Der Bass hämmert durch die Wände und elektronische Synthesizer-Töne formen sich zu einer eingängigen Melodie. Die beiden Dietiker DJs Andri Zeiter und Sven Burn sitzen vor dem Bildschirm und arbeiten an einem neuen Track. Die 22-Jährigen haben sich durch gemeinsame Freunde kennen gelernt und vor einem Jahr zum DJ-Duo Reteez n’ Burn zusammengeschlossen. Dabei können beide voneinander profitieren.

«Andri hat bereits einige Erfahrung im Produzieren von eigenen Tracks und konnte mir vieles erklären», sagt Burn. Er selbst habe dafür die nötigen Kontakte und verschaffte dem Duo im Sommer 2018 unter anderem einen Auftritt an der Streetparade. Um zu Konzerten zu kommen, seien vor allem Vitamin B und ein wenig Glück nötig. «Ein Clubbesitzer wird dich nicht engagieren, wenn er dich nicht kennt. Ein gutes Netzwerk ist sehr wichtig», so Burn. Mittlerweile haben die beiden aber bereits einige bekannte Namen kennengelernt.

Ein eingespieltes Team

Angefangen hat alles im kleinen Rahmen. Zeiter hat bereits in der Sekundarschule gerne Partys organisiert. «Da habe ich natürlich immer Playlists zusammengestellt», erinnert er sich. Das erste Mal richtig auflegen konnte Zeiter dann am Kantiball in Urdorf. Während der Lehrabschlussprüfung und der Rekrutenschule habe er seine Tätigkeit als DJ jedoch etwas vernachlässigt und sich hauptsächlich zum Produzieren in sein Zimmer zurückgezogen. «Zum Glück habe ich dann Sven kennen gelernt», sagt Zeiter.

Seit ihrem Zusammenschluss sind die jungen DJs bereits an verschiedensten Veranstaltungen aufgetreten: Sie haben auf der Street Parade, aber auch an Volksfesten wie dem Rebblüetefäscht in Weiningen und an der Eröffnung des «Gleis 21» in Dietikon aufgelegt.

Burn hat seine Leidenschaft ebenfalls an Partys entdeckt, an denen er meistens für die Musik zuständig war. Das Mischen von Songs und das Produzieren von eigenen Tracks haben sich die beiden DJs mit der Zeit selber beigebracht. Vor allem Youtube-Tutorials seien ihnen dabei sehr hilfreich gewesen. «Man lernt aber auch von dem, was man hört», sagt Zeiter. «Oft analysiere ich die Lieder von anderen DJs und versuche herauszufinden, wie sie einen bestimmten Übergang gemacht haben. Das ist meistens sehr inspirierend.»

Bisher haben Reteez n’ Burn zwei Tracks veröffentlicht. Momentan sei jedoch sehr viel Stoff bereit, der nur noch den letzten Feinschliff brauche. «Auf eine Idee folgt zuerst immer eine einfache Klaviermelodie von etwa vier Takten. Auf diese kann man dann aufbauen», erklärt Zeiter. Ganz zum Schluss werde noch einmal alles sauber abgemischt und komprimiert, störende Frequenzen zurückgenommen und der Klang voller gemacht. «Die drei bis sieben Instrumente der führenden Stimme sollen am Schluss idealerweise wie ein Instrument klingen», so Zeiter.

Sieben bis acht Tracks befinden sich aktuell in dieser Master-Phase und einer wird noch diesen Freitag veröffentlicht. Es entstehen aber auch laufend neue Ideen. «Ich bin schon nachts wegen einer Idee aufgestanden und habe bis um drei Uhr morgens daran gearbeitet, obwohl ich am nächsten Tag ins Büro musste», erzählt Zeiter.

Viel Improvisation

Nicht nur das Produzieren eigener Tracks, sondern auch das Vorbereiten der Konzerte benötigt viel Zeit. Vor Auftritten stellen Reteez n’ Burn jeweils eine grosse Auswahl an Liedern zusammen. Dabei wird jedoch nicht festgelegt, welcher Song wann gespielt wird. Während des Konzertes improvisieren die DJs meistens. «Man muss immer auf das Publikum eingehen und herausfinden, was es hören will», sagt Burn.

Sobald man einmal gelernt habe, wie man die Übergänge macht, könne man jedes Lied in ein anderes fliessen lassen. Geübt werden hingegen die Mashups – das gleichzeitige Abspielen und Übereinanderlegen verschiedener Lieder. «Wenn ich eine Idee für ein neues Mashup habe, dann übe ich es gleich 30 Minuten lang, bis ich genau weiss, wann ich welchen Knopf drücken muss. An einem Auftritt kann ich das Mashup dann wie ein einziges Lied nutzen», sagt Zeiter.

Burn habe auch schon eine neue Mashup-Idee während eines Konzertes vor hundert Leuten ausprobiert. «Natürlich hat man Angst davor, mal den falschen Knopf zu drücken. Aber auch wenn der Beat mal kurz aus dem Takt fällt, merkt es das Publikum meistens nicht», meint Burn. Vor Auftritten sei er trotzdem immer nervös. Bis zum zweiten Übergang sei er deshalb meistens so fokussiert auf die Musik, dass er gar keine grosse Show machen könne. «Sobald man aber merkt, dass die Leute darauf anspringen, hat man auf der Bühne selber auch eine Party.»

Rein als DJ arbeiten zu können, sei schon ein Bubentraum, meint Zeiter. Er hoffe und baue jedoch nicht darauf. «Um richtig erfolgreich zu werden, braucht man einen Track, der viral geht.» Falls es so weit kommt, würden Reteez n’ Burn dazu aber sicher nicht Nein sagen.