Pink leuchten die Lettern an der weissen Wand. «Fempop» ist in verschnörkelter Schrift zu lesen. Der Schein erleuchtet die Gesichter von Cécile Moser und Rahel Fenini, die darunter auf dem Sofa sitzen. Moser hält ein mintfarbenes Buch in den Händen. «‹Freiraum› heisst die zweite Publikation der deutschen Schriftstellerin Svenja Gräfen. Sie handelt von einem jungen Paar, das im hippen Berlin lebt und unterschiedliche Vorstellungen vom Leben und von einer Beziehung hat», sagt Moser. «Uns reizt zeitgenössische Literatur, die feministische Themen und Gleichstellungsfragen aufgreift», ergänzt Fenini.

Das im März erschienene Buch bildet die erste Lektüre für den feministischen Buchclub Fempop, den die beiden Freundinnen gegründet haben. Am 13. Mai wollen sie sich im Kulturhaus Kosmos in Zürich mit Interessierten treffen und das Gelesene diskutieren. Der Anlass richtet sich mehrheitlich an Leserinnen und Leser des Schweizer Online-Magazins Fempop, das sich mit Feminismus und Popkultur beschäftigt. 2016 riefen Moser und Fenini die Web-Zeitschrift ins Leben. «Der Buchclub bietet nun die Möglichkeit, dass wir uns in einem intimen Rahmen mit unserer Leserschaft treffen und sie kennenlernen können», sagt Moser. Der Fokus liege dabei nicht nur auf der Lektüre, sondern auch auf dem persönlichen Austausch, so die 30-Jährige. «Literatur gibt einem die Gelegenheit, auf einer fiktiven Meta-Ebene zu besprechen, was einen persönlich bewegt», sagt Fenini. Oftmals falle es einem leichter, Aussagen über sich selbst zu machen, wenn man sich mit Protagonisten eines Buchs vergleiche, findet die 28-Jährige.

Stigma verloren

Durch den Kontakt mit den Leserinnen und Lesern erhoffen sich Moser und Fenini auch Inputs und Inspiration für das Online-Magazin. «Wir freuen uns aber auch über Teilnehmende, die nicht zu unserer Leserschaft zählen», betont Fenini. Den beiden Frauen ist es wichtig, den Feminismus-Diskurs aufrecht zu erhalten. «In den letzten Jahren hat sich einiges getan. Der Begriff Feminismus hat seit der ‹Me too›-Debatte in den sozialen Medien nach dem Skandal um die sexuellen Übergriffe durch den Hollywood-Produzent Harvey Weinstein 2017 sein Stigma verloren», sagt Moser. «Das Klischee von der männerhassenden Feministin, die sich nicht rasiert, ist glücklicherweise fast aus allen Köpfen verschwunden. Heute kann sich jede selbstbewusste und unabhängige Frau als Feministin bezeichnen», sagt Fenini.

Dass das Bewusstsein und die Sensibilität für feministische Anliegen stark zugenommen haben, zeigten viele Projekte sowie zahlreiche Kampagnen und Aktionen auf politischer, künstlerischer und bildungstechnischer Ebene, sagt Fenini. Und dennoch: «Es ist noch ein langer Weg. Wenn man bedenkt, dass in der Schweiz keine Lohngleichheit herrscht oder es keinen gesetzlich geregelten Vaterschaftsurlaub gibt», sagt Moser. Solange die strukturellen Gegebenheiten nicht vorhanden seien, um moderne Familien- und Lebensmodelle zu führen, brauche es die Diskussion. Mit ihrem Magazin und dem Buchclub wollen die beiden Frauen einen Beitrag dazu leisten. «Feminismus wird vor allem in intellektuellen und elitären Kreisen diskutiert. Es bringt aber nichts, diese Themen im geschlossenen Kämmerchen anzupacken. Das ändert nichts im breiten Volk», findet Fenini. «Unser Ziel ist es, dass alle an diesem Diskurs teilhaben können, dass feministische Themen im Mainstream ankommen», so Moser. Daher komme ihr Online-Magazin auch in popkultureller Verpackung mit viel Pink und Glitzer daher.

Gegenseitig unterstützen

Ein Anliegen ist den Zürcherinnen zudem die gegenseitige Unterstützung von Frauen. «Wir müssen uns vernetzen und uns beispielsweise in der Arbeitswelt mehr unter die Arme greifen. Für das braucht es keinen Staat und keine Männer», sagt Moser, die als PR-Managerin tätig ist. Diese Philosophie leben die Fempop-Gründerinnen bereits. «Der Buchclub war nicht unsere Idee. Eine Redaktorin unseres achtköpfigen Teams brachte den Wunsch ein», verrät Fenini, die als Gleichstellungsbeauftragte arbeitet. Die beiden freuen sich auf das erste Treffen. «Wir hatten Lust auf einen neuen Schritt und sind gespannt, wie der Anlass abläuft», sagt Fenini. Bisher haben sich neun Personen angemeldet. «Wenn unsere Idee Anklang findet, werden wir alle drei bis vier Monate ein Treffen organisieren und Bücher besprechen», sagt Moser. Dabei sei man auch für Buchwünsche von Teilnehmenden offen.