Die 14 Gemeinden des Zweckverbands Spital Affoltern sind sich einig: Der Verband soll aufgelöst, das Spital aber als gemeinnützige Aktiengesellschaft und die Langzeitpflege von einer Interkommunalen Anstalt (IKA) geführt werden.

Knapp war das Resultat einzig in Stallikon. In der stark nach Zürich orientierten Gemeinde waren 568 Stimmberechtigte für die AG, 536 dagegen. In allen anderen Gemeinden überwog der Ja-Anteil klar, gesamthaft betrug er 75 Prozent. Für die Gründung der Interkommunalen Anstalt Pflegezentrum Sonnenberg stimmten gar 82 Prozent.

So deutlich war das nicht zu erwarten. Im Vorfeld der Abstimmung lieferten sich Befürworter und Gegner ein intensives Duell. Von den 14 Verbandsgemeinden warnten 7 Exekutiven vor einem Ja, darunter der Stadtrat der Standortgemeinde Affoltern.

Stadtpräsident Clemens Grötsch trug die Niederlage mit Fassung. «Das Thema hat die Region bewegt, das zeigt auch die rekordhohe Stimmbeteiligung von 55 Prozent», sagte er gestern vor den Medien. «Am Ende haben nicht die Fakten, sondern die Emotionen entschieden.» Enttäuscht sei er nicht, sagte Grötsch. «Es war unsere Pflicht, die finanziellen Risiken aufzuzeigen. Wenn sich das Volk das Spital etwas kosten lassen will, akzeptieren wir das. Nun werden wir das Spital vorbehaltlos im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen.»

Wie weiter?

Die Zahlen sprachen tatsächlich gegen das Spital. Es ist schlecht ausgelastet und die Behandlungskosten zählen zu den höchsten im Kanton. Die Infrastruktur ist veraltet, der Betrieb defizitär. Viele Patienten aus dem Säuliamt lassen sich im Kantonsspital Zug und im Zürcher Triemli behandeln. Nur ein Drittel wählt das eigene Spital. Die Gesundheitsversorgung der Region ist laut der Zürcher Regierung auch ohne das Spital Affoltern sichergestellt. Es ist fraglich, ob es genug Leistungsaufträge erhält, um es 2022 auf die Spitalliste zu schaffen – und damit auch 720 Arbeitsplätze zu erhalten.

Wie es konkret weitergeht mit dem Spital und der Langzeitpflege will Grötsch der Betriebskommission des Spitals überlassen. Dessen Präsident, Stefan Gyseler, zeigte sich gestern erleichtert über das klare Bekenntnis der Säuliämtler. «Wir verstehen das als Auftrag, für das Spital zu kämpfen», sagte er. Wie, liess er offen. «Aber es ist klar, wir müssen aufzeigen, dass wir mit einer schwarzen Null arbeiten können. Die Rechnung 2019 wird sehr wichtig sein.»

Noch wichtiger wird es sein, die Gesundheitsdirektion zu überzeugen und sich für Leistungsaufträge zu empfehlen. Affoltern ist bekannt für seine ganzheitlichen Betreuungsansätze und die Altersmedizin. Diese Stärken sowie die Zusammenarbeit mit dem Triemli und dem Kantonsspital Zug sollen gemäss Gyseler ausgebaut werden. «Eine Möglichkeit, um Patienten zurückzuholen, wäre, dass Triemli-Spezialisten hier vor Ort Sprechstunden anbieten.» So oder so muss in die über 100 Jahre alte und verzettelte Infrastruktur investiert werden. Die Spitalführung rechnet mit Investitionen von gegen 110 Millionen Franken.

Die Weichen werden in den kommenden Tagen gelegt. Heute wird die Betriebskommission die nächsten Schritte beraten. Am Mittwoch ist eine Sitzung mit den Vertretern der Verbandsgemeinden und dem Gemeindepräsidentenverband geplant. Der wichtigste Termin, so Gyseler, sei aber das Treffen mit der neuen Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli und ihren Chefbeamten in einer Woche. Gestern wollte sich die SVP-Regierungsrätin weder zum Abstimmungsresultat noch zur Zukunft des Spitals äussern.