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Der Kanton will bald wertvollen Phosphor gewinnen – aus unserem Abwasser

Im Abwasser ist viel Phosphor vorhanden. (Symbolbild)

Ein im Kanton Zürich gefördertes Verfahren wird ab 2026 in Zuchwil industriell angewendet.

Phosphor ist eine begehrte Substanz, um Nahrungsmittel und Dünger herzustellen. Natürliche Vorkommen gibt es in der Schweiz keine, und weltweit sind sie begrenzt. In etwa 100 Jahren gehen sie zur Neige. Zu einem grossen Teil wird der Rohstoff in Übersee in Minen abgebaut und in die Schweiz transportiert, obwohl er bei uns in Mengen im Abwasser enthalten ist. Der Kanton hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, aus Klärschlamm möglichst viel Phosphor zu gewinnen. Nun ist man diesem Ziel einen Schritt näher.

Gute Ausbeute

Ein vom Kanton gefördertes Verfahren ermöglicht es, Asche aus Klärschlamm in reine Phosphorsäure umzuwandeln. Kürzlich ist es gelungen, die Machbarkeit des Verfahrens unter industriellen Bedingungen nachzuweisen. Die Ausbeute betrug über 95 Prozent. Verwendet werden kann der hochwertige Phosphor in der Düngerproduktion sowie in der Nahrungs- und Futtermittelindustrie. Ein weiterer Vorteil der heimischen Produktion ist es, dass die Umweltbelastung deutlich verringert wird.

Um die Phosphorsäure möglichst sparsam zu produzieren, hat der Kanton nach Partnern und einem geeigneten Standort gesucht. Fündig geworden ist er im solothurnischen Zuchwil. Die Anlage liesse sich dort gut in das Areal der Kehrichtverwertungsanlage Kebag und der Abwasserreinigungsanlage Zase integrieren, schreibt der Zürcher Regierungsrat in einer Mitteilung. «Das Areal liegt im Herzen der Schweiz und verfügt neben der guten Strassenanbindung auch über einen Bahnanschluss.» Zudem könne die KEBAG die für die Herstellung der Phosphorsäure nötige Energie in Form von Dampf und Strom liefern.

Vorprojekt bis 2020

Mehrere Betreiber von Abwasserreinigungs- und Klärschlammverbrennungsanlagen, darunter auch jene der Verbrennungsanlage Zürich, würden sich für den Betrieb in Zuchwil interessieren, schreibt der Regierungsrat. Sie hätten die Stiftung Zentrum für nachhaltige Abfall- und Ressourcenwirtschaft (ZAR) damit beauftragt, ein Vorprojekt für die Anlage in Zuchwil auszuarbeiten. Ende 2020 soll es abgeschlossen sein. Nach heutiger Planung könnte dort im Jahr 2026 mit der Produktion von Phosphorsäure begonnen werden.

Gibt es keine Verzögerung, hätte der Kanton ein Ziel der seit 2016 geltenden Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen (VVEA) erreicht. Diese schreibt nämlich vor, dass Phosphor aus Abwasser bis spätestens 2026 zurückgewonnen werden muss. Mit der Realisierung der zentralen Klärschlammverbrennungsanlage im Stadtzürcher Werdhölzli konnten zudem ab 2015 die Kosten für die Behandlung des Schlamms wesentlich reduziert werden.

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