Pandemie

Das Coronavirus beeinflusst auch die Gottesdienste – Kirchen setzen zunehmend auf Livestreams

Die Limmattaler Kirchen müssen immernoch verschiedene Schutzmassnahmen umsetzen. Hier die Schutzmassnahmen in der katholischen Kirche Dietikon.

Die Limmattaler Kirchen müssen immernoch verschiedene Schutzmassnahmen umsetzen. Hier die Schutzmassnahmen in der katholischen Kirche Dietikon.

Seit einigen Monaten kann man Limmattaler Kirchen wieder besuchen. Doch nicht alle Kirchen haben sich gleich vom Lockdown erholt. Aus Angst vor einer Ansteckung nehmen weniger Personen am Gottesdienst teil.

Besonders düster sieht es in der katholischen Kirche in Schlieren aus. Pfarrer Kurt Vogt steht während der Predigt meist vor spärlich besetzten Rängen: «Aus Angst vor einer Ansteckung kommen etwa zwei Drittel weniger Personen an den Gottesdienst. Es werden wieder langsam mehr, aber es ist hart.» Als Alternative bietet die Kirche in Schlieren bietet weiterhin einen Livestream an. Laut Vogt wird dieser hauptsächlich vom Altersheim genutzt.

Seit Mai dürfen Kirchen wieder Gottesdienste vor Ort durchführen. Das Beispiel aus Schlieren zeigt, dass die Kirchen im Limmattal teilweise immer noch stark unter den Folgen des Lockdowns leiden. Mit den Gläubigen in Kontakt zu kommen, sei weiterhin schwer, sagt Vogt. Man könne den telefonischen Kontakt keinesfalls mit einem persönlichen Gespräch vergleichen.

Seit vier Wochen bietet die Kirche wieder Hausbesuche an: «Wir besuchen vor allem einsame Menschen. Diese bleiben oft aus Angst vor einer Ansteckung zu Hause. Das verschlimmert die Einsamkeit», so der Schlieremer Pfarrer. Bessern könnte sich die Situation nach den Sommerferien. Ab dann will die Kirche nämlich wieder pfarreiliche Aktivitäten durchführen.

Die Schlieremer Katholiken spüren die Auswirkungen auch finanziell: Die Spenden über die Kollektenkörbe haben abgenommen. Die Körbe mussten als Schutzmassnahme zentral aufgestellt statt herumgereicht zu werden. Pfarrer Vogt erklärt sich diesen Rückgang damit, dass man zum Spenden nun bewusst zu den Körben gehen müsse. Von Seiten der Gläubigen sei eine Nachfrage nach digitalen Spendemöglichkeiten da, aber man habe dies noch nicht diskutiert, sagt er weiter.

Im Gegensatz zu Schlieren läuft es in der katholischen Kirche in Geroldswil verhältnismässig gut. Trotz Sommerferien besuchen laut Pfarrer Henryk Walczak viele Menschen den Gottesdienst: «Ich bin positiv überrascht. Ich würde sagen, es kommen sogar Leute mehr als sonst während den Sommerferien.» Walczak erklärt sich dies damit, dass vermutlich weniger Menschen verreist sind. Trotzdem freut er sich, wenn nach den Sommerferien wieder ein richtiges Programm für den Rest des Jahres geplant werden könne – wenn auch unter Einhaltung der Schutzmassnahmen. So dürfen die Firmlinge im September je nur fünf Familienmitglieder zu ihrer Firmung einladen.

Auch in Geroldswil mussten zentrale Kollektenkörbe aufgestellt werden. Trotzdem stellte Pfarrer Walczak keinen Spendenrückgang fest: «Zwar wurde während dem Lockdown weniger Geld gespendet, dafür nachher umso mehr. Nun sind wir wieder auf einem normalen Niveau.»

Livestreams wird es auch in Zukunft geben

In den reformierten Kirchen im Limmattal sieht das Ganze anders aus. Laut Heinrich Brändli, Kirchgemeindeschreiber von Dietikon, Schlieren und Weiningen, gab es bei den Reformierten keinen vergleichbar starken Einbruch: «Wir haben nur etwa 10 bis 15 Prozent weniger Leute. Damit haben wir gerechnet, denn während den Sommerferien läuft so oder so weniger.»

Die drei reformierten Kirchen streamen seit März abwechslungsweise ihre Sonntagsgottesdienste und sonstige Events auf www.carillon.tv, einer gemeinsamen Plattform der drei Kirchen. Diesen Service bieten die Kirchen weiterhin an – mit Erfolg: «Ich denke, dass wir mit dem Livestream schlussendlich sogar mehr Leute erreichen. Normalerweise schauen mehr als 20 Personen live zu. Dazu kommen noch diejenigen, die den Gottesdienst im Verlaufe der Woche oder später schauen.»

Das meistgesehene Gottesdienst wurde bisher knapp 150 Mal angeklickt. Während dem Lockdown habe sich gezeigt, dass eine gemeinsame Internetplattform funktioniert: «Wir wissen noch nicht, wie wir die Website weiter nutzen wollen. Nach den Sommerferien planen wir unser weiteres Vorgehen», sagt Brändli.

Ähnlich wie in den katholischen Kirchgemeinden mussten auch in den reformierten Kirchen die Spendetöpfe zentral montiert werden. Brändli geht aber nicht davon aus, dass deswegen viel weniger Gläubige gespendet haben. Insgesamt ist er zufrieden damit, wie die reformierten Kirchen im Limmattal die Krise stemmen: «Den Umständen entsprechend läuft es gut. Alle haben während dem Lockdown und gute Arbeit geleistet und leisten sie immer noch.»

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