Coronavirus

Die Bevölkerung hat viele Fragen – so informieren die Gemeinden in Coronazeiten

Dietiker Hotline: Das Informationsbedürfnis ist gemäss Stadt gross.

Dietiker Hotline: Das Informationsbedürfnis ist gemäss Stadt gross.

Flugblätter, Smartphone-Apps und Hotlines: Wie die Gemeinden ihre Bürger in Coronazeiten informieren. «Darf ich an der Allmend Glanzenberg noch grillieren?» – «Findet die Papiersammlung überhaupt statt?» – «Kann ich trotz Schliessung der Gemeindeverwaltung Einblick in ein aufliegendes Baugesuch nehmen?» Trotz ständiger Berichterstattung: Rund um das Corona­virus bestehen viele offene Fragen, welche die Limmattalerinnen und Limmattaler umtreiben.

Dies spüren insbesondere die Gemeindeverwaltungen, die in diesen Tagen von vielen Bürgern angerufen und angeschrieben werden. Die Gemeinden haben deshalb in den vergangenen Tagen ihre Kommunikation intensiviert.

So informiert beispielsweise die Stadt Schlieren laufend auf ihrer Website über die neusten Entwicklungen: Ein auffälliger roter Menüpunkt ­«Coronavirus» führt direkt zu den aktuellsten Meldungen; die Papiersammlung vom April ist abgesagt, der Abo-Vorverkauf für die Badi ist auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Zudem verschickt Schlieren die Hinweise auch per App. Die News können dort als Push-Nachrichten abonniert werden. Das Informationsbedürfnis ist dabei gross, wie die Kommunikationsbeauftragte Astrid Romer Schneiter sagt: «Die App wurde letzte Woche vermehrt heruntergeladen, insgesamt wurde sie knapp 6000-mal installiert.» Die App wird nicht nur heruntergeladen, sondern auch genutzt. Rund 300 Personen haben aktuell die Nachrichten der Stadt abonniert. Zudem verzeichnet die Stadt derzeit deutlich mehr Zugriffe. Zahlen liegen beispielsweise für den Montag von ver­gangener Woche vor: «Die App verzeichnete eine dreifach so hohe Klickrate wie normal», sagt Romer.

Da nicht alle Einwohnerinnen und Einwohner digital unterwegs sind, greift Schlieren auch auf andere Informationsmittel zurück. So informiert ein Screen beim Schlieremer Stadthaus laufend, zudem erfolgte in der vergangenen Woche auch eine generelle Information in einem Inserat in der «Limmattaler Zeitung».

Die Gemeinde Oetwil informiert hauptsächlich über die eigene Website, wie Gemeindeschreiber Pierluigi Chiodini sagt. Da es aber wohl auch Personenkreise gebe, die über keinen Internetzugang verfügen, sei zur Sicherheit auch ein Informationsflyer in alle Haushaltungen verteilt worden. Zudem sei eine Freiwilligenhilfe gestartet worden. «Alle Einwohner wissen somit, dass sie sich im Falle von Hilfsbedürftigkeit bei der Verwaltung melden können.»

Telefonnummern für Notlagen

In Oberengstringen wurden von den Werkmitarbeitern an den letzten beiden Montagen ebenfalls Flyer verteilt, wie Gemeindepräsident André Bender (SVP) erklärt. Darauf wurden Informationen aus der Gemeinde sowie eine Nottelefonnummer kommuniziert. «An diese Nummer können sich Einwohner, die sich in einer Notlage befinden, an sieben Tagen von 8 bis 18 Uhr wenden», sagt Bender.

Eine Hotline hat auch die Stadt Dietikon am Dienstag lanciert. Sie wird von Montag bis Sonntag von 8 bis 20 Uhr betrieben: Dietikerinnen und Dietiker können sich mit ihren Fragen und Problemen an die Nummer 0800794776 wenden, wie Sicherheits- und Gesundheitsvorstand Heinz Illi (EVP) erklärt.

Die Hotline dient gemäss Illi dazu, «dem hohen Informationsbedürfnis der Bevölkerung im Zusammenhang mit dem Coronavirus nachzukommen». Dabei sollen auch Anliegen lokaler Art beantwortet werden. Nicht gedacht ist die Nummer für medizinische Fragen. Dafür verweist die Stadt ans Ärztefon (080 033 66 55). Der Betrieb der Dietiker Hotline ist bereits sichergestellt, denn das Personal ist vorhanden: Die eingehenden Anrufe nehmen städtische Angestellte entgegen, die in ihrer üblichen Arbeitstätigkeit wegen des Coronavirus eingeschränkt sind. So werden beispielsweise einige Bibliothekarinnen der geschlossenen Bibliothek die Bürger telefonisch beraten. «Dank unseren motivierten und flexiblen Angestellten sind wir in der Lage, die Hotline sofort an sieben Tagen offenzuhalten», sagt Illi.

Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) hatte über Twitter vor wenigen Tagen angekündigt, dass an «weiteren städtischen Info-Kanälen gearbeitet wird, damit auch jene Einwohner erreicht werden, die keinen digitalen Zugriff haben». Damit nun die neue Telefonnummer in der Bevölkerung bekannt wird und genutzt werden kann, wird die Stadt unter anderem eine Plakataktion starten, wie Heinz Illi sagt.

Die Bevölkerung bietet grosszügig Hilfe an

Gleichzeitig mit der Hotline hat die Stadt Dietikon auch eine neue Koordinationsplattform für Freiwilligenarbeit während der Coronapandemie entwickelt. Unter www.dietike-hilft.ch können Personen, die Hilfe anbieten wollen, auf einfache Weise ihre Angebote pu­blizieren. Wer Hilfe benötigt, kann am Computer die entsprechenden Informationen durchforsten (wer keinen Internetzugang hat, kann mündlich über die Hotline nachfragen).

Obwohl die Internetseite erst gerade am Dienstag online gegangen ist, sind darauf schon viele Personen zu finden, die sich unter anderem für Botengänge, Einkäufe oder Haustierbetreuungen zur Verfügung stellen. Wie ein Blick in die Angebote zeigt, ist die Solidarität gross. So schreibt einer, dass er zwar kein Auto besitze, aber mit seinem Velo schon für Hilfesuchende einkaufen gehe könne. Und ein anderer schreibt, dass sein Deutsch zwar nicht so gut sei, er aber nach seinem Arbeitsschluss am Abend dennoch gerne helfen wolle – man soll ihm die Einkaufsliste doch zur Sicherheit einfach schriftlich schicken.

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