Schlierefäscht

Der Umzug verbindet Menschen und begrüsst das neue Tram mit einem Rollstuhl-«Lisebethli»

Seit dem ersten zehntägigen Schlierefäscht im Jahr 2011 sind die goldigen Hüte und der geschmückte Traktor von «Insieme» beim Umzug ein Blickfang.

Am Schlierefäscht-Umzug vom Sonntag nehmen neben historischen Trams und vielen Vereinen auch Menschen mit Beeinträchtigung teil.

Rund 1400 Menschen, historische Trams, Oldtimer und geschmückte Wagen ziehen am Sonntag über die Zürcherstrasse in Schlieren. Angeführt wird der grosse Umzug vom «Lisebethli». Das ikonische gelbe Tram fährt erstmals seit der Einstellung des Trambetriebs zwischen Schlieren und Altstetten Ende 1955 wieder durch die Stadt. Der Festumzug unter dem Motto «Wir begrüssen das 2er-Tram» gehört zu den Höhepunkten des Schlierefäschts. Wenn das «Lisebethli» sich um 11 Uhr beim Wagi-Areal in Richtung Stadtzentrum bewegt, gibt es für Schaulustige viel zu entdecken.

Nebst weiteren historischen Fahrzeugen wie dem Tram Elefant von 1930 und einem alten Saurer-Bus sind zahlreiche kulturelle Gruppen und Vereine zu Fuss, in Kutschen, auf geschmückten Wagen oder in klassischen Automobilen unterwegs. Regionale Musikkorps sorgen dafür, dass möglichst wenig Füsse am Strassenrand still bleiben und Delegationen von Limmattaler Gemeinden pflegen mit ihren Teilnahmen am Umzug die nachbarschaftlichen Beziehungen.

Gleich hinter der gelben Limmattaler Strassenbahn, der Harmonie Schlieren und einer Delegation des Schlierefäscht-OKs sowie des Stadtrats wird Menschen mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen eine Plattform geboten. Koordiniert und angeführt vom Verein Insieme Limmattal und Amt, der sich für Menschen mit geistigen Behinderungen einsetzt, präsentieren unter anderem die Vereine PluSport Amt und Limmattal sowie PluSport Behindertensport Limmattal die Vielfalt ihrer sportlichen Aktivitäten. Während erstere Organisation von den selben Leuten gegründet wurde wie «Insieme» und stärker auf geistige Behinderungen fokussiert, entstand letztere in Oberengstringen und fördert verstärkt Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen.

Auch die Stiftungen Solvita und RgZ beteiligen sich mit eigenen Gruppen am «Insieme»-Tross. Während bei Solvita Menschen mit Beeinträchtigungen am Umzug ihre Arbeit in der Stiftungs-Gärtnerei veranschaulichen, spazieren für die RgZ Bewohner des Wohnheims Loomatt in Stallikon zusammen mit einem drei Meter hohen Böögg mit – dazu wird natürlich auch der Sechseläutenmarsch ertönen.

Gelegenheit, um Berührungsängste abzubauen

Viele Festbesucher pflegten im Alltag keine Beziehungen zu Menschen mit Beeinträchtigungen, sagt Jean-Jacques Bertschi, seit 1993 Präsident von «Insieme Limmattal und Amt». «Unsere Präsenz ist eine tolle Gelegenheit, sich im entspannten Rahmen zu begegnen und Berührungsängste abzubauen.» Die Zusammenarbeit mit dem OK sei fantastisch, sagt er. «Sie lesen uns fast jeden Wunsch von den Lippen ab.» Der Auftritt solle Spass machen, aber auch die Breite der Aktivitäten zeigen, zu denen Menschen mit Beeinträchtigungen Zugang haben. «Sie arbeiten, sind kreativ tätig, treiben Sport und machen Ausflüge», so Bertschi.

«Die Teilnahme ist auch eine gute Möglichkeit, um unser Angebot zu präsentieren», sagt Elsbeth Fuhrer, Präsidentin von «PluSport Behindertensport Limmattal». Ihre Gruppe demonstriert den Kampfsport Karate und hat um einen Rollstuhl ein «Lisebethli» konstruiert, denn auch die Behindertenorganisationen heissen das neue Tram willkommen. «Insieme» widmet dem 2er-Tram zudem eine Tramschlange aus Menschen, gefolgt von einem Fahnengruss aus dem Säuliamt. Angeführt wird der Tross seit 2011, als «Insieme» erstmals am Schlierefäscht teilnahm, von einem geschmückten Traktor mit Wagen.

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