Während Jahrhunderten war die Fähre Maurizius eine der wenigen Möglichkeiten in der Region, die Limmat zu überqueren, ohne nass zu werden. Mit der Einweihung der Engstringerbrücke 1844 verlor sie jedoch als Verkehrsmittel ihre Bedeutung und wurde immer weniger genutzt. Jetzt ist die «Maurizius» sogar reif fürs Museum. Das bedeutet aber nicht, dass die Fähre ausgemustert wird. Seit Ende April ist sie an schönen Sonntagen und Feiertagen mit genügend hohem Wasserpegel wieder jeweils von 13 bis 17 Uhr in Betrieb und bringt kostenlos Spaziergänger über den Fluss. Und das in neuem Glanz: Im Winter bekam das Schiff einen neuen Anstrich verpasst, sagt Mathias Wischenbart, Präsident des Wasserfahrvereins Schlieren, der die Fähre zusammen mit der Seepfadi Zürich betreibt.

Vor kurzem wurde die «Maurizius» im Verkehrshaus Luzern als Teil der neuen Themeninsel «Fähren in der Schweiz» digital verewigt. Ein grosser Touchscreen mit interaktiver Schweizerkarte, auf der Standorte von Fähren eingetragen sind, lässt die Besucher in ihre Geschichte eintauchen.

Es wird angenommen, dass eine Fähre bereits vor der Gründung des Klosters 1130 existierte. Zu den Passagieren der Fähre zählten über die Jahrhunderte ganz unterschiedliche Leute. So dürften Pilger aus dem Schwarzwald auf ihrem Weg nach Einsiedeln die Übersetzmöglichkeit genutzt haben. Auch für Unterengstringer Bauern war die Fähre ein wichtiges Transportmittel, denn seit Alters her besassen diese Land auf der linken Limmatseite. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts diente das Boot auch dem Verkehr mit der Klostermühle, die zu jener Zeit ihre Blüte erlebte. Ebenso mussten Schüler die Fähre nutzen, um zur Schule zu kommen.

Energieeffiziente Seilfähre

Das Schiff beim Kloster Fahr gehört zu den sogenannten Gierseilfähren. Diese nutzen zur Fortbewegung gezielt die Strömung des zu überquerenden Flusses aus. «Dieser Fährentyp ist in der Schweiz beliebt, weil er oft keinen Motor benötigt und somit auch energietechnisch effizient ist», sagt Jean-Luc Rickenbacher vom Verkehrshaus Schweiz, der die Ausstellung kuratierte.

Rund 150 Passagiere befördern die ehrenamtlichen Fährfrauen und -männer an einem guten Tag, weiss Wischenbart. Das 8,5-Meter lange Holzschiff bietet pro Überfahrt bis zu
14 Menschen Platz und wird noch bis September auf der Limmat unterwegs sein.

Hauptfokus der neuen Dauerausstellung in Luzern ist die Fährenschifffahrt auf dem Zürichsee, dem Bodensee und dem Vierwaldstättersee. Kernstück ist das originale Steuerhaus der Fähre «Meilen» von 1979. «Der Transport des Objekts vom Zürichsee ins Verkehrshaus war spektakulär», sagt Rickenbacher. Seit der Inbetriebnahme 1933 haben die Zürichsee-Fähren eine bewegte Geschichte durchgemacht. Auch die Schweizer Armee setzte schon auf sie, um Truppenteile über den See zu befördern, sagt Rickenbacher. Und obwohl die rund drei Kilometer lange Überfahrt eigentlich nur zehn Minuten dauert: 1999 musste eine Fähre während des Orkans Lothar in der Mitte des Sees wieder kehrtmachen, weil der Sturm zu stark wütete. Neben interaktiven Elementen wie einem Propeller-Simulator zeigt die Themeninsel mit Motoren und einer Uniform zahlreiche weitere Originalobjekte sowie Fährenmodelle.