Dietikon

Der Rotfarbweg ist eingeweiht – jetzt kehrt ein Stück Dietiker Geschichte zurück

Wo die erste Fabrik der Stadt einst stand, gibt es heute den Rotfarbweg. Zum ersten Mal klärt eine zusätzliche Tafel über den geschichtlichen Hintergrund des Orts auf.

Die Rotfarb kehrt nach Dietikon zurück. Der Weg um die Siedlung Sonnenhof trägt neu den Namen der ersten Fabrik im früheren Bauerndorf. Gestern wurde er eingeweiht. Zudem wurde eine zweite Tafel montiert, die Passanten über die Geschichte der Färberei aufklärt, die sich dort befand, wo der Weg nun vorbeiführt.

Neben Vertretern der Stadt waren bei der Einweihung auch Mitglieder der Kommission für Heimatkunde des Stadtvereins Dietikon dabei. Unter ihnen Sven Wahrenberger. Der Historiker weiss einiges zur Geschichte des Rotfarbwegs zu erzählen. Von ihm stammt auch der Text auf der neuen Erklärungstafel.

Rotfarb löste Dietiker Industrialisierung aus

Die Rotfarb war die erste Fabrik in Dietikon. Sie wurde 1849 von Johannes Hanhart-Solvio gegründet. Den Namen hatte die Fabrik dem Handwerk ihrer etwa 50 Arbeiter zu verdanken. Diese färbten Tücher mit Pflanzenfarbextrakt rot und verkauften sie in die ganze Welt. Die Rotfarb stand am Anfang des Industrialisierungsprozesses in Dietikon. Aus dem damaligen Bauerndorf wurde so allmählich ein Industrieort – wie es sie in anderen Regionen der Schweiz schon länger gab.

Hans Koch kaufte 1905 die Rotfarb und machte daraus eine Giesserei und Armaturenfabrik. Die Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre zwang Koch zum Verkauf. Willi Pieper, der die Firma Koch AG 1943 übernahm, benannte diese in Reppisch-Werke Dietikon (RWD) um. Von nun an wurden in der ehemaligen Rotfarb Schul- und Büromöbel sowie Türen und Trennwände hergestellt.

Ab 1990 wurden die RWD immer mehr zu dem Immobilienunternehmen, das sie bis heute sind. Die Reppisch-Hallen, die früheren Fabrikräumlichkeiten, dienen mittlerweile als Eventhallen.

Fast alle Dietiker Strassen haben eine Geschichte

«Es ist das erste Mal, dass ein Dietiker Weg eine solche Erklärungstafel erhält», sagt der Stadtrat Lucas Neff (Grüne), der der Infrastrukturabteilung vorsteht. Die Idee zur Namensgebung und zum Erläuterungsschild stamme vom Stadtverein. Vor etwa einem halben Jahr sei er mit seinem Vorschlag an die Infrastrukturabteilung gelangt. Es war nicht die erste Namensgebung, die auf Initiative des Stadtvereins erfolgte: Auch der Spanisch-Brötli-Bahn-Weg beim Bahnhof Dietikon war eine Idee des Vereins.

«Speziell an den neuen Schildern beim Rotfarbweg ist, dass sie von Hand in eine ­Messingform gegossen wurden. Oftmals werden Strassenschilder maschinell hergestellt», sagt Neff, der früher selber den Stadtverein präsidierte. Derzeit seien noch keine weiteren Erklärungstafeln bei Strassen oder Wegen geplant. «Der Rotfarbweg mit seiner Zusatztafel war eine Initialzündung», sagt Neff. Man wolle jedoch bei zukünftigen Namensgebungen, wenn immer möglich, auch erklärende Schilder anbringen. Man könne zu fast allen Strassen in Dietikon eine Geschichte erzählen.

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