In früheren Zeiten gab es unter Seebuben am Zürichsee noch eine Art Volkssport oder auch Mutprobe. Sie sprangen bei einem haltenden Dampfschiff ins Wasser und hängten sich – manchmal sogar traubenartig – ans Ruder, um sich vom abfahrenden Dampfer einige Hundert Meter auf den See mitziehen zu lassen. Da diese nicht von Schrauben am Heck, sondern von seitlichen Schaufelrädern angetrieben wurden, schien dies ungefährlich. Dennoch schritt das Schiffspersonal rigoros ein. Mit langen, kräftig geschwungenen Taus versuchten sie von Deck aus, die Kinder und Jugendlichen unter sich vom Ruder zu vertreiben.

Beim Ablegen des Schiffs in die Heckwelle zu springen, mag Jugendlichen auch heute noch einen besonderen Kick geben. Auch Wellen der Kursschiffe sorgen im Seewasser für den Whirlpool-Effekt. Doch das ist – heute wie damals – brandgefährlich. Gerät ein Schwimmer in eine Schiffsschraube, kann das schwere Verletzungen zur Folge haben.

Rund um Stege gilt ein Schwimmverbot

Für Badende gilt deshalb schon von Gesetzes wegen: Schwimmen ist im Umkreis von 100 Metern rund um die Schiffsanlegestellen verboten. Ebenso ist es nicht erlaubt, an Schiffe in Fahrt heranzuschwimmen, sich daran festzuhalten oder sich ihnen zu nähern.

Und trotzdem: Gemessen an den täglich Tausenden von Badegästen sind schwere Unfälle mit Kursschiffen im Zürichsee glücklicherweise selten. 2008 schwamm eine Frau im Hafen Enge hinter einem Limmatschiff, als dieses rückwärts vom Steg ablegen wollte. Weder Schiffsführer noch Matrose bemerkten die Frau, diese geriet in die Schiffsschraube und wurde schwer verletzt. 2012 wurde ein Schwimmer in Oberrieden vom Dampfschiff Stadt Zürich erfasst. Er schwamm rund 150 Meter vom Ufer entfernt auf der Dampfschiffroute und geriet dabei ins rechte Schaufelrad. Er zog sich Rücken- und Beinverletzungen zu.

Gelbe Badekappen wurden verteilt

Die Fälle zeigen, wie wichtig es ist, Schwimmer für Gefahren zu sensibilisieren. Vor zehn Jahren lancierte die Stadtpolizei Zürich die mehrjährige Kampagne «Kluge Schwimmer leben länger». Damals wurden im Sommer 2009 kostenlose gelbe Badekappen verteilt. Diese sollten dazu dienen, dass Schwimmer von Kapitänen im Wasser besser erkannt werden können. Bei schönem Wetter wurden zudem sogenannte Baywatch-Crews in Begleitung von Polizisten in Badis geschickt, um die Badegäste auf die Gefahren im Wasser aufmerksam zu machen. Mit anderen Slogans, wie etwa «In Gedenken an kopflose Schwimmer» oder mit anderen Schwerpunktthemen wurde die Kampagne in den vergangenen Jahren fortgeführt. Aktuell läuft jedoch keine Sensibilisierungskampagne zum Thema Schifffahrt.

Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) orientiert sich bei ihren Präventionskampagnen vor allem an den nackten Zahlen einer Zehn-Jahres-Statistik. Diese zeigt: 83 Prozent der Ertrinkungsopfer sind männlich, die meisten von ihnen 15 bis 30 Jahre alt.

Dieses Jahr hat die SLRG das Thema «Fluss» als Schwerpunkt gewählt. In diesen Gewässern tummeln sich besonders viele junge Menschen – sei es auf Gummibooten oder als halsbrecherische Brückenspringer. Mit «Save your friends – damit der Wasserspass nicht tödlich endet» wolle man nicht nur den einzelnen Freizeitschwimmer ansprechen, sondern auch dafür sorgen, dass verantwortungsbewusste Sportler ihre Freunde auf die Gefahren im Fluss aufmerksam machen.

Dass die Kampagne dringend nötig ist, zeigt ein Vorfall am vergangenen Wochenende. Ein 48-jähriger Mann verletzte sich beim Sprung von der Uzner Grynaubrücke in die Linth an Kopf und Rücken schwer.