«Es ist sehr traurig, dass Birmensdorf einen der letzten regelmässig stattfindenden, gesellschaftlichen Anlässe verliert», sagt René Hedinger. Er bezieht sich auf das Bachfest, das im vergangenen Jahr vermutlich zum letzten Mal durchgeführt wurde, wie die Veranstalter – Hedinger sitzt im OK – kürzlich bekanntgaben. «Weil es einem OK-Mitglied gesundheitlich nicht sonderlich gut geht, ersuchten wir bei anderen Vereinen um Unterstützung. Es liessen sich aber nicht genug Personen finden, die uns unter die Arme hätten greifen können», sagt Hedinger. Als man zahlreichen Birmensdorfern berichtete, welche Arbeiten anfallen würden, waren viele erstaunt, wie viel Einsatz das vierköpfige OK in den Anlass steckt. «Auch trugen wir vier stets das finanzielle Risiko, das die Durchführung eines solchen Festes mit sich bringt. Mit dieser Verantwortung wollte sich niemand belasten», sagt er weiter.

Hedinger weiss, wie viel Aufwand die Durchführung alle Jahre wieder bedeutet. So gelte es im Grossen und Ganzen den Einsatz von rund 90 Personen zu koordinieren. Diese kamen stets aus anderen örtlichen Vereinen oder einer Nachbargemeinde wie auch aus dem privaten Umfeld der OK-Mitglieder und arbeiteten etwa in der Gastwirtschaft oder halfen beim Auf- und Abbau der Anlagen. Die Feuerwehr-Vereinigung mit ihren rund 60 Mitgliedern hob den Anlass 2011 aus der Wiege. Auch das OK besteht mehrheitlich aus Mitgliedern der Feuerwehr-Vereinigung.

Doch damit nicht genug. Der Verein ehemaliger Feuerwehrleute war auch mit der Durchführung der Festbewirtung anlässlich des Nationalfeiertages betraut. Zwar werde der Verein noch dieses Jahr für die Verpflegung sorgen, doch wird im kommenden Jahr auch damit Schluss sein. «Dafür haben wir leider keine Kapazitäten mehr», sagt Hedinger.

Es finden Gespräche statt

Für Gemeindepräsident Bruno Knecht (parteilos) ist der Wegfall des Bachfestes bedauerlich. Doch setze sich die Gemeinde dafür ein, dass der Anlass dennoch weiterhin durchgeführt werden kann. So schreibt er in der neusten Ausgabe des Birmensdorfer Dorfblattes, dass hinter den Kulissen bereits Gespräche stattgefunden hätten. «Wir stehen in Kontakt mit unseren grossen Vereinen, um das unterdessen zur Dorftradition gewordene Bachfest doch noch organisieren zu können», heisst es weiter. Auf Anfrage sagt er jedoch, dass dieses Jahr sicherlich kein Anlass durchgeführt wird, da dies zu kurzfristig wäre. «Im kommenden Jahr würde das Bachfest ohnehin ausfallen, da dann am ersten Mai-Wochenende das grosse Birmifest stattfindet», sagt er. Man habe also noch etwas Zeit, bis 2021 das nächste Bachfest stattfinden würde. Knecht ist optimistisch. So hätten bereits der örtliche Gewerbeverein, der Turnverein und der Fussballklub Interesse an einer langfristigen Übernahme der Veranstaltung angemeldet. «Gerne übernehmen auch wir, die Politische Gemeinde, einen Teil der Organisation», so Knecht. Es brauche jedoch zwingend weitere Freiwillige, und am wichtigsten, einen Hauptverantwortlichen. Eine Funktion, die Peter Kuhn zuvor innehatte.

Betreffend der Feier zum 1. August, gestalte sich die Sache etwas schwieriger, wie Knecht erklärt. «Viele Vereinsmitglieder sind abwesend, da die Feier stets mitten in den Sommerferien stattfindet.» Es zeichne sich aber allenfalls eine Lösung mit den neuen Pächtern des Restaurants Brüelmatt ab, so Knecht. Im Herbst werde sich der Gemeinderat dieser Sache annehmen.

«Mehr Geld in die Hand nehmen»

Für Hedinger sind die Anstrengungen, welche die Gemeinde nun unternehmen wird, sehr willkommen. «Wir alle finden es schade, dass es neben dem Herbstmarkt keine grösseren Anlässe im Dorf mehr geben wird.» Die Gemeinde solle auch in anderen Bereichen eine grössere Rolle bei der Organisation übernehmen. «Ich denke dabei etwa an eine Defizitgarantie, vergleichbar mit jenen, die andere Städte und Gemeinde den Organisatoren ihrer Feste zusichern», sagt er. Dass zahlreiche Vereine, allen voran die Feuerwehr-Vereinigung, die Gratisarbeit eines Event-Organisators leiste, sei wohl nicht mehr zeitgemäss, da es sich in den zehn Jahren Bachfest gezeigt habe, dass immer weniger Personen unentgeltlich mithelfen wollen.

Die Veranstalter seien zwar sehr froh, dass die Gemeinde ihnen seit Beginn des Festes etwa die Zehntenscheune oder Werkdienstmaterial zur Verfügung stellten. «Weiter ist mir klar, dass der Gemeinderat derzeit an allen Ecken und Enden sparen möchte. Doch das gesellschaftliche Leben in einer Gemeinde ist wichtig und man sollte in diesem Bereich wohl etwas mehr Geld in die Hand nehmen», sagt Hedinger.