Das Baby ist getauft. Jetzt muss es nur noch zur Welt kommen. Zum Start der Saison 2022/23 soll das neue Stadion auf dem Zürcher Hardturmareal eröffnet werden. Wann die Bagger auffahren können, ist noch offen. Gestern gaben die Grossbank Credit Suisse (CS) und die Fussballklubs FCZ und GCZ schon mal bekannt, wie es dereinst heissen soll: Sein Name sei «Credit Suisse Arena», teilten sie in einem gemeinsamen Communiqué mit. Die CS habe mit GC und FCZ einen mehrjährigen Vertrag abgeschlossen, der ab sofort in Kraft tritt. Wie viel Geld dabei fliesst, wollten die Beteiligten auf Anfrage nicht sagen.

Fest steht: Die beiden Zürcher Profiklubs erhalten aufgrund des soeben unterschriebenen Vertrags schon für die kommende Saison Geld von der Grossbank. Die CS kriegt dafür Bandenwerbung, Logopräsenz auf den Websites der Klubs und auf der Interviewwand, vor der die Spieler dem Fernsehen nach den Spielen jeweils Rede und Antwort stehen.

«Die Vergabe der Namensrechte ist für uns bereits ab der nächsten Saison eine wichtige Stütze zur Finanzierung der Clubaktivitäten», liess sich Andras Gurovits, Vizepräsident des krisengeschüttelten Grasshopper Club Zürich, im Communiqué zitieren. Auch FCZ-Präsident Ancillo Canepa zeigte sich erleichtert: «Das gibt uns als Club die Chance, auch eine langfristige Perspektive zu haben.»

Der nun unterzeichnete Vertrag dauert bis zehn Jahre nach Inbetriebnahme des Stadions, wie es im Communiqué weiter heisst. Er sei auch ein «Bekenntnis zum Standort Zürich, wo wir als Bank unsere Wurzeln haben», sagte Thomas Gottstein, CEO der Credit Suisse (Schweiz).

Catering ist zweite Geldquelle

Die Vergabe des Namensrechts ist eine der Möglichkeiten, mit denen die beiden Klubs im neuen Stadion Geld verdienen können. Eine weitere ist das Catering, also die Verpflegung der Fussballfans mit Speisen und Trank. Heute sind der FCZ und GC im Letzigrundstadion Mieter bei der Stadt Zürich. Das Catering wird dort vom Gastrounternehmen Zürcher Frauenverein (ZFV) betrieben. Laut einem FCZ-Sprecher wurden bereits Offerten für das Catering im neuen Stadion eingeholt. Wer den Zuschlag erhält, sei noch offen.

Zuerst einmal müsste das Stadion allerdings gebaut werden. Die Stadtzürcher Stimmberechtigten hiessen das Projekt im vergangenen November mit 53,8 Prozent Ja-Stimmen gut. Als nächstes wird sich das Zürcher Stadtparlament mit dem Gestaltungsplan befassen. Dieser ist nötig wegen der beiden 137 Meter hohen Hochhäuser, mit denen das Stadion finanziert werden soll. Die Hochhäuser sollen nach dem Bau des Stadions gleich nebenan stadtauswärts entstehen. Als Investoren stehen die Baufirma HRS und die Immobiliengefässe der Credit Suisse bereit. Zudem plant die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ) stadteinwärts neben dem Stadion 174 gemeinnützige Wohnungen.

Im Vorfeld der Abstimmung hatte es wegen der Hochhäuser Widerstand gegeben. Auch die SP störte sich an den Türmen. Inzwischen ist sie allerdings umgeschwenkt: «Wir legen dem Projekt keine Steine in den Weg», sagte Liv Mahrer, Co-Präsidentin der Stadtzürcher SP Ende Mai, als der Stadtrat den Gestaltungsplan zuhanden des Parlaments verabschiedete. Damit dürfte das Vorhaben im Gemeinderat gute Chancen haben.

Die lange Geschichte der Stadion-Planung beim Hardturm zeigt jedoch, dass Rekurse das grössere Risiko darstellen. Schon ab 2000 engagierte sich die CS für den Bau eines neuen Hardturm-Stadions. Volk und Parlament stimmten zu. Doch jahrelange Rekurse verzögerten den Bau, bis die Grossbank das Projekt 2009 aufgab. Auch zum aktuellen Projekt wurden bereits Rekurse angedroht.