Dietikon

Eine neue Drohne mit permanentem Bodenkontakt

An der Leine: Die mit Strom versorgte Drohne kann lange in der Luft verbleiben.

An der Leine: Die mit Strom versorgte Drohne kann lange in der Luft verbleiben.

Das Start-up Unternehmen Fotokite demonstrierte sein neues Gerät vor Feuerwehrleuten. Auffällig dabei ist, dass die Drohne mit einem Kabel stetig mit dem Boden verbunden ist.

Wie von einem unsichtbaren Fahrstuhl hinaufgetragen, steigt sie senkrecht gegen den Himmel empor. Der Wind kann ihr nichts anhaben, bugsiert sie nur kurzzeitig aus der Bahn. Gleich hat sie die Maximalhöhe von 45 Metern erreicht. Nur noch als Punkt ist die Drohne vor den grauen Wolkenschleiern erkennbar – und hat die Verbindung mit dem Boden trotz allem nicht verloren.

Am Samstagnachmittag stellte das Zürcher Start-up-Unternehmen Fotokite seine neue Entwicklung vor und nutzte dazu den Modellflugplatz «Müsli», der vom Modellflugverein Dietikon zur Verfügung gestellt worden war. Ein grosses Thema war dabei vor allem jene Verbindung: Das Kabel, das die Drohne beim Flug mit sich hinaufzieht und ihr ein ungewohntes Aussehen verleiht. «Man kann sagen, dass dieses Kabel ein Alleinstellungsmerkmal unserer Drohne ist», sagte Sofia Zbinden von Fotokite.

Kein ferner, aber ein langer Flug

Einerseits wird mit dem Kabel die Reichweite auf eine Vertikale über dem Startpunkt beschränkt – Flüge in die Ferne können nicht unternommen werden. Das Kabel bringe aber andererseits auch Vorteile: «Die Drohne lässt sich ununterbrochen mit Strom versorgen und kann so theoretisch beliebig lange in der Luft bleiben», sagte Zbinden. «Herkömmliche Drohnen können dagegen nicht viel länger als 30 Minuten betrieben werden.»

Zu den Vorteilen einer solchen Konstruktion zähle auch die Sicherheit, da das Fluggerät ohne Verbindung mit dem Internet operieren könne und so vor Hackerangriffen geschützt sei. So sei auch ein Flug ohne GPS oder andere Funksignale möglich. «Die Bedienung ist denkbar einfach», sagte Zbinden und drückte das Steuergerät dem Nächststehenden in die Hände. Dieser tippte auf dem Tabletcomputer die anzupeilende Höhe an und schon machte sich die Drohne auf den Weg.

Dann geschah, was immer dann geschehen muss, wenn es am wenigsten geschehen darf: der Vorführungseffekt. Plötzlich riss die Datenübertragung ab und die Drohne lieferte keine Bilder mehr. Die Vertreter von Fotokite, Sofia Zbinden und André Vanoncini, nahmen es gelassen – und tatsächlich funktionierte nach ein paar Minuten wieder alles wie gehabt. Auf dem Bildschirm liessen sich neben der Höhe auch die beiden Kameras der Drohne steuern.

Neben einer herkömmlichen optischen ist das Fluggerät auch mit einer Wärmebildkamera ausgerüstet. Diese soll vor allem das Aufspüren von Personen oder Bränden erleichtern, die durch eine höhere Wärmestrahlung im Vergleich zu ihrer Umgebung auffallen. Auf dem zweiten Bild konnte wahlweise der Rangierbahnhof Limmattal unter die Lupe genommen werden oder die rund 20 Zuschauer, die neugierig zur Drohne emporschauten.

Feuerwehr zeigt Interesse

Der anwesende Dietiker Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) lobte nach der Demonstration die leichte Bedienung der Drohne. «Sie ist so einfach, dass keine Ausbildung nötig ist.» Eventuell könne er sich einen Einsatz für Luftaufnahmen vorstellen, etwa von sich schnell entwickelnden Gebieten, sagte Bachmann.

Auch Feuerwehrkommandant Roger Wiederkehr von der Feuerwehr Dietikon zog nach der Demonstration eine positive Bilanz. «Das ist eine gute Sache», sagte er. «Die Drohnen erlauben einen schnellen Überblick und könnten zum Beispiel im Falle eines Lagerhallenbrands oder bei der Vermisstensuche eingesetzt werden.» Positiv sei zudem, dass keine Ausbildungskosten für die Bedienung anfallen würden. «Alles in allem eine interessante Option», sagte Wiederkehr. Einen Entscheid, ob sich die Feuerwehr das rund 20 000 Franken teure Drohnensystem anschaffen könne, wollte er aber noch nicht mitteilen.

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