Stadtentwicklung

Die Stadt Dietikon zelebriert ihre Vielfalt im Film – der sorgt für viel Gesprächsstoff

Über 200 Interessierte haben die Premiere des Films zur Stadtentwicklung mitverfolgt. Der 55-minütige Film sorgte für viel Gesprächsstoff. Allein für den Film wurden 15 Stunden Videomaterial zusammengetragen. Der Film bildete den Auftakt zu weiteren Veranstaltungen.

Aufbruchstimmung in Dietikon: Klaviermusik begleitete malerische Landschaften – eine rauschende Reppisch, Naherholungsgebiete und weite Felder liefen über die Leinwand. Es folgten auch Szenen aus dem Friseurladen, vom Bahnhofplatz, aus Cafés und dem Markt, aber auch von alten und neueren Wohnquartieren. Stimmen der Bevölkerung aus dem Off gaben ihre Verbundenheit und Wertschätzung gegenüber Dietikon zum Ausdruck. Liebevoll nannten sie Dietikon mal als Stadt, dann wiederum als Dorf. Auch gegen negative Vorurteile wehrte man sich. Eine Stimme sagte: «Dietikon isch nöd wüest.»

So begann der 55-minütige Film zur Stadtentwicklung Dietikons. Über 15 Stunden Filmmaterial hat das Büro Denkstatt als «Studio Dietikon» im Auftrag der Stadt im Vorfeld aufgenommen. Die Filmpremiere im Alten Bauamt am Samstag bildete den Auftakt zu weiteren Veranstaltungen im Prozess des innovativen Stadtdialogs, der zu Beginn dieses Jahres begonnen hatte. Zur Premiere fanden sich über 200 Besucherinnen und Besucher ein. Aufgrund dieses grossen Andranges musste einige stehend zuschauen.

Das Studio Dietikon war in die Quartiere hinausgegangen und hatte mit unterschiedlichsten Bewohnern gesprochen, mit Jung und Alt, mit Unternehmern, mit Naturschützern, aber auch mit Exponenten der Stadt. «Wir haben versucht, die Dietiker Alltagskultur einzufangen», sagte Ben Pohl von Denkstatt. «Der Film ist ein Querschnitt. Er zeigt Facetten zentraler Themen, welche Dietikon beschäftigen», ergänzte Kollegin Tabea Michaelis.

«Under de Brugg»

Im Film erfuhr man, dass es beim Glanzenberg einen beliebten Jugendtreff unter der Brücke gibt, den die Jugendlichen «Under de Brugg» nennen. Unternehmer mit und ohne Migrationshintergrund nutzen Dietikon als Wirtschaftsstandort. Entgegen Warnungen von Freunden, die Dietikon als «hartes Pflaster» bezeichneten, konnte der Gründer des modernen Reformladens «Libergy», Pascal Bättig, seine Firma erfolgreich in Dietikon etablieren. Die Kulturbeauftragte der Stadt, Irene Brioschi, erzählte, wie ihr das neue Quartier Limmatfeld durch das Stadtfest ans Herz gewachsen sei. Die Wichtigkeit von Freizeitangeboten in den Quartieren betonte Michaela Tobler, die Leiterin der Freizeitanlage Chrüzacher. Naturschützerin Christa Glauser nannte Freiräume für die Natur als ihr Anliegen. Ein Blick in die Vergangenheit gab die Ortsmuseumsleiterin Regula Stauber.

Eine junge Frau äusserte ihre Sorge, dass günstiger Wohnraum verloren gehe, weil immer mehr teure Mietwohnungen auf den Markt kommen. Dazu nahm Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) im Film Stellung: «Tote Regionen wie etwa in Zug, wo Superreiche sich nicht ins Dorfleben einbringen, will man in Dietikon nicht. Auf der anderen Seite hat die Stadt überdurchschnittlich hohe Sozialkosten. Ein guter Mix ist die Lösung.» Stadtrat Philipp Müller (FDP) erwähnte, dass es bereits einige Genossenschaften gebe, die sich für bezahlbaren Wohnraum einsetzen. Neben der Limmattalbahn war auch Integration ein Thema. Stadtrat Anton Kiwic (SP) sieht Multikulti als eine Stärke Dietikons. Sein Amtskollege Lucas Neff (Grüne) ermahnte zu einem ganzheitlichen Blick. Zu Zukunftsprognosen äusserte sich Stadtrat Rolf Schaeren (CVP) realistisch: «Meine Erfahrung ist, es kommt immer anders, als man denkt.»

Diverse Perspektiven

Der Film bewegte das Publikum. Besucher Jürg Brenner sagte: «Dass man Befindlichkeiten aus der Bevölkerung aufnimmt, begrüsse ich sehr.» Allerdings sei er nicht mit allem, was im Film vorkam, einverstanden. Aber er habe das Gefühl, die Stadt gehe in die richtige Richtung. «Ich war positiv überrascht, dass die Mehrheit hier gerne lebt», sagte Daniela Lechmann. Es sei ihr aufgefallen, dass besonders junge Menschen Multikulti schätzten.

Lionella Olivieri fand es schön, dass viele verschiedene Menschen zu Worte kamen. «Es gibt Gemeinschaft, wenn man mitbestimmen kann», so Olivieri. Dieser Meinung war auch Koni Lips: Besonders Freude hatte er, dass auch Unternehmer im Film auftraten. Gemeinderätin Manuela Ehmann (EVP) zeigte sich ebenfalls vom Film angetan. Sie hätte sich aber mehr kritische Stimmen gewünscht. Zur Premiere erschienen auch einige Stadträte. Stadtrat Reto Siegrist (CVP) lobte den Film als guten Startpunkt im Dialog mit der Bevölkerung. Umso mehr freue er sich auf Taten. Und Stadtpräsident Roger Bachmann sagte: «Der Film ist gelungen. Eine Erkenntnis ist die Vielfalt der Stadt. Es gilt, diese in der Image-Diskussion positiv hervorzuheben.» Denn bisher sei das Dietiker Image auf bestimmte Themen reduziert. Positive Aspekte wie gute Verkehrsanbindung, Naherholungsgebiete, Vereine, Kultur und Vielfalt sollten das Bild korrigieren.

Der Projektleiter Stadtplanung, Severin Lüthy, zog eine Zwischenbilanz: Der Film zeige, dass es nicht dieses eine Dietikon gebe. «Jeder sieht die Stadt aus einer anderen Perspektive.» Mit dieser Vielfalt von Perspektiven und Erwartungen zu arbeiten, sei eine Herausforderung. Es gilt, die Entwicklung der Stadt so zu gestalten, dass möglichst viele sich wohl fühlen und sich mit Dietikon verbunden fühlen, sagte Lüthy.

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