Mein Limmattal

Eiserne Esel am Berg

Radrennfahrer Beat Breu an der Tour de Suisse 1989.

Für eingefleischte Dietikerinnen und Dietiker und wohl auch für manche Nachbardörfler- und -städter ist der Name HEODIE ein Begriff. Klassische Drahtesel in allen möglichen Farben, früher mit der «Sturmey Archer»-Dreigang-Nabenschaltung, später dann mit Fünf- oder Mehrgang-Kettenwechsel.

Die Velos aus Dietikon haben Kultstatus und tragen sowohl den Namen des Herstellers wie auch denjenigen der Produktionsstätte in sich: HE (Hedinger) O (Otto) DIE (Dietikon). Otto Hedinger fertigte die währschaften Fahrräder in eigener Regie an, liess die stabilen Rahmen aus Metallrohren massgenau zusammenschweissen und bestückte die Fahrzeuge mit hochwertigen Bauteilen. Geschäftsnachfolger Walter Hedinger tat es seinem Vater gleich, setzte ebenso auf Qualität und hatte immer einen guten Rat für private Velochlütterer parat.

Mit einem solchem HEODIE-Velo quälte ich mich schon vor Jahrzehnten von Spreitenbach rund vier Kilometer lang den Heitersberg hinauf. Eine üble Sache, kann ich Ihnen sagen! Mit nur drei Gängen war dieser Ritt auf dem Zweirad kein Zuckerschlecken – und den oberen Teil musste ich manchmal zu Fuss unter die Räder nehmen. Irgendwann später blieb dann das für solche Spässchen schwergängige HEODIE im Keller. Neuerdings wuchtete ich mich mit einer Stadtzürcher Legende den Berg hinauf, nämlich mit einem echten Renner der Marke CAMINADA. Mein Ewigrekord steht bis heute auf 11 Minuten 37 Sekunden – schneller hab ichs nie geschafft. Als Vergleich: Bergfloh Beat Breu nabbelte an der Tour de Suisse 1989 auf der doppelt so langen Strecke von Baden Dättwil her kommend in 12 Minuten den Heitersberg hinauf in einem Affentempo von durchschnittlich 37,3 km/h!

Genau 30 Jahre ist das her und sie sind heute viel schneller geworden – die Velos, nicht die Fahrer. Noch heute gönne ich mir nämlich die Trainingstouren auf den Heitersberg. Mein HEODIE und das CAMINADA leben noch, allerdings kommen sie nur noch stadtnah oder auf flachen Strecken zum Einsatz. Den Berg bezwingen muss jetzt ein Mountainbike – sagt ja schon der Name. Aber immerhin eines ohne Strom! Den gibts nach wie vor nur in den Beinen und nicht aus dem Akku. Sonst wäre der Rekord vielleicht doch in Gefahr – auf eine billige Art und Weise.

*Thomas Pfann ist Musiker und Journalist. Er lebt in Dietikon. 

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