Den Letzten beissen die Hunde. Das kann ich so nicht bestätigen, denn ich war der Erste und mich hat der Hund auch gebissen. Genau genommen war ich der Einzige, der in diesem Moment mit dem Velo am Bauerhof hinter dem Hasenberg vorbeifuhr. Da kam der Bello, oder wie der Köter hiess, aus dem Hinterhalt hervorgeprescht und schnappte nach meinen Waden – die in der Sonne gleissend und mit stählernen Muskeln in die Pedale traten. Rennvelofahrer haben solche Beine …

Nicht wegen des Trainingseffekts fuhr ich derart schnell, sondern wegen dieses Kläffers. Der Hund, mit einem Präfix eines weiblichen Schweins, biss doch tatsächlich in die Ferse meines verstärkten Veloschuhs, sodass ich beinah vom Drahtesel stürzte. Mit einem geschickten Dreh löste ich den Fuss von der Pedale, schlenzte das Bein in Richtung Hund, erwischte ihn leicht am Vorderlauf und der machte sich laut jaulend vom Acker – oder besser, in den Acker hinein. Als hätte ihn ein Elefant getreten, diese Memme!

Die Geschichte erinnerte mich an meine Velotour durch Bali. Dort hatten sich die Hunde gut organisiert und erwarteten Neuankömmlinge in perfider Absicht – und vor allem versteckt. Die waren nicht so blöd wie der Bello vom Hasenberg. Sie warteten still hinter der Holzhütte oder unter dem Busch und liessen dem Pedaleur den Schweiss – in Bali ist es heiss – langsam den Berg hinauf pusten. Dann griffen sie an mit lautem Geheul. Einige tanzten vor dem Lenker herum, sodass man anhalten musste, und schon hatten dich die andern am Wickel – oder am Bein. 

Wieso dass diese Hunde Spass hatten am Velofahrer-Vergrämen, weiss keine Sau. Aber man hatte Schwein, wenn man diese Attacken unverletzt überstand, und wunderte sich, woher die Vierbeiner einen solchen Hass auf die Zweibeinigen auf Rädern hegten. Spielten die Hunden einfach gerne «Schnapp den Touristen»? Hunger schienen sie nicht zu haben, denn wer aus purer Schlauheit präventiv Häppchen verteilte beim Vorbeifahren, erntete höchstens noch Zusatzgejaul vor dem Angriff. Wahrscheinlich lag es an der Fremdartigkeit. Balinesen fahren mit vielem, aber kaum mit dem Fahrrad.

Gegen die Attacken half nur aggressives Fluchen und Fuchteln, sobald die Meute auftauchte. Das schreckte sie für einen Moment ab. Darum: Bauern auf dem Hasenberg, seid gewarnt. Wenn demnächst ein verrückt schreiender Zürcher Velofahrer an eurem Hof vorbeiradelt, wundert euch nicht. Es ist wegen des Hundes!