derzeit Unterschriften für ihre Petition, die sie dem Gemeinderat voraussichtlich Ende Oktober überreichen wollen. Sie fordern, dass auf dem ganzen Gemeindegebiet keine Baubewilligungen für neue 5G-Anlagen und auch nicht für das Aufrüsten von bestehenden Anlagen erteilt werden. Für bereits auf 5G aufgerüstete Antennen sei die Ausserbetriebssetzung und Wiederherstellung des vorgängigen Zustandes zu verlangen. Zudem wünschen sich die Initianten, dass die Einwohner über geplante Massnahmen zum Schutz vor hochfrequenter Strahlung in Urdorf informiert werden.

«Die heutigen Netze 3G und 4G genügen»

«Es gibt keine einzige unabhängige Unbedenklichkeitsstudie zu 5G. Hingegen belegen viele Studien die Schädlichkeit der hochfrequenten Strahlung für unsere Gesundheit», sagt Jürg Elmiger. Ein 5G-Netz sei nicht nötig. «Die heutigen Netze 3G und 4G genügen für Spiele und Videos», sagt Elmiger. Zudem sei das Glasfasernetz schnell, effizient und würde laufend ausgebaut. «Der Ausbau von 5G bedeutet zudem eine Wertverminderung für Immobilien und Grundstücke. Für eine vollständige Abdeckung müssten alle 100 bis 200 Meter eine 5G-Anlage errichtet werden.» Ihm sei es wichtig, politisch Druck zu machen und so das Bewusstsein der Bevölkerung für das Thema zu stärken.

Autor

Sibylle Egloff

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