Adrian Leimgrübler sieht schmaler aus als noch vor ein paar Monaten. Tatsächlich habe er fünf Kilo zugenommen, sagt er und freut sich. Der 2015 sozusagen unehrenhaft aus dem Amt entlassene, im Nachhinein aber rehabilitierte Statthalter des Bezirks Dietikon war im letzten Jahr durch zahllose Höhen und Tiefen gegangen. Er gewann alle seine juristischen Kämpfe, holte im ersten Durchgang für die Statthalterwahl die meisten Stimmen, musste sich gegen Vorwürfe der Alkoholabhängigkeit zur Wehr setzen und stand am Ende mit leeren Händen da. Kein Amt, kein Job. Der 57-jährige Schlieremer blickt im Interview auf das Jahr zurück.

Wie geht es Ihnen?

Adrian Leimgrübler: Es geht mir eigentlich gut, privat bin ich sehr zufrieden.

Das Jahr ist aber wohl nicht spurlos an Ihnen vorüber gegangen.

Es war belastend für mich und meine Familie. Wir mussten uns überlegen, wie es künftig weitergehen soll.

Es wurde erzählt, Sie hätten sich auch eine Zeit lang zurückgezogen.

Diesen Rückzug habe ich gebraucht. Irgendwann nach der Wahl habe ich gemerkt, dass ich nach den Ereignissen zur Ruhe kommen muss. Es war eine gute Gelegenheit, meiner Gesundheit wieder mehr Sorge zu tragen.

Was haben Sie empfunden, als Ihre Wiederwahl gescheitert war?

Nach der Alkohol-Kampagne meiner ehemaligen Statthalterkollegen war es keine wirkliche Überraschung für mich. Sie haben den richtigen Zeitpunkt gewählt, ihr Ziel zu erreichen. Ich bin fatalistisch damit umgegangen. Man ist in solchen Situationen ja chancenlos.

Was haben Sie gefühlt?

Ich war vor allem enttäuscht.

Und jetzt?

Die Enttäuschung ist noch präsent. Ich wurde im November 2015 ohne triftigen Grund entlassen, und das nach 27 Jahren Tätigkeit für Justiz und Polizei. Ich habe mich immer für Recht und vor allem Gerechtigkeit eingesetzt. Nach den Beschwerden, die gegen mich erhoben wurden, wurde ich freigestellt; das hatte seine Richtigkeit. Die Vorgänge mussten abgeklärt werden. Eine Entlassung hätte aber erst nach erfolgter Abklärung stattfinden dürfen, wie dies auch im Administrativbericht empfohlen wurde. Ich bin in der Schweiz wohl der einzige Volksvertreter, der fristlos entlassen wurde.

Haben Sie die Ereignisse bitter gemacht?

Ich bin nicht verbittert, aber wie gesagt enttäuscht. Wenn diese Sache nicht wäre, wäre ich ein recht glücklicher Mensch.

Hat man sich bei Ihnen entschuldigt?

Nein, und ich habe auch keine Entschuldigung erwartet. Erwartet habe ich allerdings, dass man mir vonseiten der Regierung nach den klaren Entscheiden eine Stelle anbietet.

In Krisen beweist sich die Freundschaft. Gilt das auch bei Ihnen?

Es hat sich die Spreu vom Weizen getrennt. Den Freunden, die zu mir gehalten haben, bin ich sehr dankbar.

Unterstützen Sie Ihre Freunde, unter denen auch einige einflussreiche sind, bei der Jobsuche?

Ich stehe mit ihnen in Kontakt.

Glauben Sie, dass Ihre Geschichte Ihnen bei der Stellensuche schadet?

Das kann ich nicht einschätzen. Es ist auf jeden Fall nicht erbauend, bei der RAV anhängig zu sein. Einen Job zu finden, in dem ich etwas Sinnvolles leisten kann, ist mein wichtigster Wunsch für das Jahr 2018.

Wäre eigentlich eine Schadenersatzklage möglich?

Tatsächlich sind zwei Anwälte deswegen an mich herangetreten. In dieser Frage habe ich noch nicht definitiv entschieden.

Würden Sie in der Rückschau etwas anders machen?

Darüber habe ich mir nicht gross den Kopf zerbrochen. Ich hatte auch keinen Grund dazu. Die Entlassung damals kam aus heiterem Himmel.

Sind Sie also mit sich im Reinen?

Ja.