Weiningen

Ein Eidechsen-Traum: Ernst Weffelis Natursteinmauer erfreut Tiere und Spaziergänger

Ernst Werffeli steht vor der Natursteinmauer, die er in seinem Rebberg für Eidechsen baute. 1961 erstellte er am gleichen Ort zum ersten Mal eine Mauer für die Reptilien.

Ernst Werffeli steht vor der Natursteinmauer, die er in seinem Rebberg für Eidechsen baute. 1961 erstellte er am gleichen Ort zum ersten Mal eine Mauer für die Reptilien.

Ernst Werffeli baute mit seinem Sohn Harley im Weininger Rebberg Wellenberg ein Versteck für Reptilien.

Ein eisiger Wind rauscht durch den Weinberg Wellenberg in Weiningen. Ernst Werffeli muss seinen Hut auf den Kopf drücken, damit er nicht davonfliegt. Er steht vor seinem Rebhüsli und betrachtet die Steinmauer daneben. «Als es letzte Woche so warm war, habe ich die ersten Mauereidechsen gesehen. Weil es nun so kalt ist, haben sie sich in den Ritzen und im Sandzurück gezogen», sagt der 76-Jährige.
Vergangenen Sommer erstellte Werffeli mit seinem Sohn Harley die Natursteinmauer für die Reptilien. «Ich bin ein Naturmensch und ein grosser Fan von Tieren, wieso soll ich dann nicht auch etwas für sie tun», findet der Senior.

Sich in den Erdfugen vor dem Mäusebussard verstecken

Zwölf Kubik gebrochene Tiefensteiner Natursteine verbauten Vater und Sohn in drei Wochen. «Die Erdfugen haben wir extra sehr breit angelegt, damit sich die Eidechsen darin verstecken können», sagt Werffeli. Das sei wichtig, denn die Tiere würden sonst von Raubvögeln gefressen. Er zeigt auf einen Mäusebussard, der auf einer Stange zwischen den Rebreihen sitzt. Ganz fertig ist das Projekt aber noch nicht. «Sobald es wärmer wird, setzten wir Mauerpfeffer zwischen die Steine. Wenn der Bodendecker mit seinen gelben Blüten über die Mauer wächst, sieht das nicht nur schön aus. Die Pflanze dient den Eidechsen ebenso als Schutz.»

Für die eineinhalb Meter hohe und fünf Meter lange Mauer erntet Werffeli viel Lob. «Spaziergänger machen mir Komplimente. Gewisse Personen riefen mich sogar an.» Seit dem Coronanotstand sei der Rebberg gut besucht. «Ich habe noch nie so viele Menschen hier oben gesehen», sagt Werffeli. 1961 baute er als junger Mann zum ersten Mal eine Mauer für Eidechsen, am selben Ort, wo die Steine heute stehen. Er sei bereits damals fasziniert von den Tieren gewesen.

«Die Arbeit in der Natur ist etwas Schönes»

Den ein Hektar grossen Rebberg erbte Werffeli von seinem Vater. Unterdessen kümmert sich mehrheitlich sein Sohn ums Winzern. «Wir machen das nur als Hobby, davon leben könnten wir nicht, dafür haben wir zu wenig Reben.» Die Blauburgunder- und Riesling-Silvaner-Trauben gibt die Familie dem Weininger Winzer Hans-Heinrich Haug zum Keltern. Der Rebbau sei sehr arbeitsintensiv. «Doch die Arbeit in der Natur ist halt einfach etwas Schönes.»

Beruflich hatte Werffeli auch lange mit Wein zu tun. Er war Weinhändler für eine Waadtländer Firma. Ursprünglich lernte er Landwirt. «Ich habe aber auch eine Ausbildung zum Koch gemacht und bin deswegen viel in der Welt rumgekommen.» Werffeli stellt sich des Öfteren mit Ernesto statt mit Ernst vor. «In meiner Schulklasse hiessen zwei weitere Mitschüler Ernst, deshalb gab man mir diesen Spitznamen.»Diesen nutzt er auch als Künstler.

Der Weininger fertigt geometrische Gemälde. «Ich mache Bilder, die nicht flach sind, sondern dreidimensional.» Eines hängt im Rebhüsli im Wellenberg. Es sind Weinflaschen, die aus dem Bild herausragen. «Hier im Hüsli essen wir oft. Gestern gab es Fondue, heute werden wir grillieren.» Werffeli freut sich schon, wenn es wieder wärmer wird. «Dann kann ich beim Zmittag die Eidechsen auf der Steinmauer beobachten.»

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Autor

Sibylle Egloff

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