«Ich bin sehr zufrieden mit dem Saisonstart», sagt Jürg Mallepell. Und das glaubt man ihm sofort. Dreimal ist er bisher bei Triathlons in der Schweiz gestartet, zweimal konnte er gewinnen – zuletzt am vergangenen Sonntag in Zug über die olympische Distanz. «Die Strecke ist mit 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen deutlich kürzer als bei einem Ironman, aber als harte Trainingseinheit war der Wettkampf ideal», sagt Mallepell.

Ebenfalls gewonnen hat Mallepell den Short-Triathlon (800 Meter im Wasser, 20 Kilometer auf dem Velo und 5 Kilometer zu Fuss) in Wallisellen im Mai, und das gleich bei seinem ersten Start überhaupt. «Dort ist es mir super gelaufen», sagt Mallepell. «Es herrschten zwar Minusgrade, aber dafür konnten wir in der Halle schwimmen.»

Reifen kaputt nach 400 Metern

Einzig beim Ironman 70.3 in Rapperswil, dem Triathlon über die halbe Ironman-Distanz, musste sich der Urdorfer mit dem zweiten Platz zufriedengeben. Dort hatte er Pech: «Mir ist bereits 400 Meter nach dem Start auf der Radstrecke der hintere Reifen geplatzt» sagt Mallepell. Der Reifenwechsel zog sich unendlich in die Länge, er brachte den Collé, den Schlauchreifen, der auf die Felge geklebt ist, einfach nicht von seinem Rad. Als der Schaden endlich behoben war, hatte sich sein Vorsprung aus dem Schwimmen, in einen Rückstand verwandelt. Dieses Malheur raubte ihm die Chance, um den Sieg zu kämpfen, mit dem zweiten Platz hat er aber aus der Situation das Beste herausgeholt. «Ich fühle mich mental und körperlich sehr gut», sagt er, «aber ein technischer Defekt kann immer passieren.»

Nun gilt es, die gute Frühform beizubehalten. Denn Mallepell, der sich im vergangenen Jahr geschont hat, hat in dieser Saison noch viel vor. Er möchte sich zum vierten Mal für den Ironman auf Hawaii qualifizieren, dem härtesten und wohl bekanntesten Triathlon der Welt, der am 12. Oktober stattfindet. «Darauf ist meine Saison abgestimmt», sagt er. Die Gelegenheit, sich einen Startplatz auf Hawaii zu ergattern, erhält er am 7. Juli. Dann findet der Ironman in Klagenfurt statt, über den sich Mallepell für Hawaii qualifizieren kann.

Die Generalprobe für Klagenfurt hat Mallepell mit seinem Sieg in Zug schon mal bestanden. Doch mit dem Sieg alleine ist es natürlich noch nicht getan. Um in Klagenfurt möglichst gut abzuschneiden, trainiert Mallepell intensiv, nämlich 20 bis 25 Stunden insgesamt pro Woche. Davon verbringt er zehn bis 15 Stunden auf dem Rad, drei bis fünf Stunden im Schwimmbecken, zwei bis vier Stunden ist er zu Fuss unterwegs und zwei bis drei Stunden macht er Krafttraining.

Der Ironman auf Hawaii ist in dieser Saison aber nicht Mallepells einziges Ziel. Er startet auch noch bei den Weltmeisterschaften über Short und Olympisch, die am 30. August in Lausanne stattfinden. Seine Teilnahme war eigentlich nicht geplant gewesen, aber: «Die WM findet in der Schweiz statt, und die Chance, an einer Weltmeisterschaft im eigenen Land teilzunehmen, bekomme ich wohl nicht so schnell wieder.» Auch in Lausanne möchte der Urdorfer nicht nur einfach dabei sein. «Ein Top-Ten-Rang wäre genial», sagt Mallepell.

Alterskategorie als Vorteil

Nicht zuletzt, weil der 65-Jährige dieses Jahr einen leichten Vorteil hat: Er startet in einer höheren Alterskategorie. Diese startet bei 65 Jahren und reicht bis 69 Jahre. Soll heissen: Mallepell gehört mit seinen 65 Jahren zu den Jüngsten in seiner Kategorie. «Diesen Unterschied merkt man natürlich schon», so der Urdorfer.

Vorerst konzentriert er sich aber ganz auf Klagenfurt. Und was, wenn es mit der Qualifikation für den Ironman auf Hawaii nicht klappen sollte? «Dann bietet sich in Cervia beim Ironman Italy die nächste Gelegenheit», sagt Mallepell. Sollte er dort die Qualifikation schaffen, müsste er allerdings bis zum nächsten Jahr warten. Denn dann wäre er erst für den Ironman 2020 startberechtigt.