«Es muss etwas geschehen, denn die Lage ist desolat», sagt der Schlieremer Werkvorstand Stefano Kunz (CVP). Damit spricht er die Lage der 21 Mannschaften des FC Schlieren an. Deren insgesamt sieben Garderoben in der Sportanlage «Im Rohr» sind einerseits in die Jahre gekommen, andererseits ist zu wenig Platz vorhanden für die 561 Spielerinnen und Spieler des Vereins.

Die Umkleidekabinen würden während des Trainingsbetriebs unter der Woche aber auch während Meisterschaftsspielen stark in Anspruch genommen. Oft habe auch schon auf die Garderoben der Schulanlage Zelgli ausgewichen werden müssen, schreibt der Stadtrat in einem kürzlich veröffentlichten Beschluss. Daraus geht hervor, dass die Stadt bestrebt ist, einen Ersatz- und Erweiterungsbau zu realisieren.

Das Problem ist altbekannt: Bereits 2015 sprach die Stadt 50'000 Franken für eine Machbarkeitsstudie, in der Lösungsvorschläge für einen Neubau erarbeitet werden sollten. Neben einem Raumprogramm wurden auch ein Betriebskonzept und eine Grobkostenschätzung erstellt. Diese brachte zutage, dass die Fussballerinnen und Fussballer 16 Garderoben, 8 Duschanlagen und 4 WC-Anlagen benötigen.

Hinzu kommt ein Mehrzweckraum, ein Restaurant mit Küche und Lager, ein Technikraum sowie drei Schiedsrichter- und Sanitätsräume. Derart viel Platz kostet auch etwas. Alleine für das Gebäude werden in der Studie 4,1 Millionen Franken veranschlagt. Hinzu kommen unter anderem Neben- und Landkosten, sodass der Bau alles in allem mit 5,6 Millionen Franken zu Buche schlagen würde.

3,6 Millionen sind vorgesehen

«Dabei handelt es sich ganz klar um ein Nice-to-Have-Projekt», wie Kunz sagt. Wäre ausreichend Geld vorhanden, könnte man eine solche Anlage erstellen. Doch das sei es nicht. Im Hinblick auf das Entlastungsprogramm, im Rahmen dessen die Stadt seit anderthalb Jahren spart, zeigt sich ein anderer Kostenrahmen. Bis 2020 sind lediglich knapp 3,6 Millionen Franken für den Garderoben-Bau im Finanzplan eingestellt. «Dies ist nur mit einer erheblichen Reduktion des Raumvolumens möglich, weshalb der Raumedarf und das Raumprogramm noch einmal hinterfragt werden müssen», schreibt der Stadtrat.

Er sei sich aber bewusst, dass die Sportanlage «Im Rohr» einen Beitrag zur Stärkung des Sportbetriebs in der Stadt leiste. «Das Ziel besteht darin, eine Gesamtanlage zu konzipieren, die funktionalen, qualitativen und quantitativen Ansprüchen gleichermassen entspricht», so der Stadtrat.

3,6 Millionen Franken sind noch immer ein stattlicher Betrag, auch im Hinblick auf die die gescheiterten Projekte der vergangenen Jahre im Sport- und Freizeit-Bereich. Mitte 2016 versenkte das Parlament den geplanten Zelgli-Skatepark, weil zu den geplanten Kosten von 350'000 Franken weitere 231'000 hinzugekommen wären. Bestrebungen, ein Angebot für Jugendliche zu schaffen, erhielten stets Absagen vom Stadtrat: So mussten die Pläne für einen Biketrail und einen Seilpark im Schlieremer Wald beerdigt werden.

Hat ein Millionenprojekt für den Fussball da gute Karten? «Wenn wir der Bevölkerung ein ausgewogenes Projekt vorlegen, ja», sagt Kunz. Damit meine er, dass die Räume möglicherweise auch von anderen Gruppierungen als nur den Fussballerinnen und Fussballern genutzt werden könnten. Oder aber, dass die Stadt in der Folge auch ander Vereine unterstützt. «Solche Fragen müssen wir noch diskutieren.»

25'000 Franken für neue Studie

Doch geht Kunz noch weiter. So müsse auch diskutiert werden, ob es ein Restaurant brauche und in welcher Form dieses betrieben werden soll. Auf die Frage, ob auch der FC Schlieren einen finanziellen Beitrag leisten solle, antwortet Kunz: «Dies steht zur Diskussion.»

Ein Treffpunkt für Fussballfans: Club-Restaurant des FC Schlieren.

Ein Treffpunkt für Fussballfans: Club-Restaurant des FC Schlieren.

«Ob unser Beitrag in finanzieller oder in anderer Form erbracht wird, muss man nun abklären», sagt Stefan Bolliger, Co-Präsident des FC Schlieren. Trotz des Scheiterns der Sport- und Freizeit-Projekte der jüngsten Vergangenheit ist er optimistisch. Aus seiner Sicht muss der Verein zwingend kommunizieren. «Es ist notwendig, dass wir der Bevölkerung mitteilen, dass Handlungsbedarf besteht. Unser Verein ist sehr stark gewachsen – die aktuelle Platzsituation ist ungenügend und veraltet», sagt er.

Geschenk zum 100-Jährigen?

Damit eine Preissenkung um zwei Millionen vollzogen beziehungsweise eruiert werden kann, wo der Rotstift genau angesetzt werden soll, erhöht die Stadt den einst gesprochenen Kredit von 50'000 Franken für die Machbarkeitsstudie um 25'000 Franken. Dazu bestimmt er eine Planungskommission bestehend aus Kunz, Finanzvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) und Roger Gerber von der Werkabteilung.

In beratender Funktion agieren Bolliger und Sven Seifriz, der im Vorstand für die Infrastruktur zuständig ist. «Wir sind seit längerer Zeit in engem Kontakt mit der Stadt und werden mit den zur Verfügung stehenden Mitteln das Beste herausholen», so Bolliger.

Bereits Mitte 2018 soll eine überarbeitete Machbarkeitsstudie vorliegen, die bis Ende Jahr zu einem Vorprojekt ausgearbeitet wird. Anfang des kommenden Jahres soll eine konkrete Vorlage zum Bauprojekt samt Baukredit präsentiert werden, über das die Schlieremer Mitte 2019 an der Urne befinden können. Ob es bis 2021 dauert – dann feiert der FC Schlieren sein 100-jähriges Bestehen – bis der Klub einen passenden Garderoben-Bau erhält, wird sich weisen.