Meterhohe Flammen und mehrere Explosionen: In der Nacht auf Samstag, den 25. August 2018, brach in einem Geschäftshaus beim Hauptbahnhof Zürich ein Feuer aus. Wegen des Grossbrands herrschte Ausnahmezustand in der Zürcher Innenstadt. Feuerwehrleute kämpften um den Gebäudekomplex, dessen Dach komplett zerstört wurde.

Zeitweise fürchtete man, das Gebäude selber, das wegen einer Renovation leer stand, als der Brand ausbrach, könnte einstürzen. Im September musste die Strasse vor dem Gebäudekomplex während eines Sturms gesperrt werden, weil die Bausubstanz noch zu wenig stabil war. Bald darauf war aber klar: Es gibt keinen modernen Ersatz, sondern das Geschäftshaus wird originalgetreu wieder aufgebaut und die markante Fassade wieder hergestellt.

Zur Brandursache lässt sich aber auch jetzt, ein Jahr nach dem Brand, noch nichts Genaues sagen. Die Ermittlungen zur Brandursache seien weitgehend abgeschlossen, sagt Marco Cortesi von der Stadtpolizei auf Anfrage. Aber die Staatsanwaltschaft sei noch nicht bereit, sich dazu zu äussern.

Unter dem Notdach und hinter dem Baugerüst wird intensiv gearbeitet. «Alles läuft nach Plan», sagt Reto Grunder, Asset Manager bei der Immobilienfirma PSP Swiss Property, der der Gebäudekomplex aus der Belle Époque gehört.

Aufwendig seien die Aufräumarbeiten bis Anfang dieses Jahres gewesen, sagt Grunder. Zuerst musste das ganze Material entfernt werden, das durch das Feuer, das Löschwasser und vor allem auch durch den Regen, der durch das fehlende Dach ins Gebäude drang, zerstört worden war. Dem Brand und dem Wasser zum Opfer gefallen sind denkmalgeschützte Stuckdecken, Täfer, Wandoberflächen und Decken, schreibt die Denkmalpflege der Stadt Zürich auf Anfrage, die die PSP bei der Restaurierung eng begleitet.

Das Treppenhaus blieb erhalten

Jetzt wird das Haus von unten nach oben rekonstruiert. «Das Gebäude ist gut dokumentiert», sagt Reto Grunder. Im Inneren sei zwar vieles nicht mehr brauchbar. Auch weil eine Betondecke durch fast alle Böden bis ins Erdgeschoss gestürzt sei. Deshalb werden laut Denkmalpflege zwar die Decken im Innern wieder in ihrer ursprünglichen Lage erstellt, auf die Rekonstruktion der verlorenen Innenausstattung wird aber verzichtet.

Noch erhalten sind die strassen- und hofseitigen Fassaden und teilweise ein Treppenhaus. Wegen der städtebaulichen Bedeutung der Gebäude am Bahnhofquai 9, 11, 15 und Bahnhofplatz 1 liegt der Fokus laut Denkmalpflege auf dem äusseren Erscheinungsbild. Damit dieses intakt bleibt, wird das verbrannte Dach mit den Lukarnen komplett neu erstellt und rekonstruiert. Dafür will man originale Materialien verwenden, das Dach also wieder mit Naturschiefer eindecken.

Im Sommer 2021 soll der Gebäudekomplex wieder wie vor dem Brand aussehen, sagt Reto Grunder von der PSP. Dann werden die Mieter einziehen – eineinhalb Jahre später als vor dem Brand geplant. Im Erdgeschoss bezieht der Computerverkäufer Dataquest die Ladenfläche, die er schon vor der Renovation belegte. Die Obergeschosse mietet der Workspace-Spezialist «No 18». Für zwei Verkaufsflächen sucht PSP noch Mieter.